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China: Aktienmärkte als Antizipatoren der Krise

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Was war das für eine Reaktion auf die Entwicklungen in China an den Aktienmärkten am Montag – weltweit! Es ging teilweise um mehrere Prozent nach unten, von Japan bis Kanada, von Südamerika bis Australien. In vielen Ländern stiegen Anleger aus ihren Positionen aus in der Erwartung großer volkswirtschaftlicher Schäden, zur Schadensbegrenzung und teilweise aus Torschlusspanik.

China und das Virus: Der rasch eingepreiste Schaden

An diesem Tag sank die Marktkapitalisierung an den Weltbörsen, die sich derzeit um die 89 Billionen Dollar bewegt, um 1,7 Billionen Dollar. Umgerechnet in etwa um fast die Hälfte des gesamten Bruttoinlandsprodukts von Deutschland. Dies ist auf den ersten Blick schon erstaunlich, wenn man an den Schaden denkt, den der Sarsvirus im Jahre 2003 verursacht hatte – 40 Milliarden Dollar. Wobei dieser Vergleich hinten und vorne hinkt. Damals lag das chinesische Bruttoinlandsprodukt bei 1,67 Billionen Dollar, heute beträgt es über 14 Billionen Dollar. In China gibt es bereits 300 Millionen Bürger, die zur Mittelschicht zählen und als äußerst reise- und ausgabefreudig gelten.

Der Tourismus hat sich in China zu einem lukrativen Wirtschaftszweig entwickelt. Chinesen gaben im Ausland zuletzt jährlich mehr als 250 Milliarden Dollar aus. Reiseweltmeister, ein Titel, den man einmal den Deutschen zusprach. Aber auch in puncto Geschäftsreisen ist China eine wichtige Anlaufstation. Der Coronavirus veranlasste viele Firmen nicht nur dazu ihre Geschäftsreisen abzusagen, auch werden viele deutsche Firmenangehörige aus China ausgeflogen. Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa ist demzufolge als Leittragende mit einem Minus von 16 Prozent bisher der große Jahresverlierer im Dax.

Dabei traf es natürlich auch viele andere Werte aus dem Reise-, Freizeit- und Luxuskonsumsektor. Amerikanische Fluggesellschaften wie American Airlines, Kreuzfahrtanbieter wie Royal Caribbean oder auch Casinobetreiber (Las Vegas Sands), um nur ein paar zu nennen, gaben über fünf Prozent ab. In der Luxusgüterbranche sind chinesische Kunden für einen großen Teil der Umsätze verantwortlich, manche Analysten sprachen von 35 Prozent.

Was wurden nicht alles für Freizeitveranstaltungen in der chinesischen Festtagswoche abgesagt: Der Nachrichtendienst Bloomberg meldete die unglaubliche Zahl von drei Milliarden Kurzreisen, die normalerweise in der Feiertagswoche unternommen werden. Nicht aber in diesem Jahr.

Was aber noch mehr von Bedeutung ist, bezieht sich auf China als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft. Hier ist nicht abzusehen, welchen Schaden die kommenden Produktionsausfälle bis weit in den Februar hinein annehmen werden.

Die Rohstoffmärkte scheinen von kräftigen Ausfällen auszugehen. Anders sind die Preisverfälle bei Industriemetallen sowie beim Öl nicht zu erklären.

Kurzum: Die ökonomischen Folgen sind angesichts der zunehmenden Vernetzung der Welt keineswegs nur auf einzelne Länder und Sektoren begrenzt.

Im Jahr 2003, während der Sars-Krise, kam es an den Börsen zu einer V-förmigen Erholung. Anscheinend rechnen viele Investoren wieder mit einem solchen Muster, der Rebound am Dienstag in den USA deutet auf eine solche Deutung hin. Die dortigen Indizes haben bis zu eineinhalb Prozent wieder aufgeholt, in der Hoffnung auf eine starke Berichtssaison.

Diese und die heutige Fed-Entscheidung werden die Entwicklungen um den Coronavirus in China erstmal hintanstellen. Dessen ökonomische Auswirkungen sind noch lange nicht seriös kalkulierbar, allein schon aufgrund der psychologischen Effekte. Vielleicht sollte man sich einmal die Hersteller von Atemmasken ansehen?

Fazit

Die montägliche Reaktion an den Börsen hat wieder einmal gezeigt, dass es kein schnelleres Preisstellungsverfahren gibt als das an den Aktienbörsen. Wofür Analysten, Volkswirte und die statistischen Ämter Wochen oder Monate brauchen, geschieht an den Aktienbörsen oft innerhalb von Minuten oder Stunden. Natürlich bleibt dabei vieles im Ungefähren und mit einer nicht unerheblichen Fehlerquote. Oftmals werden Übertreibungen eingearbeitet, die dann schmerzlich wieder ausgepreist werden müssen, vor allem in Phasen der Euphorie oder der Panik vieler Anleger. Schlussendlich kehren die Indizes durch Regression zum Mittelwert wieder auf ein mittleres Maß zurück, langfristig erkennbar an den Jahresgewinnen der Unternehmen im Vergleich zu den Börsenindizes. Gab es zum Beispiel jemals ein Kurs-Gewinn-Verhältnis im S&P 500 in den letzten 100 Jahren von 30 oder darüber über einen längeren Zeitraum?

Im jetzigen Börsenstadium hoher Aktienbewertungen und angesichts einer Pandemie in China, die absolut schwer zu fassen ist – medizinisch, prophylaktisch, aber auch wirtschaftlich – ist ein Antizipieren künftiger Aktiengewinne aber so etwas wie ein Stochern im Nebel.

 

Die Aktienmärkte versuchen einzupreisen, was das Coronavirus für wirtschaftliche Folgen in China haben wird

By BoyuZhang1998 – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86350506

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Pessi- Mist

    29. Januar 2020 10:29 at 10:29

    Da wird wohl die FED die betroffenen Aktien von Fluggesellschaften, Reisebüros u.der Luxusgüterindustrie aufkaufen müssen um die“ Glaubensbrüder der Allmächtigen Notenbanken „nicht zu enttäuschen.
    Indirekt werden in dieser globalen Welt auch andere Branchen betroffen sein, sogar die Produzenten von Fahnenstangen müssen über die Bücher gehen.

  2. Avatar

    Wirrologe

    29. Januar 2020 12:14 at 12:14

    Eine Aussage eines Berichts an die „Gesunredner“ der hoffentlich nicht so schlimmen Krankheit.
    ES ENTSTEHEN MEHR KOSTEN DURCH DIE ANGST VOR ANSTECKUNG ALS DURCH DIE KRANKHEIT!

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