Aktien

Der Abverkauf, von dem keiner spricht oder: China feiert bald 1-jähriges Crash-Jubiläum

FMW-Redaktion

China? Da war doch was.. richtig: vor einem Jahr begann das, was man guten Gewissens als Crash bezeichnen kann. An Chinas Aktienmärkten kam etwas ins Rutschen, was zuvor zu heftig gestiegen war, weil Chinas Führung über die Medien des Landes die Menschen mehr oder weniger direkt aufgefordert hatte, Aktien zu kaufen. Anlaß war damals die geplante und nun schon länger umgesetzte Verlinkung zwischen den Bören in Shanghai und Hongkong. Da dachten sich die Machthaber: da die Westler bislang nur in Hongkong kaufen können, werden sie über den Hub Hongkong Aktien in Shanghai kaufen. Und da, liebe Chinesen, macht es doch Sinn, schon vorher drin zu sein – bevor man dann also den Westlern die inzwischen teuren Stücke dann verkaufen kann.

Die Rechnung ist, wie wir heute wissen, nicht aufgegangen. Nicht nur die Verlinkung der Börsen Shanghai und Hongkong ist eher ein Flopp – die Volumina, die über diese Verbindung gehandelt werden, liegen weit unter der ursprünglichen Erwartung. Dann kam der Crash, weil – der nächste Fehler der Regierung – Peking aus Sorge über die zu schnell gestiegenen Kurse die Margins angehoben hatte. Wie panisch die Machthaber waren, zeigen ihre Anschuldigungen während des Crashs: westliche Banken hätten durch ihre Analysen den Crash ausgelöst.

Dabei hatten die Analysten dieser Banken auf die extrem sportlichen Bewertungen hingwiesen, mehr nicht. Jedenfalls kollabierte der Shanghai Composite dann um 45%, fünf Billionen Dollar an Marktkapitalisierung lösten sich in Luft auf – vorher hatte es ein Jahr gebraucht bei der Rally, um knapp über sechs Billionen hinzuzufügen.

Wovon derzeit kaum jemand spricht: wir erleben an Chinas Märkten derzeit eine Art-Salami-Crash. Es geht langsam, aber stetig nach unten. So hat der Shanghai Composite auch diese Woche im Minus beendet – das ist die sechste Woche in Folge mit Verlusten, das gab es zuletzt vor vier Jahren (also nicht einmal während des Crashs im letzten Jahr!). Und: die Volumina, die an Chinas Märkten gehandelt werden, gehen stark zurück – sie liegen 30% unter den Volumina des Vorjahres. Tendenz weiter fallend: im Mai lag das Volumen 10% unter den Volumina im März und April. Damit einher geht, dass der Margin Debt, also das gehebelte Volumen, konstant zurück geht. Sprich: die Privatinvestoren in China haben sich weitgehend verabscheidet vom Aktienmarkt.

Dabei ist der Aktienmarkt in Shanghai inzwischen nicht mehr teuer, das durchschnittliche KGV liegt bei knapp 14. Anders dagegen in Shenzhen: hier liegt das Durchschnitts-KGV bei Standardwerten bei knapp 37, bei Wachstums-Werten aus dem Tech-Bereich bei über 68.



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1 Kommentar

  1. Hallo, liebe China-Kenner + China-Fans:bei FINANZMARKTwelt.de,
    Ihre doch sehr profunden China-Berichte undEinschätzungen lassen vermuten,
    dass Sie doch offensichtlich ein „chinesisch sprechendes“ offenes Ohr am
    dortigen Markt haben. Soweit, sogut: vielleicht gelkingt es Ihnen auch mal was
    greifbares von dort zu berichten, was den am China-Markt interessierten einen
    Schub Hoffnung wg. der besseren Dispo-Möglichkeiten geben könnte: Stellen Sie doch uns interessierten FINANZMARKTwelt. Lesern mal eine strukturierte Sammlung von chin. Assets vor, ggf. nach Wirtschafts- und Branchensegmentes ujnd/oder Indize´s.. Damit könnte man
    mal probieren, gezielt und in Portionen in den Markt zu gehen.
    Also: Nur Mut ! Ich wünsche herzlichst ein gutes Gelingen.
    MfrGr. Petermax

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