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Asien

China: das sind die wirklichen Zahlen!

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Offiziell weist China ein Wirtschaftswachstum von 6,9% auf. Offiziell. Aber die Wahrheit dürfte ganz anders aussehen – die BIP-Zahl ist eine symbolische, politische Zahl ohne wirklichen Erkenntniswert, sie dient eher zur Beruhigung der Bevölkerung. Wie aber sieht die Lage der Wirtschaft in China wirklich aus?

Heute hat die chinesische Kommission für Nationale Entwicklung und Reformen eine Zahl präsentiert, die die Warheit abbildet, jenseits der sicher geschönten BIP-Zahl. Es sind die Zahlen zu den Transportvolumen, die in China per Eisenbahn transportiert wurden – und die sind im September um 15,6% gefallen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit hat sich – das hatten schon andere Zahlen gezeigt – der Abschwung im September noch einmal verstärkt, denn der Rückgang hatte in den ersten acht Monaten nur 11,4% zum Vorjahreszeitraum betragen. Kann eine Wirtschaft wirklich um 6,9% wachsen, wenn der Transport per Eisenbahn zweistellig fällt? Unwahrscheinlich, zumal kaum anzunehmen ist, dass in China die Eisenbahn als Transportmittel plötzlich außer Mode gekommen sein sollte!

Die Transporte der Eisenbahn sind (inoffizieller) Bestandteil des sogenannten Li Keqiang Index. Der Premierminister hatte in einem Gespräch, das später „geleaked“ wurde, den offiziellen BIP-Zahlen mißtraut. Lediglich der Transport per Eisenbahn, der Stromverbrauch sowie die von Banken vergebenen Kredite würden wirklich Aufschluß geben über den Zustand der Wirtschaft. Der Einsbahn-Trasnport also zeigt, dass die BIP-Zahlen reichlich unglaubwürdig sind!

Nicht wirklich glaubwürdig übrigens auch die Aussagen zum Arbeitsmarkt von heute Nacht. Demnach habe es Entlassungen nur im Bereich Kohle, Stahl und Chemie gegeben, ansonsten sei alles paletti. Wer´s glaubt, wird sofort selig!

Realistischer sind da wohl die Angaben zu den Profiten großer Industrieunternehmen im Reich der Mitte. Diese sind im September nur um 0,1% gefallen – im Vormonat August waren es noch 8,8% (damals vermutlich wegen der Abwertung des Yuan). Gleichwohl spricht die Statistikbehörde National Bureau of Statistics von einem fortgesetzten Abwärtsdruck:

„Even though the rate of industrial losses narrowed in September, given that downward pressure on the industrial economy continues, the industrial profit outlook is still not optimistic.“

Um den Aktienmarkt weiter zu stabiliseren, hat China heute offiziell verkündet, dass Pensionsfonds von Lokalverwaltungen ab 2016 bis zu 30% der von ihnen verwalteten Gelder direkt in den Aktienmarkt investieren dürfen. Damit könnten dann noch einmal ca. zwei Billionen Yuan (320 Milliarden Dollar) in den Aktienmarkt fließen.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Jörg

    27. Oktober 2015 12:35 at 12:35

    Um zuverlässige Daten über China zu erhalten, muß man auf Taiwan blicken:
    „WER WISSEN WILL WIE ES CHINA GEHT, DER SCHAUT AUF TAIWAN“ –
    http://www.godmode-trader.de/artikel/china-ist-enttarnt,4357073

  2. Avatar

    Gabriel Scheer

    27. Oktober 2015 12:43 at 12:43

    Danke für den Link

  3. Avatar

    Matthias

    28. Oktober 2015 09:36 at 09:36

    nicht nur Taiwan, man schaue auch hier:
    http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2015/09/D925.png
    http://themarketmogul.com/wp-content/uploads/2015/08/china-s-slumping-trade-growth-exports-imports_chartbuilder.png
    http://blogs-images.forbes.com/stevekeen/files/2015/08/image0022.png

    Zu jeder offiziellen chin. Regierungserklärung gibt einen Gegenpart.
    analog: offizielle chinesischer Smogwerte in Peking vs Smogwerte d. amerikan.
    Botschaft in Peking

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Asien

Bruttoinlandsprodukt: China ist gewachsen, Deutschland und Europa hinken hinterher

Redaktion

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Shanghai ist die weltweit bekannteste Metropole in China

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland ist im Gesamtjahr 2020 um 5 Prozent gesunken (wir berichteten). Dieses Ergebnis war besser als gedacht. Für die Eurozone liegen die Erwartungen bei -7,5 Prozent. Und China? Wohl dank der schnellen und extrem harten Lockdown-Maßnahmen (Millionen Menschen wurden quasi zuhause eingesperrt) kam das Land schnell aus der Coronakrise heraus, und Wirtschaft und Handel waren relativ gering beeinträchtigt.

Ganz aktuell liegen staatliche Aussagen aus China vor, wonach das Bruttoinlandsprodukt in 2020 im Jahresvergleich um 2,3 Prozent gestiegen ist! Während der Westen kräftige Rückgang der Wirtschaftsleistung verzeichnet, legt China als einziges bedeutendes Land also einen Zuwachs bei der Wirtschaftsleistung hin. Im 4. Quartal 2020 lag das BIP-Wachstum in China im Jahresvergleich sogar bei 6,5 Prozent! Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten zehn Jahre in blau die prozentuale BIP-Wachstumsrate für China, und in schwarz die für Deutschland.

Die Industrie in Deutschland kommt zwar ziemlich gut durch die Coronakrise. Aber wir alle sehen es. Die Dienstleistungsbranche leidet massiv unter den monatelangen chaotischen Maßnahmen, dem zweiten Lockdown, und ständig geänderten Regeln. Ist für so einen Krisenfall eine Diktatur wie China besser aufgestellt, weil man Lockdown-Maßnahmen dramatisch restriktiver umsetzen kann als in Europa oder Nordamerika? Danach konnten sich Wirtschaft und Konsum sehr schnell wieder erholen, anders als hierzulande.


source: tradingeconomics.com

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Asien

Sentix: Konjunkturhoffnung steigt auf Allzeithoch – Impfstoff..

Markus Fugmann

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Die Erwartungen an eine massive Konjunkturerholung nicht nur in Deutschland steigen auf neue Allzeithochs – das zeigt der sentix Konjunkturindex!

Dazu schreibt Sentix:

„Das Corona-Krisenjahr 2020 endet mit einem Paukenschlag, der für die Weltwirtschaft gleich mehrere Ausrufezeichen setzt. Uns liegen in den Dezember-Ergebnissen reihenweise Allzeithochs (!) in den Erwartungskomponenten verschiedener Weltwirtschaftsregionen vor. Die Hoffnung auf einen baldigen Einsatz von Impfstoffen schürt die Fantasie, dass die Wirtschaft in 2021 sich deutlicher als bisher vom Konsens erwartet erholen kann.

  • Die Erwartungskomponenten der sentix Konjunkturindizes gehen reihenweise durch die Decke: Wir messen in fünf verschiedenen Weltregionen ein Allzeithoch (!) in den Konjunkturerwartungen.
  • Asien ex Japan, USA, Japan, Osteuropa, sowie Deutschland legen in den 6-Monatswerten um rund 10 Punkte zu. Die Lagewerte verbessern sich ebenfalls, jedoch mit geringerem Tempo.
  • Der überraschend starke Anstieg fußt auf der Hoffnung, dass schon bald über einen Einsatz von Impfstoffen die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen ist. Dies setzt boomartige Wachstumskräfte frei. Der sentix Global Aggregate Gesamtindex legt um 6,1 Punkte zu und klettert damit auf den höchsten Wert seit Mai 2019.“

Sentix zeigt: Hoffnungen auf Konjunkturerholung immens, Lage meist mau

Für Deutschland steigen die Erwartungen im Dezember auf einen Wert von 34,3 (November war 22,0) – auffallend aber ist, dass sich die Einschätzung der aktuellen Lage kaum verändert hat mit -17,3 (Vormonat war -17,5). Faktisch also viel Hoffnung bei gleichzeitig bislang wenig eingetrtener Realität..

Für die USA und Asien steigen die von Sentix erfaßten Erwartungen ebenfalls auf neue Allzeithochs: für Asien von 30,8 im Vormonat auf nun 40,0, in den USA von 21,3 auf 32,3. Während in Asien auch die Einschätzung der aktuellen Lage steigt von 16,0 auf 19,8, fällt die Einschätzung der aktuellen Lage im Dezember im Vergleich zum Vormonat November sogar von -10,5 im November auf nun -11,8.

Diesen immensen Optimismus spiegeln auch die Aktienmärkte wider, die etwa in den USA breitflächig auf neue Allzeithochs gestiegen sind. Global gesehen bringen die Aktienmärkte nun eine Marktkapitalisierung von 100 Billionen Dollar auf die Waage – so viel wie noch nie. In Relation zum globalen BIP sind die Aktienmärkte nun mit 115% bewertet – nur auf dem Hochpunkt der Dotcom-Blase lag die Bewertung noch höher.

Da muß also alles gut gehen, die Beste aller Welten wird eingepreist. Was aber, wenn die immensen Erwartungen sich nicht erfüllen? Die in der Coronakrise massiv aufgehäufte Verschuldung von Staaten und Unternehmen macht zukünftiges Wachstum schwieriger, weil immer mehr Geld in die Bedienung von Schulden fließen muß. Und die von vielen Staaten aufgelegten Stimulus-Maßnahmen verlagern zukünftigen Konsum in die Gegenwart (siehe dazu hier mehr). Um das hohe Konsum-Niveau beibehalten zu können, bedarf es dann wiederum weiterer Stimuli und noch höherer Verschuldung – ein Teufelskreis, der letztlich kaschiert, dass die Schulden seit den 1980er-Jahren schneller wachsen als die Wirtschaft..

Das Sentix Sentiment zeigt, dass die Erwartungen für die Konjunktur auf neue Allzeithochs steigen

 

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Asien

China mit beeindruckenden Konjunkturdaten – asiatische Märkte beflügelt

Claudio Kummerfeld

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Die Kulisse von Shanghai als Vorzeigemetropole in China

In China glänzen die Konjunkturdaten. Ein beeindruckendes Wachstum wird da hingelegt – natürlich immer unter dem Vorbehalt, dass man den Zahlen auch wirklich trauen kann. Die Industrieproduktion in China wächst laut heute früh veröffentlichten Daten im Oktober im Jahresvergleich um 6,9 Prozent bei Erwartungen von 6,5 Prozent. Damit kann die Wachstumsrate aus dem Vormonat gehalten werden. Im Year-to-date-Vergleich, also Januar-Oktober 2020 im Vergleich zu Januar-Oktober 2019, ist die Industrieproduktion um 1,8 Prozent gewachsen. Also legt China trotz Coronakrise insgesamt schon in 2020 ein Wachstum hin!

Der Chart zeigt das Wachstum im Jahresvergleich – ein Balken steht für einen Monat. Beeindruckend höhere prozentuale Werte im Vergleich zum Vorjahr! Die Einzelhandelsumsätze sind in China im Oktober im Jahresvergleich um 4,3 Prozent gestiegen, bei Erwartungen von +4,9 Prozent. Aber die Daten zeigen, dass die Lücke aus der Coronakrise in China längst überwunden wurde. Man hatte noch vor Europa und den USA einen extrem harten und kurzen Lockdown, und konnte danach schnell wieder die Volkswirtschaft hochfahren.


source: tradingeconomics.com

Japan meldet heute früh ebenfalls erfreuliche Konjunkturdaten. Im dritten Quartal gab es im Quartalsvergleich ein Wachstum bei der Wirtschaftsleistung (BIP) von 5 Prozent. Vier Quartale vorher gab es kein Wachstum. Schon kurz vor der Coronakrise hatte eine Mehrwertsteueranhebung in Japan die Wirtschaft geschwächt. Aber das jetzige Wachstum sorgt für Optimismus. Der japanische Leitindex Nikkei 225 legt heute ein Plus von 521 Punkten oder 2,05 Prozent hin. Der Shanghai Composite steigt um 37 Punkte oder 1,1 Prozent. Gute Vorzeichen für den Wochenstart in Europa.


source: tradingeconomics.com

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