Um in den lahmenden LNG-Ausbau in Russland in Schwung zu bringen, soll Kapital aus China helfen. Ein Kooperationsprotokoll verabschiedeten die beiden Länder bereits Ende 2024. Jetzt erfolgte die Ratifizierung in Russland. Für China öffnet das den Weg, auf sämtliche LNG-Kapazitäten an der arktischen Seidenstraße zuzugreifen. Eine Alaska Arktis Allianz von USA und Russland dürfte da nicht so recht ins Bild passen.
Zügiger Beschluss in China
Am 26. Februar trat das russische Gesetz zur Ratifizierung des Protokolls über die Zusammenarbeit mit China beim Yamal-LNG-Projekt und über zusätzliche Regelungen bei der Durchführung gemeinsamer Projekte zur Entwicklung der LNG-Produktion in Kraft. Die Unterzeichnung des Protokolls erfolgte in Moskau und in Peking bereits am 27. Dezember 2024.
Hatte China alle notwendigen Schritte zum Inkrafttreten des Protokolls zügig abgeschlossen, war in Russland die Ratifizierung erforderlich, berichtete die Rossijskaja Gaseta. Darauf hatte der bevollmächtigte Vertreter der russischen Regierung bei der Staatsduma Alexander Sinenko hingewiesen. Ihm zufolge sind im Protokoll Regelungen enthalten, die von der russischen Gesetzgebung abweichen.
Die Ratifizierung schafft laut Rossijskaja Gaseta die Rechtsgrundlage für den Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Russland und China bei der Produktion, Speicherung und dem Transport von Flüssigerdgas. Auch günstige Bedingungen für Investitionen in neue LNG-Projekte gingen damit einher.
Projekte unter Sanktionsdruck
Im letzten Jahr erklärte Vizepremier Alexander Nowak, dass China am LNG-Projekt, das sich an der Ostsee im Bau befindet, Interesse zeige. Gemeint ist das Ust-Luga-Projekt vom Betreiber RusKhimAlyans, einem Gemeinschaftsunternehmen von Gazprom und RusGazDobycha. Bis zum Krieg in der Ukraine war hier die Linde AG mit Techniklieferungen zur Gasverflüssigung unter Vertrag.
Energieminister Sergei Ziwilew erklärte, dass sich chinesische Unternehmen an neuen LNG-Projekten von Novatek beteiligen könnten. Von den potenziellen Projekten des größten russischen LNG-Produzenten steht Murmansk LNG dem Baubeginn am nächsten. Beide Projekte leiden unter westlichen Sanktionen, auch wenn der Chemiekomplex Ust-Luga nach Angaben von Gazprom schon zu 70 Prozent fertiggestellt ist.
Mögliche Einstiegsoptionen
Wie Maria Belowa, Forschungsdirektorin bei Implementa, gegenüber der Rossijskaja Gaseta erklärte, sei die Ratifizierung angesichts der verschärften Sanktionen Protokolls ein weiterer Schritt zur Stärkung der Partnerschaft zwischen China und Russland im Energiesektor. Dies erweitere die Investitionskooperation und erleichtere in einem Kontext blockierten Zugangs zu westlichen Finanzmitteln die Kapitalgewinnung aus China.
Verschiedene Formen der Beteiligung, darunter Kredite und die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen hält Belowa für möglich und stellte klar, dass Chinas Nationale Ölgesellschaft CNPC 20 Prozent der Anteile am Yamal-LNG-Projekt halte, während der Seidenstraßenfonds 9,9 Prozent innehabe. Am Projekt Arctic LNG 2 auf der Halbinsel Gydan hielten die China National Offshore Oil Corporation CNOOC und CNPC beide je 10 Prozent.
Seit letzten Sommer importiert China verflüssigtes Gas von Gydan, ungeachtet dessen, dass dieses LNG-Projekt Sanktionen unterliegt. Hohe Preisabschläge machen das Geschäft attraktiv. Was für große Anlagen gilt, könnte auch für kleine Anlagen im russischen Fernen Osten zum Zug kommen, erklärte Wjatscheslaw Mischtschenko, Direktor des Zentrums für die Analyse von Strategien und Technologien zur Brennstoff- und Energieentwicklung. Chinesische Partner könnten sich als Investoren, Technologieanbieter und Hauptabnehmer an diesen Projekten beteiligen.
Lukrative Bedingungen
Beteiligungen sichern Zugriffsrechte, Kontrolle, Zollfreiheit und Steuererleichterungen vonseiten Russlands. Insofern ist es für China ein lukratives Geschäft, sich kostengünstig mit LNG einzudecken und es auch auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Im Februar berichteten Medien über eine Flüssigerdgasfracht, die in China umgeladen wurde und auf dem Weg nach Europa ist.
Nach Schiffsverfolgungsdaten von Bloomberg lud demnach der Tanker Seapeak Glasgow Ende Januar am Terminal Zhejiang-Ningbo LNG und nahm Kurs auf Singapur, was darauf hindeutet, dass Europa sein nächstes Ziel ist. Sollte die Lieferung erfolgen, wäre es das erste Mal seit vier Jahren, dass umgeladenes LNG aus China nach Europa transportiert wird. Sich als Zwischenhändler für russisches LNG zu etablieren, scheint eine Option für zusätzliche Einnahmen auf dem globalen Rohstoffmarkt zu sein.
Kurs auf arktische Seidenstraße
Gleichfalls könnte die Beteiligung chinesischer Unternehmen laut Mischtschenko über die Gas- und Flüssigerdgasproduktion hinaus gehen. Investitionen in die Infrastruktur der Nördlichen Seeroute, die für arktische LNG-Lieferungen nach China am wirtschaftlichsten sei, und in den Gastransport seien ebenfalls denkbar, so der Experte. Für China ist diese Route ein Baustein der arktischen Seidenstraße. Im letzten Herbst kam nach 26 Tagen die Istanbul Bridge, das erste Container Schiff, aus China über die weltweit erste Arktis-Expressroute im Hafen von Gdansk in Polen an.
Auch Belowa unterstrich, dass das Protokoll die Entwicklung der Logistikinfrastruktur mit Häfen und Umschlagterminals sowie den Bau von Werften und LNG-Tankern vorantreiben könnte. „Für uns ist dies ein Weg, unsere Position auf dem Weltmarkt zu stärken, da China der größte LNG-Importeur ist“, betont Belova. China sei an mehr als nur den wirtschaftlichen Erträgen aus Kapitalbeteiligungen an Projekten interessiert. Peking könne die eigene Energieversorgung sichern, was angesichts der sich verschlechternden Beziehungen zu den USA, dem größten LNG-Produzenten, besonders wichtig sei, erläuterte die Expertin.
Alaska Arktis Allianz gegen China
Im Februar berichteten Medien, dass der texanische Finanzier Gentry Beach mit Verbindungen zur Trump-Familie trotz der anhaltenden westlichen Sanktionen gegen Moskau mit Novatek ein Abkommen zur Erschließung von Erdgasvorkommen in Alaska unterzeichnet haben soll.
„Amerikanisches LNG könnte über die Nordostpassage aufgrund der bestehenden Kapazitäten und des vorhandenen Potenzials transportiert werden“, äußerte Alexej Fadejew, Leiter des Expertenrats für Arktisentwicklung beim St. Petersburger Komitee für Außenbeziehungen, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS am 24. Februar.
Hier verwies er auf die Gespräche zwischen Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump in Alaska und erläuterte, dass Russland die amerikanischen Kollegen bei der Gasverflüssigung in Alaska unterstützen und sich die Nordmeeroute dabei als wichtige Logistikverbindung für den Export aus Alaska erweisen könne, was auf das Abkommen zwischen Beach und Novatek hindeutet.
Für China bedeutet dies Konkurrenz an der arktischen Seidenstraße durch seinen ärgsten Widersacher. Dass die USA vor Russlands Nordküste paradoxerweise Güter und LNG nach Europa schippern könnten, dürfte daher Argwohn erzeugen. Für Russland ist es zugleich ein Versuch, die chinesische Dominanz und den Ausverkauf seiner arktischen Ressourcen einzudämmen.
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Ja- nun, die Europäer wollen kein LNG mehr von Russland,. Dann geht es eben nach China.
Es ist für mich unfassbar, dass der Westen diese Sanktionen verhängt, Deutschland sich sogar Nordstream (nach Ankündigung durch die USA) wegsprengen lässt und auch nicht repariert.
Dann auch noch tausende von Sanktionen gegen Russland durchsetzt und somit die eigene Wirtschaft ruiniert.
Und damit immer weiter die wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit der beiden Länder anschiebt.
Unfassbar.
Jetzt muss sich aber die USA beeilen, wenn sie noch einen Fuß in die Tür bekommen wollen, wenn es um russische Rohstoffe geht.
Es wird spannend.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut