Der Außenhandel in China boomt vor allem durch Chip-Exporte überraschend stark: Ein sattes Plus bei Importen und Exporten sorgt im Juni für einen massiven Handelsüberschuss von über 125 Milliarden US-Dollar.
China dreht globalen Chipmarkt: Der Handelsboom
Entgegen der Erwartung stiegen sowohl die Ex- als auch die Importe im Juni stark an. Die Einfuhren stiegen um 36 Prozent und die Ausfuhren um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dadurch betrug der Handelsüberschuss 125,62 Mrd. US-Dollar. Damit repräsentiert der Juni den stärksten Anstieg bei den Exporten seit Oktober 2021 und bei den Importen seit Juni desselben Jahres.
Im ersten Halbjahr stieg der Wert der Exporte um 17,6 Prozent, während die Ausgaben für Importe um 26,6 Prozent zunahmen. Dadurch verringerte sich der kumulierte Handelsüberschuss leicht auf 575,98 Milliarden US-Dollar und lag damit gut ein Prozent unter dem Vorjahreswert. An der Größenordnung ändert das jedoch wenig: Auch 2026 dürfte China einen Handelsüberschuss von deutlich mehr als einer Billion US-Dollar erzielen.
Die Halbleiter-Wende
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Getrieben wurde der chinesische Außenhandel vor allem von Halbleitern, wo sich das Bild innerhalb eines Jahres deutlich verändert hat. Im ersten Halbjahr 2025 zahlte China für importierte Chips durchschnittlich 0,68 US-Dollar pro Stück, exportierte sie jedoch lediglich zu einem Durchschnittspreis von 0,54 US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Importkosten auf 0,98 US-Dollar je Chip, während der durchschnittliche Exportpreis mit 0,99 US-Dollar erstmals darüber lag. Im Juni weitete sich dieser Vorsprung weiter aus: Für jeden exportierten Halbleiter erzielte China im Durchschnitt einen Preisaufschlag von 0,10 US-Dollar.
Die chinesischen Medien feiern die deutlich gestiegenen Importe als Zeichen für ein Erstarken der Binnennachfrage. Dabei waren sie ausschließlich von Preissteigerungen getrieben. Laut der Handelsstatistik des chinesischen Zolls nahm das Frachtvolumen um lediglich 0,3 Prozent zu, während der Wert pro Einheit um 35 Prozent stieg. Auch zeigt die Komposition der Einfuhren nicht, dass eine Belebung des Konsum eintritt. Die fünf größten Importpositionen nach Wert sind Integrierte Schaltkreise, Rohöl, Eisenerz, Kupfererz und EDV-Equipment. Kein Posten in dieser Liste hat einen direkten Konsumbezug. Die konsumnahen Importkategorien tauchen nicht als Wachstumstreiber auf.
Bei der Betrachtung der Länder aus dem Halbleiter-Korridor, also Taiwan, Südkorea, Malaysia, Singapur und Hongkong, fällt auf, dass die Einfuhren aus diesen Ländern um mindestens 22,5 Prozent in den ersten sechs Monaten zunahmen, mit Ausnahme von Malaysia, das einen Einbruch von fast einem Viertel hinnehmen musste. Die strikten Exportkontrollen, die Malaysia eingeführt hat, scheinen die Ausfuhren von US-amerikanischen High-Tech-Chips erfolgreich eingedämmt zu haben. Allerdings gilt dies nicht für Singapur und Hongkong.
China: Hormus-Krise bremst Öl-Importe
Angesichts der Hormus-Krise hat China im Juni seine Importe von Rohöl um 11,5 Prozent gegenüber dem Mai reduziert. Im gesamten ersten Halbjahr nahmen die Einfuhren von Öl um 11,4 Prozent ab. Dagegen kaufte die Volksrepublik ein drittel mehr raffinierte Produkte, wie Benzin, Diesel, Kerosin, etc. Trotzdem liegen auch hier die Einfuhren in den ersten sechs Monaten um 10 Prozent hinter denen vom vergangenen Jahr.
Getragen wird der chinesische Handel mehr und mehr von der Veredelung von Waren. Denn während der allgemeine Handel, also Produkte, die in China hergestellt werden und dann ins Ausland verkauft werden, um 22 Prozent stieg, nahm der Handel zur Veredelung um 41,1 Prozent zu. Bei den Gütern, die in Bonded Warehouses, also außerhalb der eigentlichen Zollgrenzen, z. B. in Freihandelszonen, betrug der Anstieg sogar um 55 Prozent im Jahresvergleich zu.
Auf der Exportseite stieg das Frachtvolumen um 7,9 Prozent und der Preis pro ausgeführter Tonne stieg von 1.724 im Juni letzten Jahres auf 2.030 US-Dollar, was einen Anstieg um 17,7 Prozent repräsentiert. Die chinesischen Exporteure geben ihre Preissteigerungen beim Einkauf nur bedingt weiter.
Neben den schon erwähnten Chips waren die Ausfuhren von High-Tech-Produkten und Autos getrieben. Die chinesischen Autobauer exportierten 1,07 Millionen Einheiten im Juni, wovon nach Angaben des chinesischen Verbandes der Automobilhersteller 523.000 Autos mit alternativen Antrieben (NEV) waren. Wie Brad Setser feststellt, erreichten die chinesischen Autoexporte in den letzten 12 Monaten 3 Millionen Einheiten und damit in etwa so viele, wie Deutschland ins Ausland verkauft.
Mit einer kumulierten Steigerung von 1,8 Prozent im bisherigen Jahresverlauf fielen die deutschen Exporte in die Volksrepublik mager aus. Dagegen stiegen umgekehrt die Lieferungen um 19,0 Prozent. Dadurch stieg das Handelsdefizit auf 22,3 Milliarden US-Dollar.
Handelskrieg und Vorzieheffekte im US-China-Handel
Die seit Wochen zu beobachtenden Vorzieheffekte bei den Weihnachtsprodukten in die USA sowie dem Ende der De-Minimis-Ausnahmen haben gegenüber der schwachen Basis vom letzten Jahr dazu geführt, dass der Handel zwischen China und den USA im ersten Halbjahr praktisch stagniert. Die Strafzölle von Präsident Trump entwickeln also eine Wirkung, die weit über den eigentlichen Zeitraum hinausgeht. Die strukturelle Veränderung der Warenströme, die sich im letzten Jahr etabliert haben, bleibt weiter bestehen. China liefert Vorprodukte in die ASEAN-Staaten und diese verarbeiten sie zu günstigen Konsumgütern.
Dabei dürfte es Präsident Trump aber als Erfolg seiner Politik werten, dass China im Juni 25,9 Prozent mehr Waren aus den USA gekauft hat. Aus den Daten ist noch nicht ersichtlich, um welche Produkte es sich genau gehandelt hat, aber es scheint sich um landwirtschaftliche Güter, also Soja und Fleisch gehandelt zu haben. Auch hier ist der Treiber die Angst von neuen Zöllen durch die Drohkulisse von Präsident Trump, Ende des Monats neue Abgaben zu verlangen. Durch den überparteilichen Gesetzesentwurf, Strafzölle von mindestens 500 Prozent auf die Waren eines Landes zu erheben, das russisches Öl und Gas bezieht, erhält der Handelskrieg zwischen den beiden Staaten eine neue Dimension.
Die Handelsdaten zeigen, dass der Juni vor allem durch Vorzieheffekte, Hightech-Produkte inklusive Chips und Preissteigerungen geprägt war. Das Wiederaufflammen der Hormus-Krise stellt für China in den nächsten Monaten eine Gefahr bei der Versorgung mit Öl dar. Noch sind die Reserven gefüllt, aber sie leeren sich beständig. Dagegen zeigt sich, dass der Umbau von der Werkbank der Welt zum Experten für höherwertige Güter weiter voranschreitet. Die Vorzieheffekte in Richtung Europa dürften im nächsten Monat nicht mehr sichtbar sein, denn die Ausnahmen für die De-Minimis-Sendungen liefen zum 1. Juli aus. Die National Retail Federation erwartet für Juli den Höhepunkt der Importe für dieses Jahr. In der ersten Hälfte des Monats sollte es also noch einmal zu hohen Exporten in die USA kommen. Für den Rest des Jahres sind dann die Aussichten für die chinesischen Hersteller eher schlechter.
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