Asien

China droht harte Landung

Von Markus Fugmann

Das war die nächste Enttäuschung: der HSBC-Einkaufsmanagerindex für China ist mit 49,2 deutlich unter der Erwartung geblieben und unter die wichtige 50er-Schwelle – die Grenze zwischen Expansion und Kontraktion – gefallen. Dabei waren alle Unterkomponenten schwach, vor allem aber die Komponente Beschäftigung, die auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise gefallen ist. Arbeitslosigkeit – das zeichnet sich immer mehr ab – ist eines der zentralen Probleme Chinas.

Bemerkenswert ist die Schwäche insbesondere vor dem Hintergrund der zweimaligen Zinssenkungen durch die People´s Bank of China sowie anderer Stimulusmassnahmen der Regierung. Offenkundig haben die bisherigen Schritte nicht ausgereicht, neue Stimuli sind zu erwarten.

Trotz der gestiegenen Aussichten auf neue Konunkturspritzen sind die Aktienmärkte in China mit Verlusten aus dem Handel gegangen. Am Aktienmarkt in Shanghai handeln 330 Aktien auf einem 52-Wochen-Hoch – so viele wie seit 2007 nicht mehr. Das KGV des Shanghai Composite liegt mit 13,9 so hoch wie seit November 2010 nicht mehr, in Shanghai und Shenzhen haben etwa 700 Aktienwerte eine price-earnings ratio von über 100. Mit anderen Worten: es gibt klare Anzeichen für eine Blasenbildung. Während die Konjunktur immer schwächer wird, steigen die Aktienmärkte weiter in der Hoffnung auf weitere Liquidität. Aber eben diese Liquidität hat den Abschwung der Konjunktur nicht verhindern können – was den Effekt weiterer geldpolitischer Massnahmen in Frage stellt.

Die Bank of America hat daher gestern ihre bisherige Kaufempfehlung für Chinas Aktienindizes auf „neutral“ von „overweight“ herunter genommen. Der Markt sei in einem Zustand der „Euphorie“, was weitere Käufe risikoreicher mache. Die Notwendigkeit für weitere Stimulusmassnahmen sei so groß, so die Bank of America, dass eine große Lücke klaffe zwischen dem Notwendigen und dem, was die Regierung offenkundig bereit sei dann wirklich zu tun.



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