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Wie China faktisch den Dollar stützt China baut Gold- und Devisenreserven im Dezember weiter aus

Gold-Aufbau in kleinen Schritten

China Gold Dollar Reserven
Foto: Bloomberg

China setzt im Dezember den Ausbau der Gold-Reserven fort. Der Abstand zwischen Handelsüberschuss und Devisenreserven wächst weiter. Laut den offiziellen Angaben der Devisenaufsicht SAFE hielt die Volksrepublik zuletzt 74,15 Millionen Feinunzen Gold. Gegenüber dem Vormonat stieg der Bestand um rund 30.000 Unzen. Die Zukäufe erfolgen weiterhin in gleichmäßig kleinen Schritten. Umgerechnet entspricht das einem monatlichen Zuwachs von rund 0,4 Prozent. Parallel dazu legten die offiziellen Währungsreserven im gesamten Jahr lediglich um etwa 156 Milliarden US-Dollar zu.

China: Gold-Aufbau in kleinen Schritten

Der Wert der Goldbestände erreichte mit rund 319 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand. Dieser Anstieg ist fast vollständig preisgetrieben. Der Goldpreis legte im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent zu. Die physische Aufstockung blieb dagegen begrenzt. Seit November 2024 summieren sich die Nettokäufe auf rund 42 Tonnen. Das ist genug, um eine strategische Linie zu markieren, aber zu wenig, um von einer fundamentalen Neuausrichtung zu sprechen.

China Gold reserves Dec 25

Gemessen an den gesamten Währungsreserven bleibt Gold eine Nebenposition. Ende Dezember beliefen sich Chinas Devisenreserven auf 3,358 Billionen US-Dollar. Der Goldanteil lag bei etwa 9,5 Prozent. Damit liegt China deutlich unter dem Niveau vieler westlicher Zentralbanken. Auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung fällt Gold kaum ins Gewicht. Bezogen auf ein Bruttoinlandsprodukt von rund 19 Billionen US-Dollar entspricht der Goldbestand weniger als zwei Prozent. Selbst im Vergleich zum kumulierten Handelsüberschuss wirkt der Goldanteil klein.

Die begleitenden Erklärungen der SAFE lesen sich seit Monaten nahezu identisch. Der Anstieg der Währungsreserven liege vor allem an Bewertungseffekten, ausgelöst durch Wechselkursbewegungen und steigende Preise für Finanzanlagen. Inhaltlich ist das korrekt, greift aber zu kurz. Denn deutlich spannender ist der Blick auf die Zahlungsbilanz und den wachsenden Abstand zwischen Handelsüberschuss und Reservenaufbau.

Handelsüberschüsse fließen an der PBoC vorbei

China erzielte im vergangenen Jahr einen Handelsüberschuss von rund einer Billion US-Dollar. Nach dem alten Muster aus den 2000er Jahren hätte ein erheblicher Teil dieses Überschusses direkt in den Aufbau der Devisenreserven fließen müssen. Genau das geschieht seit Jahren nicht mehr. Obwohl der Überschuss hoch bleibt, wächst der offizielle Reservebestand nur noch langsam. Der Großteil der Dollar verlässt das Land über andere Kanäle.

Dieses Muster ist seit etwa 2010 zu beobachten und hat sich zuletzt weiter verschärft. Kapital fließt ins Ausland über Direktinvestitionen, Portfolioanlagen und schwer erfassbare Posten wie Errors and Omissions. Gleichzeitig bleibt der Yuan unter enger Kontrolle. Eine starke, schnelle Aufwertung bleibt aus. Das widerspricht der klassischen Logik und verweist auf eine fragmentierte Steuerung der Kapitalströme. Der Schlüssel liegt nicht bei der Notenbank, sondern bei den staatlichen Geschäftsbanken.

Während die offiziellen Reserven nur moderat steigen, haben sich die Netto-Auslandsvermögen der staatlichen Geschäftsbanken in den vergangenen Jahren stark erhöht. Ihre Auslandsverbindlichkeiten blieben weitgehend stabil. Das Ergebnis ist ein wachsender Devisenpuffer außerhalb der Bilanz der PBoC. Diese Bestände tauchen in der Reservenstatistik nicht auf, erfüllen aber eine ähnliche Funktion.

Die Settlement-Daten der SAFE liefern dafür einen wichtigen Hinweis. Sie zeigen, dass chinesische Exporteure ihre Dollarerlöse zunehmend in Yuan umtauschen. Dadurch entsteht Aufwertungsdruck. Um diesen Druck abzufangen, nehmen staatlich kontrollierte Banken die Fremdwährungen in ihre eigenen Bilanzen. Die Intervention erfolgt damit dezentral und bleibt offiziell unsichtbar. Die Notenbank erlaubt zwar eine graduelle Aufwertung, diese bleibt jedoch klar hinter den Markterwartungen zurück.

Dieses Vorgehen erklärt, warum der Yuan trotz enormer Überschüsse nicht stärker steigt und warum die offiziellen Reserven vergleichsweise ruhig wirken. Das alte Modell, bei dem Überschüsse automatisch in Notenbankreserven landeten, existiert nicht mehr. Stattdessen verteilt China die Devisenströme auf mehrere Ebenen. Ein Teil verlässt das Land, ein anderer Teil wird innerhalb des Bankensystems geparkt.

China stützt den Dollar

Ein Blick auf die globalen Dollarströme stützt diese Interpretation. Während Staaten wie China oder andere BRICS-Länder ihr offizielles Engagement in US-Dollar-Anlagen reduzieren, steigen die Bestände in Finanzzentren wie Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Kanada und den Cayman Islands. Belgien spielt dabei eine besondere Rolle als Sitz von Euroclear. Auch die US-Notenbank weist in ihren Notes darauf hin, dass die Käufe von US-Staatsanleihen durch Hedgefonds auf den Cayman Islands systematisch unterschätzt werden. Was auf staatlicher Ebene abgebaut wird, taucht an anderer Stelle im privaten Finanzsystem wieder auf.

Bying US-Dollar China

 

Damit schließt sich der Kreis zur Goldpolitik. Die chinesische Zentralbank kauft Gold, aber nur in begrenztem Umfang. Der Fokus liegt nicht auf einer schnellen Abkehr vom Dollar, sondern auf der Steuerung der Kapitalströme und der Stabilisierung des Wechselkurses. Ein Nebeneffekt dieser Strategie ist die indirekte Stützung des US-Dollar-Systems.
Hier treffen politisches Narrativ und wirtschaftliche Realität aufeinander. Offiziell propagiert China die Abkehr vom Dollar und den Aufbau eines starken, international akzeptierten Yuan. In der Praxis stützt das Land über Kapitalflüsse, Bankbilanzen und indirekte Dollar-Nachfrage genau jenes System, von dem es sich rhetorisch distanziert. Die Zahlen zu Gold und Devisenreserven wirken stabil. Die eigentliche Bewegung findet darunter statt.



Dói Ennoson

Über den RedakteurDói Ennoson

Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.

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1 Kommentar

  1. Staats- und Parteichef Xi Jinping, das Politisches Präsidium der Kommunistische Partei Chinas und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sprechen sich einerseits für den US-Dollar als Leitwährung aus und legen gleichzeitig mittels den BRICS-Währungen Yuan und Gold Wert auf eine entsprechende Souveränität.

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