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China-Abverkauf: Pekings schwerer Autoritätsverlust

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Von Markus Fugmann

Chinas Regierung bekommt trotz der jüngsten Massnahmen die Turbulenzen an den Finanzmärkten nicht in den Griff: so verlor der Shanghai Composite 1,29%, deutlich heftiger die Verluste hingegen in Shenzhen, wo der Shenzhen Composite 5,34% verliert, während der ChiNext, eine Art Nasdaq-Index Chinas, um 5,69% einbricht.

Dabie hat Peking alles versucht, den Crash zu stoppen: Verbot von Neuemissionen, Zinssenkung, Senkung des Mindestreservesatzes für Banken, Verbot von Leerverkäufen, Brokerfirmen mussten 17 Milliarden Euro in einen Stabilisierungsfond einzahlen, der Aktienkäufe tätigen soll, um den Crash aufzuhalten etc. etc.. Nichts aber scheint zu helfen.

Auch nicht, dass Peking über die staatlichen Medien permanente Beruhigungsversuche unternimmt, nach dem Motto: habt Vertrauen in die Regierung und ihre Reformen, der Aktienmarkt ist ein Wachstumsmarkt, Ruhe bewahren. Premier Li Keqiang hat die Autorität der Regierung in die Waagschale geworfen: die Regierung sei in der Lage, die wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes zu meistern, also sollte auch die Bevölkerung optimistisch sein. Aber seine Worte verhallten folgenlos.

Der Grund dafür ist einfach: es läuft derzeit eine Lawine an stop-losses, eine Prozeß des Deleveraging der hoch gehebelten Spekulanten im Reich der Mitte (sie stellen 80% des gehandelten Volumens!). Die Zocker waren bis zum Anschlag investiert, meist auf Kredit. Bestehende Aktiendepots wurden beliehen für neue Kredite, um dann neue Aktien kaufen zu können. Das geht so lange gut, wie die Märkte steigen. Fallen die Märkte wie derzeit (weit über 30% in knapp drei Wochen), läuft der Zug mit einer nicht zu stoppenden Dynamik in die andere Richtung. Da helfen keine Massnahmen, da hilft kein Zureden, das läuft ab wie ein Tsunami, den man versucht mit Prallböcken aufzuhalten.

Chinas Führung aber droht nun ein schwerwiegender Autoritätsverlust: sie hat die Chinesen ermuntern, in den Aktienmarkt zu investieren. Jetzt, wo der Markt crasht, zeigt sich, dass Peking die Kontrolle verloren hat. Wie aber soll die Führung die ökonomischen Herausforderungen meistern können, wenn sie nicht einmal die Aktienmärkte lenken kann? Diese Frage werden viele Chinesen stellen. Sie haben Geld verloren, sind teilweise finanziell runiert, haben jetzt keine wirkliche Perspektive mehr. Damit entsteht ein Unruhepotential, das der Anfang vom Ende der derzeitigen Machthaber sein kann.

China – das muß klar gesagt werden, weil es im Westen nicht wirklich verstanden wird – ist ein reines Pump-System. Alles ist hochgradig kreditfinanziert, alle sind stark verschuldet (Unternehmen, Lokalverwaltungen etc.), nur die Zentralregierung hat Devisenreserven. Darauf starrt der Westen und glaubt, dass China jede Krise auffangen kann. Diese Ansicht ist falsch. Vielmehr erleben wir derzeit den Zusammenbruch dieses Pump-Systems, das an den Aktienmärkten seinen krassesten Ausdruck fand, aber das Grundprinzip der gesamten Ökonomie Chinas ist.

Und so ist es wie immer beim Platzen von Blasen: erst kracht es an den Finanzmärkten, weil die Bewertungen von Unternehmen absurd hoch sind und mit der Realität nichts mehr zu tun haben, und dann kracht es in der Realökonomie. China steht vor einem Crash seines gesamten Wirstchaftsmodells: der Glaube an das ewige Wachstum bricht derzeit in sich zusammen!

6 Kommentare

6 Comments

  1. WErner

    7. Juli 2015 10:26 at 10:26

    Manipuliert ist ein hartes Wort – man sollte es durch (ge-)managed ersetzen!

    • joah

      7. Juli 2015 11:42 at 11:42

      klinische Worte bedienen immer nur die Verschleierung der Tatsache

      • rote_pille

        7. Juli 2015 13:12 at 13:12

        das war nur eine anpassung an westliche standards. china müsste mit dem leitzins uns der mindestreserve noch einmal deutlich heruntergehen, das potenzial dafür ust noch lange nicht ausgeschöpft.

  2. Max

    7. Juli 2015 13:37 at 13:37

    Ich lebe und arbeite als high level Expat als technischer Leiter einer 60.000-Mann Firma in China und man macht sich in D keine Gedanken darum, was hier wirklich los ist. Jeder schaut, daß er Gold und Silber bekommt und diejenigen, die in den letzten Tagen am Aktienmarkt (wie geplant) verloren haben, setzten einen unkontrollierbaren Flächenbrand in Gang. Alle namhaften und meist sehr großen Unternehmen hier haben in nur Stunden sämtliche Ausgaben kontrolliert und auf 0 gesetzt. Hier investiert niemand mehr und bezahlt wird auch nur nach 10maliger Aufforderung. Das Land ist schlagartig wirtschaftlich sehr gelähmt. Alleine der Verfall der Rohstoffpreise (Stahl, Aluminium, Kupfer, etc.) in den letzten Wochen hat eine muttlere Katastrophe ausgelöst.
    Die „kleinen“ Leute auf der Straße und auf den Märkten realisieren das alles nicht und wenn ich mir mal wirklich die Zeit nehme, mit denen ehrlich zu reden, dann winken sie nur ab und bemerken bestenfalls, daß ich ohnehin keine Ahnung habe und sowieso nichts passiert. Erinnert mich irgendwie an D.
    Die finale „Implosion“ in China wird noch ein paar Monate auf sich warten lassen, aber spätestens im September knallt es hier richtig. Das läuft generalstabsmäßig geplant hier ab und niemand kann den intelligenteren Leuten erzählen, daß hier Zufälle am Werk wären. Also nicht unbedingt alles so gleuben, was geschrieben wird, denn die Realität hier in China ist bereits ein Desaster.

    Und bitte folgendes bedenken: Wenn die Medien berichten, daß China finanziell „sturmreif“ geschossen würde, dann mag das vielleicht stimmen, aber es hat in jedem Fall den Segen der chinesischen Obrigkeit. Hier bedarf es nur eines Anrufs, und die Börse wäre zu – ganz einfach. Konsequenzen? Scheißegal! Die Europäer machen sich eben keinerlei Vorstellung davon, wie Parteigläubig die Menschen hier sind. Für die Partei werden sie wirklich alle Konsequenzen bis zum bitteren Ende und ohne nennenswertes Aufmucken erdulden.

    • joah

      7. Juli 2015 16:21 at 16:21

      Danke für den Tatsachenbericht. Bereiten Sie sich besser schon mal vor (Vorräte, etc.) – das ist kein Scherz.

  3. Bu hao ma

    7. Juli 2015 22:28 at 22:28

    Ich lebe und arbeite als Super High Premium Level Expat als technischer Direktor einer 200.000-Mann-Firma (Frauen arbeiten bei uns keine) in China. Dieser Satz musste für mein First Class Ego und zu meiner ernstzunehmenden Legitimation zu weltpolitischen Themen sein. Der erste Satz wirkt wie ein gut sitzender Anzug des Sparkassenberaters der auf der Jagd nach Finanzopfern ist, welche wirtschaftliche Kompetenz suchen. Und auf den ersten Eindruck kommt es halt an, das weiß ich als Manager zu gut.

    Der Leser soll ja wissen, das er es hier mit einem Menschen zu tun hat, der durch seine Eliten-Ausbildung in der Schweiz inkl. Promotion, Master und Gosthwriter-Diplom die einzig wahre Weltsicht abonniert hat.

    Deshalb macht es mir auch großen Spaß, der dummen chinesischen Bevölkerung zu erklären, was alles in ihrem Land falsch läuft. Aber nur wenn ich „wirklich“ Zeit habe und um mal wieder den barmherzigen Heiland spielen zu können. Passiert aber selten, da die vielbeschäftigten Wanderarbeiter, welche zu Hunderten die Parkanlage meiner umzähnten Luxusapartment-Anlage in Schuss halten, selten Zeit haben mich würdig rauszutragen und der debilen Bevölkerung zu präsentieren.

    Ich selber dagegen reagiere immer offen auf Kritik, z.B. von Amerikanern in Deutschland, welche max. ein paar Monate in unserem Land sind. Ich liebe diese missionarische Aufklärung dieser Leute und folge ihnen blind, da ja die Menschen meiner eigenen Regierung grundsätzlich Vollpfosten sind und alles falsch machen. Deshalb sehe ich es als unsere Pflicht an, Ausländern immer Recht zu geben, wenn Sie über die Politik meines Landes sprechen, schließlich glänzen diese durch jahrzehntelange Kompetenz in diesem Gebiet.

    Persönlich halte ich ja Angela Merkel für die Einäugige unter den Blinden (Chinesen). Mit ihrer progressiven Einstellung hätte es China viel, viel weiter gebracht in den letzten 30 Jahren. Schließlich sind 1,5% Wirtschaftswachstum der vergangenen 8 Jahre in Deutschland deutlich besser als 10% in China.

    Das dieser Fakt die Chinesen nicht einsehen wollen verstehe ich nicht…

    Hab ich eigentlich schon erzählt was ich bin und was ich mache. Ach ja, siehe oben.

    Das China ein hochgradig kreditfinaziertes Pump-System ist, stimmt allerdings.

    Nur, das ist jedes Land der Erde. Oder glaubt hier wirklich jemand, das Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ohne Kredite und die bösen Banken wieder aufgebaut worden ist…

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Aktuell: Pinterest-Aktie mit erstem Börsenkurs 25% im Plus

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Die Pinterest-Aktie wurde gestern mit 19 Dollar offiziell an die Erstzeichner verkauft. Soeben wurde der erste frei handelbare Börsenkurs an der New York Stock Exchange mit 23,75 Dollar festgestellt. Hat diesmal ja „nur“ zwei Stunden gedauert, bis der Kursmakler in der Erstauktion die Preisfindung geschafft hat. Damit notiert die Aktie 4,75 Dollar oder genau 25% über dem gestrigen Emissionskurs. Aktuell steigt sie sogar etwas weiter auf 24,51 Dollar. Mehr Detail-Infos zum Pinterest-Börsengang finden Sie hier.

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Markus Koch berichtet gerade im LIVE-Video von der Wall Street. Aktuell ist die heutige Erstnotierung der Pinterest-Aktie im Fokus.

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Commerzbank DB-Fusion: Zwei Gründe, warum es kein Zurück mehr gibt

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Der folgende Text ist eine rein subjektive Meinung! Also, zur Sache. Die Deutsche Bank kann eigentlich nicht mehr zurück. Nach trostlosen Jahren unter Anshu Jain sowie dem tristen Sanierer von der Insel (wer kennt noch seinen Namen?) versucht nur der sachliche Bankkaufmann Christian Sewing sein Glück an der Spitze der Deutschen Bank. Die angedachte Fusion mit der Commerzbank ist seit Jahren der einzige Hoffnungsschimmer für die DB. wie traurig. Nicht tolle Geschäfte, sondern noch „eine weitere Fusion“ bringt Hoffnung in die Bude.

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Wir hatten bereits darüber geschrieben. Die Deutsche Bank ist das Paradebeispiel dafür, dass Zukäufe und Fusionen zum Zwecke des „Immer größer werden“ nicht automatisch ein gutes Ende finden. Bankers Trust gekauft, Morgan Grenfell gekauft, Postbank gekauft, Sal Oppenheim gekauft. Und trotzdem ist die Deutsche Bank ein Rendite-Desaster, und im Investmentbanking auch keine Profit-Fabrik wie die Konkurrenten aus dem Ausland. Aber die merkwürdige Hoffnung ist da, dass durch die Fusion mit der Commerzbank nun endlich alles besser wird. Bei der CoBa schön massiv Stellen streichen und runter mit den Kosten, und dann durch einen Riesen-Zuwachs im Mengengeschäft die Gewinne hochschrauben? Das scheint die Hoffnung zu sein.

Commerzbank muss „in gute Hände“ kommen

Ist die DB für die Commerzbank ein guter Ehepartner? Es geht wohl eher darum, was die Politik denkt, was gut und richtig für die Commerzbank ist, beziehungsweise für das deutsche Finanzsystem. Jüngst tat die Berliner Politik ja alles um so zu tun, dass die mögliche Fusion eine rein privatwirtschaftliche Sache sei. Man halte sich da raus. Dabei ist es in Berlin und Frankfurt ein offenes Geheimnis, dass der ehemalige Goldman Sachs-Chef in Frankfurt Jörg Kukies, der seit dem Amtsantritt von Olaf Scholz Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ist, diese Fusion hinter den Kulissen vorantreibt.

Aber nochmal ein Schritt zurück. Seit Monaten haben die Gerüchte immer weiter zugenommen, dass Commerzbank und Deutsche Bank über eine Fusion sprechen. Aber erst vor genau vier Wochen gab es dazu die offizielle Bestätigung. Seit dieser offiziellen Verkündung lief die CoBa-Aktie besser als die Aktie der Deutschen Bank. Und seit Jahresanfang, wo die Gerüchte so langsam aufkamen, hat die CoBa im Kurs um satte 42% (! ! !) zugelegt.

Von 5,70 auf 8,08 Euro, das ist ein guter Trade gewesen für jemanden, der im Januar eingestiegen ist. Auf lange Sicht aber ist dieser Anstieg im Chart kaum wahrnehmbar. Noch schlimmer ist die Lage beim Betrachten dieses Charts, der bis 2015 zurückreicht. 2016 lag das Tief in der Commerzbank-Aktie bei 5,20 Euro. Ende 2018 wurde dieses Tief fast wieder erreicht. Die Fusionsgerüchte mit der DB brachten die Kurswende für die Aktie. Der Markt preist positive Ereignisse immer schon mit Gerüchten und Erwartungen vorher in die Kurse ein.

Was, wenn nun die Fusion abgesagt wird? Die Phantasie wäre weg, und der Kurs würde einbrechen. Das kann sich die Commerzbank kaum leisten. In der Banken-Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass es in Frankreich und den Niederlanden durchaus Banken geben soll, die Interesse daran hätten die Commerzbank relativ günstig zu schießen. Aber wohl am Ehesten könnte die italienische UniCredit bereit stehen als Käufer. Und das wäre wohl ein absolutes No Go für die Berliner Politik. Man sehe nur, zu was für einer leeren Hülle die Italiener die HypoVereinsbank gemacht haben, die einst eine der vier großen deutschen Banken war. Ein ähnliches Schicksal könnte der Commerzbank als UniCredit-Außenstelle bevorstehen.

Man darf davon ausgehen, dass die Bundesregierung dies nach Möglichkeit vermeiden will, im Sinne der finanziellen Staatsraison. Die Commerzbank selbst kann einen erneuten Kurseinbruch nicht brauchen, falls die DB-Fusion abgesagt wird. Durch den zuletzt immer weiter gestiegenen Aktienkurs wird nun auch die Fallhöhe nach einem Scheitern immer höher. Halten sich potenzielle ausländische Käufer danach erstmal zurück, könnte der CoBa-Kurs schön in die Tiefe rauschen. Dann könnten sie einen Anlauf nehmen für ihre Schnäppchenjagd. Und das kann die Berliner Politik kaum wollen. Olaf Scholz hat mit dem 15%-Anteil an der Commerzbank ein gewichtiges Wort mitzureden bei der letztlichen Entscheidung. Man darf durchaus vermuten, dass bei Problemen in den Fusionsgesprächen ein „nettes“ Machtwort des 15%-Eigentümers erfolgt. Los, seht zu, zieht die Fusion durch.

Commerzbank Handelssaal
Handelssaal der Commerzbank in Frankfurt am Main. Foto: FNDE CC BY-SA 4.0

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