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Wachstum auf wackeliger Grundlage China: Automarkt im Würgegriff der Rabatte – Tesla verliert an Boden

Unbarmherziger Preiskrieg

Im Mai wächst der Automarkt in China weiter, doch das Bild wird von Rabatten und Prämien dominiert. Die Rekordzahlen täuschen über eine Entwicklung hinweg, die zunehmend von staatlicher Unterstützung und Preisdruck geprägt ist. Die eigentliche Nachfrage bleibt schwach, die Branche reagiert mit Abverkauf und Anreizpolitik.

Automarkt in China: Rabatte – Tesla auf dem Rückzug

Die Zahlen wirken auf den ersten Blick beeindruckend. Der Einzelhandel verzeichnete 1,94 Millionen verkaufte Fahrzeuge, ein Anstieg um 13,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und 10,1 Prozent mehr als im April. Auch Großhandel und Produktion legten mit jeweils über 12 Prozent Wachstum deutlich zu. Dennoch hat sich das Tempo im Vergleich zu den Vormonaten abgeschwächt. Der Markt ist zunehmend auf externe Impulse angewiesen, um überhaupt weiter zu wachsen. Ein Lagerabbau um 110.000 Fahrzeuge weist zwar auf eine gewisse Effizienz im Vertrieb hin, ist aber vor allem Ausdruck der hohen Verkaufsanstrengungen.

Förderung dominiert Neuwagenmarkt in China

Diese Anstrengungen wären ohne die staatlich geförderte Verschrottungsprämie kaum denkbar. Rund 70 Prozent der privaten Käufer nutzten diese Unterstützung beim Fahrzeugkauf. Damit wurde der Markt zwar kurzfristig belebt, doch die Struktur der Nachfrage verändert sich deutlich. Nur noch 30 Prozent der Neuwagen werden von Erstkäufern erworben. Das zeigt, wie sehr die aktuelle Marktdynamik von einmaligen Kaufanreizen abhängt und wie wenig aus eigener Konsumkraft entsteht.

Zusätzlich treiben Preisnachlässe die Nachfrage. Zwar hat sich der Preiskampf etwas beruhigt, die Rabatte bleiben aber auf hohem Niveau. Bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben lag der durchschnittliche Nachlass im Mai bei 11 Prozent, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vormonat entspricht. Bei klassischen Verbrennern blieben die Preisabschläge stabil bei 22,5 Prozent. Neben offenen Rabatten sorgen auch versteckte Vorteile wie besser ausgestattete Modelle oder längere Garantien für zusätzliche Anreize. Besonders einheimische Marken wie BYD, Geely oder Chery nutzen diese Hebel systematisch. Ihr Anteil im Einzelhandel kletterte auf 64,9 Prozent, im Großhandel sogar auf 69,4 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie aggressiv chinesische Hersteller ihre Position im Heimatmarkt absichern.

Einen besonderen Schub erhalten vor allem Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Ihr Anteil am Einzelhandel stieg auf 52,9 Prozent und liegt damit deutlich über dem Vorjahreswert. Im gleichen Zeitraum gingen die Verkäufe von Verbrennern leicht zurück. Der Marktanteil reiner Elektrofahrzeuge lag bei 31,4 Prozent und stellte damit die stärkste Teilgruppe unter den sogenannten NEVs. Die strategische Ausrichtung der Hersteller auf diese Antriebsform zeigt Wirkung, auch wenn sie stark durch staatliche Rahmenbedingungen beeinflusst ist.

12 month trailing China Automarkt Tesla

Tesla in China: Model Y stark, Rest bricht ein

In diesem Umfeld gelang Tesla ein Achtungserfolg. Das Model Y war mit 24.770 Einheiten das meistverkaufte SUV im Mai. Der Vorsprung gegenüber dem Song Plus von BYD und dem Xingyue L von Geely fiel jedoch knapp aus. Über den Zeitraum Januar bis Mai hinweg konnte Tesla den Song Plus hinter sich lassen, wenn auch mit abnehmender Dynamik.

Gleichzeitig offenbaren die Gesamtergebnisse Schwächen. Der Absatz von Tesla sank im Mai auf 38.588 Fahrzeuge, ein Rückgang um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahlen von Januar bis Mai zeigen ein Minus von 7,8 Prozent. Besonders deutlich ist der Einbruch beim Model Y selbst, das im Jahresvergleich 38 Prozent verlor. Trotz des neuen „Juniper“-Facelifts, das seit Februar verfügbar ist, bleibt der Preisdruck durch lokale Wettbewerber hoch. Die Position von Tesla ist daher ambivalent: Ein starkes Modell im Einzelvergleich, aber ein geschwächtes Gesamtbild.

Ein stabilisierendes Element bleibt der Export. Nachdem dieser in den Vormonaten ins Stocken geraten war, zeigen sich nun wieder positive Tendenzen. Von Januar bis Mai wurden 640.000 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ins Ausland verkauft – fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Damit konnte der Rückgang bei den Exporten von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, der bei 14 Prozent lag, weitgehend ausgeglichen werden. Besonders in der Belieferung Russlands ist eine Abschwächung spürbar. Dennoch halten chinesische Marken dort weiterhin einen Marktanteil von über 55 Prozent, auch wenn erste Anzeichen eines nachlassenden Absatzes erkennbar sind.

Mehr Absatz, weniger Stabilität

Trotz dieser Lichtblicke bleibt die Gesamtentwicklung fragil. Das Wachstum ist stark von äußeren Faktoren abhängig, während die strukturelle Konsumkraft im Inland schwach bleibt. Hersteller stehen durch sinkende Margen unter Druck, viele sind auf staatliche Hilfen angewiesen. Die finanzielle Lage einzelner Anbieter verschärft sich spürbar, etwa bei BYD, dessen steigende Verschuldung zunehmend als Belastung für die gesamte Branche wahrgenommen wird. Gleichzeitig verändert die wachsende Verbreitung von Elektrofahrzeugen den Energiemarkt: Der nationale Rohölverbrauch geht zurück, was sich auch in den Importen zu sehen ist. Leidtragender hier ist vor allem Russland.

Insgesamt bleibt der chinesische Automarkt im Mai ein Beispiel für ein Wachstum, das auf wackeliger Grundlage steht. Starke Zahlen allein reichen nicht, wenn sie nur durch Rabatte, Prämien und staatliche Lenkung entstehen. Der Druck auf die Hersteller, tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln, bleibt bestehen.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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