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China: Angriff auf Reporter – Sicherheitslücken bei Schnellzügen aufgedeckt

Es gibt Probleme auf Hochgeschwindigkeitsstrecken in China. Reporter staatlicher Zeitungen haben Mängel aufgedeckt.

China-Flaggen

Bei der Enthüllung massiver Sicherheitsmängel auf Hochgeschwindigkeitsstrecken in China wurden zwei Reporter angegriffen und vorübergehend festgehalten. Der Vorfall wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die Korruption in sensiblen Bereichen der chinesischen Infrastruktur, sondern auch auf das mangelnde Unrechtsbewusstsein selbst von Funktionären der Kommunistischen Partei.

Revolution bei den Zügen in China: Vom Tee zur Hochtechnologie

Am 2. Juni 1991 begann in Deutschland eine neue Ära: Der ICE nahm seinen Betrieb auf. Zu dieser Zeit benötigte ein Zug in China zwischen Shanghai und dem nur 173 Kilometer entfernten Hangzhou fast vier Stunden. Die Reisenden der ersten Klasse saßen an Tischen, die mit Plastikplüschdecken überzogen waren, und genossen ihren Tee aus russischen Wasserkochern.

Heute dauert die Fahrt keine Stunde mehr – kaum genug Zeit für einen Starbucks-Kaffee, den man bequem an Bord kaufen kann. Seit der Eröffnung der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Peking und Tianjin zur Olympiade 2008 hat China das weltweit größte Netz für Hochgeschwindigkeitszüge geschaffen, mit über 45.000 Kilometern.

Die Fahrt in einem chinesischen Hochgeschwindigkeitszug ist ein Genuss und eine echte Alternative zum Flugzeug. Vor allem auf wichtigen Strecken wie Shanghai–Peking sind die Züge in der Regel pünktlich – ganz anders als die oft verspäteten Inlandsflüge.

Fiasko auf Rädern: Zug Nummer 13 und sein Scheitern

Doch der Weg zu Chinas Hochgeschwindigkeitsnetz war nicht frei von Rückschlägen. Ein besonders aufschlussreiches Beispiel ist Zug Nummer 13 der China Northern Railway (CNR). Die ersten Hochgeschwindigkeitszüge des Landes wurden in Zusammenarbeit mit Siemens gebaut, ein gemeinsames Projekt, das Technik aus Deutschland mit chinesischer Fertigung kombinierte. Zug Nummer 13 hingegen war das erste Modell, das vollständig in Eigenregie von CNR gefertigt wurde – und wurde zum Fiasko. Der Zug rollte keinen einzigen Meter. Erst die nächste Garnitur, Zug Nummer 14, war funktionsfähig und konnte den Betrieb aufnehmen.

Neben diesen Kinderkrankheiten gab es aber auch immer wieder verstörende Berichte über Sicherheitsprobleme. So ereignete sich 2011 in der ostchinesischen Stadt Wenzhou ein schwerer Unfall, der ein Schlaglicht warf auf ernste Systemfehler warf. Ein Schnellzug wurde von einem Blitz getroffen und blieb auf einer Brücke stehen. Durch ein technisches Versagen zeigte das Signal nicht an, dass die Strecke blockiert war. Ein nachfolgender Zug raste ungebremst in den stehenden Zug. Vier Waggons stürzten von der Brücke. 40 Menschen starben, mindestens 192 wurden verletzt, 12 davon schwer.

Reporter geschlagen und verhaftet: Skandal um minderwertige Gleismaterialien

Diese Woche erschütterte ein neuer Skandal die chinesischen Medien. Zwei Reporter der staatlichen „Economic Information Daily“ untersuchten Baustellen der Hochgeschwindigkeitsstrecke der China Railway 7th Group in Anhui und deckten massive Sicherheitsmängel auf. Elastische Polstermatten, entscheidend für die Stabilität der Gleise, wurden durch minderwertige Recycling-Imitate ersetzt. Die Reporter konnten die Schichten mit einer einfachen Klinge durchtrennen – ein erschreckendes Bild für Materialien, die tonnenschwere Züge tragen sollen. Ironischerweise wurden die minderwertigen Matten neben einem Banner mit dem Slogan: „Sicherheitsrisiken haben keinen Platz, sich zu verstecken“ gelagert.

Während ihrer Nachforschungen wurden die Reporter tätlich angegriffen, ihre Telefone beschlagnahmt und sie selber vorübergehend festgehalten. Einer erlitt Verletzungen an der Hand. Die Eisenbahngesellschaft entschuldigte sich mittlerweile für den Vorfall und kündigte umfassende Untersuchungen an. Mindestens fünf Personen, die in den Zwischenfall verwickelt sind, wurden festgenommen, darunter zwei Funktionäre der Kommunistischen Partei.

Dies ist bereits der zweite große Skandal in diesem Jahr, den staatliche Medien aufdeckten. Im Juli enthüllte die “Beijing News“, dass Tanklastzüge, die zuvor giftige Chemikalien transportiert hatten, unzureichend gereinigt für Trinkwasserlieferungen verwendet wurden.

Einstürzende Tofu-Bauten

Der jüngste Vorfall lenkt den Fokus erneut auf das Thema „Tofu-Bauten“ – der Begriff stammt übrigens von dem ehemaligen chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji. Immer wieder stürzen Gebäude oder Brücken ein, weil minderwertige Materialien verwendet werden. In Hangzhou sanken in den letzten Jahren die Bahnsteige der West Station um bis zu 30 Zentimeter. Dieses Jahr starben mindestens 88 Menschen durch Brückeneinstürze. Im Vorjahr begrub das Dach einer falsch konstruierten Schulturnhalle 13 Kinder und sechs Aufsichtspersonen unter sich, von denen elf ums Leben kamen. Diese Tragödie entfachte eine landesweite Debatte über Baumängel und Sicherheitsstandards. 2019 stürzte in Shanghai ein Gebäude mitten in der Stadt ein, vermutlich durch mangelnde Statik.

Der nun von der „Economic Information Daily“ bekanntgemachte Vorfall offenbart die anhaltende Verbreitung von Korruption – selbst in sicherheitskritischen Bereichen. Besonders alarmierend ist das mangelnde Unrechtsbewusstsein, das bei den beteiligten Funktionären der staatlichen Eisenbahngesellschaft zu erkennen ist.

Gleichzeitig zeigt er aber auch, dass investigative Arbeit in China nicht völlig unmöglich ist. Staatliche Reporter decken Missstände auf – doch diese Arbeit ist gefährlich. Der Fall der „Economic Information Daily“ illustriert, dass Enthüllungen oft auf massiven Widerstand stoßen, selbst wenn sie von staatlich kontrollierten Medien kommen.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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1 Kommentar

  1. Diese Fälle findet man rund um den Globus. Gerade in Deutschland, Uk oder der USA ist die Infrastruktur oder die Bahn in privatisiertem entsprechenden Zustand.
    Es geht darim wer regiert. Sind es die Falschen gibt es Berichte darüber. Bei richtiger Regierung nicht.

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