Anleihen

China: die Musik hat aufgehört zu spielen

FMW-Redaktion

Kürzlich hatte die chinesische People´s Daily, die meist gelesene Zeitung Chinas, ein Interview mit einer anonymen „Person mit Autorität“ veröffentlicht, sprich also eines mindestens hochrangigen Vertreters des Politbüros, vielleicht sogar des Staatschefs Xi Jinping selbst. Tenor: Schulden sind die Ur-Sünde der chinesischen Unternehmen, dazu kam noch eine Absage an weitere Stimulus-Maßnahmen.

Das war eine deutliche Warnung, dass es nicht so weiter gehen kann wie bisher. Wir hatten schon mehrfach von den Streßsymptomen an Chinas Märkten für Unternehmensanleihen berichtet, und nun schlägt auch die britische Großbank HSBC in die selbe Kerbe. Unter dem Titel „Die Musik hat aufgehört zu spielen“ hat die Bank eine Analyse vorgelegt, die faktisch ein Platzen der Schuldenbombe antizipiert: in 2016 sind bereits 12 „Kreditereignisse“ passiert, sprich Unternehmen waren nicht in der Lage, die Zinsen für ihre Anleihen zu bezahlen – und die Verunsicherung macht es nun für Chinas Firmen viel schwieriger, neue Schulden aufzunehmen, wie HSBC schreibt:

„Year to date, there have already been 12 public bond defaults involving more than RMB7.8bn of principal exposure, exceeding the total amount in the previous two years. At the same time, a series of credit events concerning state-owned enterprises (SOEs) and local government funding vehicles (LGFVs) reduced already fragile investor confidence in credits assumed to have government backing. Once bonds that are assumed to be implicitly guaranteed by the government start to go sour, then the rest of the market follows, making it hard for businesses to raise new funds.“

Alleine im April wurden 130 geplante Anleiheemissionen abgesagt – so viele wie noch in keinem Monat zuvor. Folgende Grafik von Business-Insider zeigt den dramatischen Anstieg:

Derzeit werden pro Tag durchschnittlich vier geplante Emissionen von Unternehmensanleihen abgesagt – es herrscht also eine gewisse Panik am Markt. Und wenn Chinas hoch verschuldete Unternehmen eines brauchen, dann ist es frisches Geld – meist um mit den neuen Schulden dann alte Schulden bezahlen zu können. Wer wissen will, wie es um China wirklich steht, sollte daher auf den Anleihemarkt blicken – nicht auf den Aktienmarkt..



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1 Kommentar

  1. Aktuell sind eher „nur“ ein paar Tänzer wegen zu viel Drogenkonsums auf der Tanzfläche kollabiert und rausgeschaufelt worden. Die Musik abgeschaltet und die Stühle hochgestellt / Licht ausgeschaltet wird später noch, dann aber richtig.

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