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China: Der Landwirtschafts-Deal mit den USA

China schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Man bewahrt sein Gesicht und gönnt dem Gegenüber einen Erfolg vor seinen Stammwählern

Wolfgang Müller

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am

Derzeit gibt es immer wieder Äußerungen zum Fortgang des von Donald Trump so überschwänglich gefeierten Landwirtschaftsdeal zwischen den beiden Kontrahenten China und USA. Von Larry Kudlow, dem Wirtschaftsberaters des Weißen Haus und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Liu He – beide im Grundtenor, dass die Unterzeichnung beim Asien-Pazifik-Gipfel Mitte November in Chile zustande kommt.

Natürlich bläst US-Präsident Trump in dasselbe Horn, indem er seiner Hoffnung Ausdruck verleiht, dass er das Abkommen bei der Asien-Pazifik-Konferenz für wirtschaftliche Zusammenarbeit Mitte November unterzeichnen kann – und dass er zuversichtlich sei, die Einführung weiterer Zölle stoppen zu können. Es ginge mit dem Handelsabkommen mit China „großartig voran“.

Betrachtet man sich ein paar Hintergründe, so erscheint die Realisierung des Abkommens zum großen Teil nicht wie ein Teil eines Machtpokers, sondern eher wie eine wirtschaftliche Notwendigkeit.

 

China und die Not mit der Schweinepest

Ausgerechnet im Jahr des Schweines wütet in China die Afrikanische Schweinepest (ASP). In dem Riesenland mit seinen 1,4 Milliarden Bewohnern befinden sich die Hälfte der Schweine weltweit, ebenso viel wird verspeist, insgesamt macht Schweinefleisch 60 Prozent des chinesischen Fleischkonsums aus. Nach einer Berechnung des Datendienstleisters IHS Markit sind im laufenden Jahr bereits 100 Millionen Tiere verendet oder mussten notgeschlachtet werden. Die Rabobank rechnet sogar damit, dass China in diesem Jahr etwa 200 Millionen Schweine durch Notschlachtungen verliert, ein Einbruch der Schweinefleischproduktion von circa 30 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Tierseuche, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, bereits auch auf andere Länder übergegriffen hat: Nord- und Südkorea, Vietnam und Kambodscha – selbst osteuropäische Länder wie Bulgarien Rumänien und Polen sind schon betroffen.

Verheerend ist vor allem die Preisentwicklung in China für das Schweinefleisch. Der Preis des Grundnahrungsmittels stieg im Vergleich zum Vorjahr um 69 Prozent, für China ein politisch unglaublich wichtiger Fakt. Dies macht sich deutlich in den Haushaltsbüchern des Durchschnitts-Chinesen bemerkbar.

Städte wie Guangzhou im Süden Chinas haben bereits die Reserven mobilisiert und das tiefgekühlte Fleisch um 10 Prozent billiger verkauft.

Anders die Situation in den USA: Dort liegt der Tierbestand drei Prozent höher als im Vorjahr, die Preise sind infolge des Handelsstreits aber spürbar gefallen.

Wie also soll man das wahrscheinliche Zwischenergebnis in den Zollverhandlungen bewerten? Eine eindeutige Sache, wie mir scheint.

 

Fazit

Der Handelsstreit zwischen den USA und China hat viele Facetten und ist beileibe nicht „leicht zu gewinnen“, wie von Mr. President behauptet – auf der anderen Seite aber auch nicht von den Chinesen. Zu sehr hat die Globalisierung in den letzten Jahren zugeschlagen und viele Lieferketten kreiert, zum Wohle vieler, von den einfachsten Grundnahrungsmitteln bis hin zu den Produkten der Hightech-Industrie.

In der jetzigen Phase hat der Handelsstreit Auswirkungen generiert, die beide Seite nicht einfach wegdrücken können. „Beide Seiten werden verlieren“, heißt es immer wieder vonseiten der ökonomischen Beobachter. Interessant ist nur, wie man einen Phase-1-Deal wie ein epochales Abkommen zelebrieren kann, wo er eigentlich nur eine Mischung aus klugem Schachzug (der Chinesen) und wirtschaftlichem Zwang darstellt. China würde bei diesem 40 bis 50 Milliarden-Deal natürlich noch andere Landwirtschaftsprodukte wie Soja und Weizen kaufen, aber so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Man bewahrt sein Gesicht und gönnt dem Gegenüber einen Erfolg vor seinen Stammwählern, die aber gerade einmal ein Prozent zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt beitragen.

China hat gar keine andere Wahl, als mit den USA eine Deal in Sachen Landwirtschaft zu machen

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    22. Oktober 2019 11:00 at 11:00

    Es bleibt mir ein unerklärliches Rätsel, wie die Märkte einen Deal feiern können, der leicht erkennbar keiner ist, sondern lediglich ein Zurückhalten weiterer Eskalation. Es gibt zwischen China und den USA nicht einmal einen Waffenstillstand.

    Ein Krieg zwischen zwei Ländern, in dem täglich Tausende Tote auf beiden Seiten zu beklagen sind, wird nicht dadurch zum Frieden, in dem sich die Kontrahenten darauf verständigen, bis auf Weiteres keine Atomwaffen einzusetzen. Es ist auch kein Friedensvertrag zu interpretieren, wenn sich die Kriegsparteien darauf einigen, sich gegenseitig die Dinge zu verkaufen die beide benötigen, um den Krieg fortzuführen.

  2. Avatar

    Jesse

    22. Oktober 2019 12:50 at 12:50

    @Hesterberg. Es ist ja nicht nur das. Folgendes kommt hinzu:
    1. Volumen am Tiefpunkt
    2. Große Volkswirtschaften in der Rezession oder kurz davor
    3. Liquidität mit enormen Engpässen
    4. Notenbanken rund um den Globus senken die Zinsen um die Wirtschaft zu stabilisieren
    5. Handelskriege auf breiter Front
    6. Minuszinsen ( noch nie da gewesen )
    7. Gewinne der Unternehmen sinken seit längerer Zeit
    8. Kriege und Sanktionen auf breiter Front ( Iran, Saudi-Arabien, Syrien)
    9. US Präsidentendroht ein Impeachment Verfahren

    …es gibt wahrscheinlich noch viel mehr negative Punkte.
    ABER, die Märkte steigen oder stehen sogar am ATH.
    Konsequenz: jeder einzelne oben genannte Punkt hat das Potenzial, wenn es positiov gelöst wird, die Märkte Raketenhaft nach oben zu schiessen. Und das von diesem aktuellen Niveau. Wenn es sogar mehrere Punkte sind, dann will ich gar nicht wissen wo es uns hinkatapultiert.

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Rüdiger Born: Indizes am US-Feiertag – geht da was?

Rüdiger Born

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Dax: Ende der Fahnenstange – oder Kurse weit über 14.000 Punkte?

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Mit einer kleinen Korrektur hat sich der deutsche Leitindex, Dax 30 Performance, aus der zurückliegenden Handelswoche verabschiedet. Der kleine Nervenkitzel konnte indes nichts Weltbewegendes bewirken. Zudem haben sich die anfangs dramatisch darstellenden Kursverluste im Tagesverlauf wieder deutlich relativiert. Auch wenn keine Grundsatzentscheidung getroffen wurde, zeigt diese Performance das angeschlagene Vertrauen, der Marktteilnehmer in die nahezu unendliche Geschichte des Indizes, auf. Eine Verhaltensweise, an die wir uns wohl immer stärker gewöhnen müssen und werden.

Ausblick für den Dax:

Die seit Anfang Dezember laufende Aufwärtsbewegung des Dax dient immer noch der Darstellung von Welle (c) und damit des abschließenden Parts der übergeordneten Welle (B). Die zwingend fünfteilige (1-2-3-4-5) Impulswelle (c), gern auch Antriebswelle genannt, konnte mit der kleinen Korrektur, der letzten Handelstage, die Korrekturwelle (4) ausbilden. Ein sehr schönes Anzeichen hierfür ist der ausgebliebene Schlusskurs unterhalb der 0.38-Unterstützung bei 13.712 Zählern, mittels Schlusskurses.

Steigt der Dax weit über 14.000 Punkte?
Allein dieser Aspekt, als auch der Tagesverlauf der letzten Kerze, deuten sehr stark daraufhin, dass sich im Verlauf der folgenden 2-3 Wochen Welle (5) für den Dax ausbilden wird. In Folge dieser sich ebenfalls fünfteiligen Welle kann der Dax noch einmal ein kräftiges Momentum aufweisen. Das eigentliche Kursziel von (5), verbunden damit von (c) und (B), liegt im Bereich des 1.00-Widerstandes bei 14.476 Punkten. Der Anstieg bis zur zweiten 1.00-Linie (14.794 Punkte) liegt allerdings auch im Bereich des Möglichen.

Fazit:

Der Aufwärtstrend beim Dax wird sich auch weiterhin behaupten, wenn auch das Ende der Fahnenstange immer näher rückt. Ein erneutes Kaufsignal kann ich nicht benennen; das bisherige bleibt bestehen..

Der Ausblick für den Dax

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