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China: die Hetzjagd beginnt, Markt vorerst stabilisiert

Von Markus Fugmann

Nach den geballten Massnahmen, die Peking gestern beschlossen hatte, können die Finanzmärkte Chinas sich wieder stabilisieren: der Shanghai Composite gewinnt 5,76%, der Hang Seng in Hongkong legt 3,71% zu, der Shenzhen Composite gewinnt 3,76%, der Nasdaqq-ähnliche ChiNext gewinnt 3,03%. Nach wie vor sind jedoch viele Aktien (vor allem Small Caps) vom Handel ausgesetzt – und es waren vor allem die kleineren Werte (Small Caps), die vom Crash am stärksten betroffen waren.

Damit hat Peking es erst einmal geschafft, einen dringend benötigten Etappensieg zu erreichen. Aber die Regierung hat nun schon viel Pulver verschossen, von einem echten Markt kann nach den zahlreichen Verboten Aktien zu verkaufen (Staatsfirmen, Anteilseigner, die 5% eines Unternehmens besitzen) und andere Massnahmen nicht mehr die Rede sein. Vielmehr wird sich später erweisen, dass die starke Manipulation des Marktes weitere Probleme mit sich bringen wird, die dann kaum mehr zu beseitigen sind.

Nacdem die Regierung durch den Crash gewissermaßen „ihr Gesicht verloren“ hat, ist sie nun bestrebt, Sündenböcke zu präsentieren. Es muss sich um böse Machenschaften handeln, so die Logik, die China gefährdet haben, aber die weise und starke Regierung hat das erkannt und besiegt die Drahzieher der Verschwörung.

Wohin die Reise gehen wird, zeigt die Einsetzung eines Ungtersuchungsausschusses durch die chinesische Regiluierungsbehörde. Ihr Auftrag: „bösartige Leerverkäufe“ zu untersuchen. Damit also beginnt die Treibjagd. In verschiedenen Medien wird auch auf George Soros verwiesen, der 1997 den Markt in Hongkong zum Absturz gebracht haben soll: der Hang Seng verlor nach einer langen Rally damals 60%, der Hongkong-Dollar stürzte ab. All das geschah während der Turbulenzen der Asien-Krise – und ist eben nicht durch einen einzelnen Spekulanten zu erklären.

Häufig nun auch der Verweis auf den ehemaligen PIMCO-Chef Bill Gross, der Anfang Juni von einer hervorragenden Short-Gelegenheit gesprochen hatte – allerdings mit der Einschränkung, dass der Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen sei. Auch Banken wie Morgan Stanley und Credit Suisse werden verdächtigt, Profite aus dem Abverkauf gezogen zu haben, weil sie sich kritisch über die weiteren Perspektiven für den Markt geäußert hatten.

All das geht an der Realität vorbei: ausschlaggebend sind die stopp-losse und Margin Calls der extrem gehebelten Zocker. Aber das will und kann Peking nicht zugeben – weil sie die Zocker zu diesem Verhalten ermuntert hat! Wer aber zieht diejenigen zur Verantwortung, die die Zocker ins Verderben gestürzt haben?



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