Die Aussicht auf eine erneute Präsidentschaft von Donald Trump alarmiert China: In Peking befürchtet man verschärfte Handelskonflikte und neue Hürden für den Export.
Schon die ersten Marktreaktionen zeigen, wie stark die Unsicherheit unter Anlegern und Unternehmen ist. Während China seine Wirtschaft mit neuen Maßnahmen stützen will, bereitet sich die Regierung auf ein wirtschaftspolitisches Kräftemessen mit den USA vor.
China: Börsensturz als Reaktion auf Trump
Die Börsen waren der erste Indikator, was China von einer erneuten Präsidentschaft Trumps erwartet: nichts besonders Gutes. Vom Schlusskurs am Dienstag bis zum Donnerstagmorgen verlor der Shanghai CSI 300, der die Stimmung unter chinesischen Anlegern widerspiegelt, 1,4%. Der Hang Seng China Enterprise Index, der als Barometer für das Vertrauen ausländischer Investoren in chinesische Werte gilt, gab sogar um 3,2 % nach.
Dass die chinesischen Börsen am Donnerstag kurzzeitig anstiegen, war in erster Linie auf Gerüchte zurückzuführen, dass das neue Stimuluspaket der chinesischen Regierung bis zu 12 Billionen Yuan (ca. 1,6 Billionen Euro) umfassen könnte. Zudem hob die China Securities Regulatory Commission (CSRC) die Beschränkungen für den Eigenkapitalanteil ausländischer nicht-bankfinanzieller Institutionen auf. Das bedeutet, dass ausländische Unternehmen nun mehr Anteile an chinesischen Wertpapier- und Fondsmanagementunternehmen halten können. Eine Entscheidung, die „den Weg für (ausländische) Hedgefonds, Private-Equity-Firmen, Risikokapital und andere Investmentfonds nach China ebnet“, wie es ein Kommentator ausdrückte.
Handelskrise: China und sein Exportsektor in Gefahr
Doch die Stimmung, vor allem unter Unternehmen, die eng mit dem Export in die USA verbunden sind, ist nervös. Für diese Firmen bedeutet Trumps erneute Präsidentschaft vier weitere Jahre eines unvorhersehbaren Handelspartners und zunehmende Spannungen in Schlüsselbereichen wie Handel, Technologie und Taiwan. Wenn Trump seine Wahlversprechen umsetzt, könnte er eine pauschale Zollgebühr von bis zu 60% auf alle chinesischen Exporte in die USA erheben.
Ein Szenario, das China zu einem kritischen Zeitpunkt treffen würde: Die Wirtschaft kämpft mit einer Vielzahl systemischer Krisen, und China ist von seinen Exporte abhängig. Die Exporte machen etwa 34% des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus und trugen im letzten Jahr rund 1,65% zum Wachstum bei. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2024 gingen 14,65% aller chinesischen Exporte in die USA. Auch wenn die Direktimporte der USA aus China seit Jahren zurückgehen, erreichten sie in den ersten neun Monaten des Jahres immer noch 13,31%.
Ein Indiz dafür, wie nervös China auf die angedrohten Strafzölle reagiert, zeigt die Reaktion von Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Verbandes der Pkw-Hersteller (CPCA). Er sah sich sogar genötigt, einen extra Artikel zur Wiederwahl Trumps zu veröffentlichen, nur um darauf hinzuweisen, wie unwichtig der US-amerikanische Markt für chinesische Automobilhersteller sei.
Yuan-Abwertung als Antwort auf Strafzölle
Eine Analyse von UBS aus dem September berechnete, dass ein pauschaler Zoll von 60% das prognostizierte Wachstum Chinas um bis zu 2,5 Prozentpunkte drücken könnte – fast die Hälfte des geschätzten Wachstums. Doch Peking und seine Vertreter signalisieren, dass sie diesmal bereit sind, stärker auf Trumps Druck zu reagieren, anders als in dessen erster Amtszeit. Ein mögliches Mittel könnte die Abwertung des Yuan sein. Als erstes Signal setzte die Zentralbank den Referenzkurs gestern bei 7,1659 Yuan fest – der niedrigste Wert seit August. Eine deutliche Yuan-Abwertung könnte die Wirkung von Strafzöllen zumindest teilweise abfedern.
Ein viel schärferes Mittel zur Machtdemonstration ist jedoch der gezielte Verkauf von US-Dollars und -Anleihen. Am Mittwoch und Donnerstag verkauften staatliche Banken in großen Mengen US-Dollar auf dem Onshore-Markt. Dies lässt sich als Warnschuss an die Adresse Trumps verstehen, dass China bereit ist, den Dollar-Verkauf als Waffe einzusetzen.
China und sein Machtspiel mit US-Konzernen
Darüber hinaus könnte Peking versuchen, Einfluss auf prominente US-amerikanische Wirtschaftsakteure wie Elon Musk auszuüben. Tesla ist für China als Produktions- und Absatzmarkt entscheidend und hängt stark von chinesischen Zulieferern ab, besonders bei Batterien. Sollte China den Zugang zu wichtigen Lieferketten einschränken, könnten die Auswirkungen für Tesla und den US-Markt gravierend sein.
Nach Meinung einiger Experten, darunter Scott Kennedy, Senior Advisor und Trustee Chair in Chinese Business and Economics am US-basierten Center for Strategic and International Studies, macht die schwache Verfassung der chinesischen Wirtschaft es wahrscheinlicher, dass China sich wesentlich heftiger wehren wird als noch unter der ersten Amtszeit von Präsident Trump. Nicht nur er sieht einen Handelskrieg heraufziehen – für alle Beteiligten die schlechteste Option.
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https://www.derstandard.at/story/3000000244266/usa-stoppen-lieferung-von-ki-mikrochips-an-china
„Möglicherweise werden US-Behörden nun prüfen, ob andere Unternehmen Chips für den KI-Prozessor von Huawei umleiten“
war da nicht was u.a. mit eigenartig hohen sales im asia business von nvidia?
die einschläge bei konstrukten für gepimpten umsätze (zuletzt supermicrocomputer; coreweave) und nun auch darüber hinaus (tsmc), nehmen zu.
nach der wahl: jetzt muss man auch keine rücksicht mehr auf das aufrechterhalten der ki blase nehmen.