Asien

China: erste Kapitalkontrollen und Rechtfertigungsversuche für Merkwürdigkeiten

FMW-Redaktion

Wir hatten gestern berichtet, dass nach Ansicht der Societe General China nur zwei Möglichkeiten hat, um die massive Kapitalflucht einzudämmen: entweder den Yuan weiter abzuwerten, oder die Kapitalkontrollen zu verstärken (siehe dazu unseren Artikel „China goes Griechenland: Einführung von Kapitalkontrollen oder massive Yuan-Abwertung“). Nun scheint China eine weiteren Schritt in Richtung Kapitalkontrollen zu gehen: heute Nacht hat China UnionPay, der einzige Kreditkartenanbieter im Reich der Mitte, seinen Kunden eine Mitteilung verschickt, dass ab jetzt nur noch Zahlungen von maximal 5000 Dollar pro Transaktion abwickelbar sind. Damit kann etwa der Kauf von Neuwagen im Ausland etc. über Kreditkarten nicht mehr abgewickelt werden für Chinesen. Die bisherige Obergrenze von 50.000 Dollar pro Jahr bleibt zunächst bestehen, es ist jedoch damit zu rechnen, dass diese Obergrenze bald herabgesetzt wird.

Da Pekings Machthaber der Bevölkerung verprochen haben, den Yuan stabil zu halten, schlägt das Pendel also erst einmal in Richtung weiterer Kapitalkontrollen, um den Abfluß von Kapital zu verhindern (alleine im 4.Quartal 2015 Abfluß von 657 Milliarden Dollar nach einer Schätzung der SocGen). Viele Chinesen umgehen aber die Obergrenzen, indem sie mit ihrer Kreditkarte von Hongkong aus agieren und von dort aus ausländische Wertgegenstände kaufen.

Unterdessen hat Chinas Statistikbehörde erstmals zu den massiven Differenzen zwischen den Handelsdaten zwischen China und Hongkong Stellung genommen. In den offiziellen Statistiken Chinas ist seit einiger Zeit verstärkt festzustellen, dass es eine massive Differenz gibt etwa zwischen den von Hongkong gemeldeten Exporten nach China und den von China gemeldeten Importen aus Hongkong. Stets waren die offiziellen Daten Chinas gravierend besser als die Daten aus Hongkong, was zu zahlreichen Mutmaßungen geführt hatte: die Daten Chinas seien entweder gefäscht, oder durch kriminelle Transaktionen von festlandschinesischen Firmen nach oben manipuliert worden, um ausländische Devisen anzuhäufen durch Fälschung der Handelspapiere.

Nun hat Shen Danyang, der Sprecher des chinesischen Handesministeriums, diese Differenz auf verschiedene Berechnungsmethoden der jeweiligen Statistikämter zurück geführt. So würden etwa Güter wie Smartphones oder Tablets, die aus anderen Ländern zunächst nach Hongkong verschifft und von dort aus weiter nach Festlandchina transferiert werden, von den Hongkonger Behörden nicht als Exporte nach China gezählt. In China würde dies jedoch, gemäß der Statistik-Richtlinien, als Export geführt werden.

Das dürfte einen Teil, aber nicht die gesamte Differenz zwischen den Daten Hongkongs und Chinas erklären. Hongkong ist faktisch das Tor zum Westen für Festlandschinesen, über Hongkong laufen die Versuche ausländische Devisen zu ergattern etc. Dass Peking sich nun genötigt fühlt, diese Differenzen zu erklären, spricht Bände – ebenso wie kürzlich der Versuch des Leiters des National Bureau of Statistics of China, die offiziellen, aber sehr zweifelhaften BIP-Zahlen Chinas zu rechtfertigen. Zufall oder nicht – nur zwei Stunden nach diesem Rechtfertigungsversuch wurden vor einigen Tagen gegenüber dem Leiter der Behörde Ermittlungen wegen“ gravierender Verstöße gegen die Disziplin“ eingeleitet..



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