Asien

China: Bärische Nachrichten aus dem Land des ewigen Booms

FMW-Redaktion

Alles schick im Reich der Mitte. Offiziell natürlich alles in bester Ordnung, selbstredend. Aber es gibt auch eine andere Seite, vermutlich die realistischere!

1. So zum Beispiel Aussagen auf einer Konferenz (China Finance 40) eines ehemaligen hochrangigen Funktionärs beim chinesischen Devisenamt Chinas und derzeitigen Leiters eines staatlichen Thintanks, Guan Tao. Auf einer Konferenz sagte Tao, dass das Ziel der Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft (es geht also schon nicht mehr um Wachstum, sondern um Stabilisierung!) großen Schwierigkeiten begegne, weil der Immobiliensektor abkühle.

Gleichzeitig deutete Tao an, dass der Yuan weiter unter Druck kommen werde: zwar sei der Kurs des Yuan derzeit gegenüber anderen wichtigen Währungen stabil, doch dürfe das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die starke Ausweitung der Geldmenge die Erwartungen einer weiteren Abwertung des Yuan schüren werde (sprich: diese ist fundamental gerechtfertigt, weil immer mehr Yuan in den Umlauf kommen!).
Langfristig, so Tao, werde ein schwacher Yuan aber schädlich sein für die chinesische Wirtschaft, auch für den Export des Landes. Und Tao wörtlich: „Die nächste große Krise ist vieleicht nicht weit entfernt“. Schuld daran sei auch der Westen, der es nach der Finanzkrise versäumt habe, notwendige Strukturreformen einzuleiten.

2. Unterdessen geht der Kahlschlag im Rohstoffsektor Chinas weiter. So wird die Provinz Hebei, die mit Abstand für die Produktion von Stahl und Eisenerz wichtigste Provinz Chinas, in diesem Jahr nach Angaben lokaler Behörden die Stahlproduktion um 16 Millionen Tonnen reduzieren – Anfang des Jahres war noch ein Ziel von einem Abbau von 8,2 Millionen Tonnen geplant. Die Produktion von Eisenerz soll um 18,4 Millionen Tonnen reduziert, Anfang des Jahres war noch ein Abbau von nur 10,4 Millionen Tonnen geplant. Inzwischen sind in der Provinz Hebei nur noch 12 von 36 Stahlproduktionsfirmen aktiv.

Was der Abbau von deutlich mehr Kapazitäten für den Arbeitsmarkt der Provinz bedeutet, kann man sich ausmalen – der Rohstoffsektor Chinas jedenfalls ist in schweren Turbulenzen.

3. An den Kragen geht es jetzt auch mehr und mehr den sogenannten „peer-to-peer lending platforms“, die für die meisten Chinesen die einzige Möglichkeit darstellen, Kredite zu bekommen. Ihnen wurde mit sofortiger Wirkung durch die China Banking Regulatory Commission verboten, öffentliche Gelder anzunehmen und Gelder von Anlegern zu poolen. Ausserdem dürfen keine Garantien mehr ausgeprochen werden oder Vermögensverwaltungsprodukte angeboten werden. Noch wichtiger aber ist, dass mit der heutigen Verfügung die Plattformen unter eine Art Oberaufsicht durch die offizellen Geschäftsbanken gestellt wurden. Zu erwarten ist, dass sich diese offiziellen staatlichen Geschäftsbanken die lukrativen Teile dieser Plattformen einverleiben werden.



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