Devisen

China: jetzt an vorderster Front im Währungskrieg

FMW-Redaktion

Leise und fast unbemerkt läßt China seine Währung abwerten – die Zentralbank People´s Bank of China setzte heute den sechsten Tag in Folge den Referenzkurs des Yuan tiefer zum US-Dollar. Das ist die längste Serie von tiefer gesetzten Referenzkursen seit dem März 2014. Auffällig ist: seit der Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF Ende November geht es konstant nach unten für den Yuan:

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(Chart Dollar-offshore Yuan)

Der Yuan ist wieder in den Bereich der großen Abwertung im August gefallen – damals reagierten die Märkte geschockt, am Black Monday (24.August) crashten die westlichen Aktienmärkte:

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Am onshore-Markt in Shanghai handelt der Yuan schon unter den August-Tiefs, Tendenz weiter fallend. Es sieht so aus, als habe China nur die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF abgewartet, um dann die Währung konstant abzuwerten. Für viele chinesische Firmen wird das ein Problem: sie sind in Dollar verschuldet, sodass mit dem zum Yuan aufwertenden Greenback die Schulden faktisch steigen. So warnte gestern die Credit Suisse, dass viele Unternehmen in China die Gehälter ihrer Angestellten nur noch durch die Aufnahme neuer Kredite bezahlen können, und gleichzeitig die Anzahl der faulen Kredite steigt:

„..we expect corporate profits to deteriorate significantly in 2016, as indicated by industrial sector nominal GDP growth. Feedback from the ground also suggests that not only are account receivables on the rise, but that some companies are now having to borrow to pay staff salaries. Corporate balance sheet deterioration may well be a theme in 2016, raising market concerns, in our view. A mirror image of that is the rise in bank non- performing loans. Our contacts among the banks seem increasingly concerned about the NPL issue in 2016.“

Um die Kreditaufnahme für Chinas Firmen zu erleichtern, dürfte die Notenbank die Zinsen weiter senken – nach zuletzt sechs Senkungen in recht kurzer Zeit. Aber damit nimmt dann der Druck auf den Yuan weiter zu. China ist nun an vorderster Front dabei im Währungskrieg – das Startsignal war dabei die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb des IWF. Jetzt müssen sich die EZB und die Bank of Japan also weiter anstrengen, um den Titel „Abwertungsweltmeister“ behalten zu können. Die Schwäche des Yuan aber wird früher oder später auch die anderen großen Notenbanken zwingen, an der Währungsschraube zu drehen..



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