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China droht und mäßigt im Handelsstreit – und hält die Verhandlungstür offen

Der unübersehbare Kampf um die wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft zwischen China und den USA spielt sich mittlerweile auf vielen Ebenen ab..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Der unübersehbare Kampf um die wirtschaftliche und militärische Vorherrschaft zwischen China und den USA spielt sich mittlerweile auf vielen Ebenen ab. In der Presse überzieht man sich gegenseitig mit Vorwürfen, erstaunlicherweise vermeidet Peking aber populistische Töne und setzt sogar die Zensur im Internet ein, um diese zu unterbinden.

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Politik der Nadelstiche

Der US-Boykott von Huaweiprodukten und weiterer chinesischer Hightech-Firmen hat den Handelskrieg auf eine weitere Ebene getrieben. In verschiedenen chinesischen Firmen wurde bereits zum Boykott von US-Waren aufgerufen, doch ausgerechnet Huawei-Gründer und Konzernchef Ren Zhengfei distanzierte sich davon. In der letzten Woche rief er im Interview mit zwei Dutzend chinesischer Journalisten seine Landsleute auf, den Handelsstreit mit den USA nicht zu politisieren. „Auf keinen Fall darf ein populistischer Wind entfacht werden.“ Ob jemand nun ein Smartphone von Huawei benutzt oder nicht, „ist kein Ausweis für seinen Patriotismus“. Er verteidigte dabei sogar die Firma Apple, als sein großes Vorbild und einen Boykott deren Produkte lehne er ab.

Vieles wird in den Medien angesprochen, Einreiseprobleme in die USA für 200 chinesische Professoren, Verdächtigungen gegenüber den 370 000 chinesischen US-Studenten, selbst antiamerikanische Lieder machen derzeit Furore im Lande. Aber hier setzt wieder einmal der chinesische Überwachungsstaat ein. Wenn es zu heftig wird, schaltet sich die Zensur ein.

Man will seitens der Regierung offensichtlich verhindern, dass die antiamerikanische Wut auf der Straße geht, über die sie die Kontrolle verlieren könnte.

 

Nächste Ebene „Seltene Erden“

Als Präsident Xi Jinping Xi jüngst einen Besuch eines Bergbau- und Förderunternehmens für „Seltene Erden“, zusammen mit Vizepremier Liu He unternahm, sendete er damit auch ein klares Signal an die USA: Wir sind im Besitz von 80 Prozent der Mineralien, die für eure Hightech-Industrie so elementar sind. Lieferbeschränkungen und Ähnliches wären eine neue Stufe des Handelsstreits zwischen den beiden Großmächten. Der Vize besitzt offensichtlich noch das Vertrauen des Regierungschefs und dies könnte auch auf weitere Verhandlungsbereitschaft hindeuten.

 

Fazit

Man kann den Eindruck bekommen, dass China trotz seiner heftigen Gegenwehr gegenüber den USA die volle Eskalation (noch) verhindern will. Das Projekt 2025 und damit auch die neue Seidenstraße dürfen nicht gefährdet werden und dazu braucht das Land Verbündete. Die zu bekommen und zu behalten ist nicht so einfach, angesichts der großen wirtschaftlichen Macht der USA und deren Druckmittel Wirtschaftssanktionen und US-Dollar.

Daher tendiere ich derzeit zu der von Dr. Daniel Stelter erst vor Kurzem vertretenen Ansicht, dass es zu einem Deal zwischen den Kontrahenten kommen werde, keiner substanziellen Lösung, sondern einem „Waffenstillstand“. Vielleicht um Zeit zu gewinnen, aus den genannten Gründen.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Macwoiferl

    28. Mai 2019 11:40 at 11:40

    Wir hoffen @Markus Fugmann liest diese Analyse, die den Nagel wieder einmal auf den Kopf trifft!
    Genau das ist der Grund warum die Börsen eben NICHT fallen!
    Warum sollte ein Investor JETZT sein Depot auflösen wenn es zwei Monate später heißt: die wollten nur spielen?
    In diesem Fall stirbt der Glaube nicht zuletzt. Er stirbt NIE.
    Denn er wird durch immer neue Wunderzeichen neu entfacht.

  2. Avatar

    Altbär

    28. Mai 2019 12:13 at 12:13

    @Macwoiferl, eben das haben Viele bei Tesla auch immer gehofft u.dank meiner Skepsis ,die auch auf FMW mehrheitlich mitgetragen wurde, habe ich den Fall von über 30 % nicht mitgemacht.
    Falscher Glaube u.falsche Hoffnung richten nicht nur an den Börsen viel Unheil an!
    Meine Hoffnung ist nur noch eine Erholung unter die AZH, um dann einen Gewalts -Short aufzubauen.
    Könnten sie vielleicht noch einige Argumente mitliefern, die nach dem schuldengetriebenen Zyklus, diesen noch weitertreiben könnte?

  3. Avatar

    Columbo

    28. Mai 2019 12:36 at 12:36

    @Altbär
    Macwoiferl hat in meinen Augen Recht. Wenn ein Unternehmen den Bach runtergeht, dann ist es meist zu spät. Wenn zwei Politiker sich streiten, können sie meist noch zurückrudern, bevor es zu heiß wird. Daher sind die Beine der politischen Börsen noch immer nicht besonders lang.

  4. Avatar

    Altbär

    28. Mai 2019 13:52 at 13:52

    @Colombo, mein lieber Pseudo- Bulle ( Spass) Lesenswert auf
    „Der Handelkrieg reisst Weltwirtschaft in den Abgrund. „. Dieses Spiel ist noch lange nicht zu Ende,
    wir können nur hoffen, dass die benützten Spielzeuge keine Waffen sind.

    • Avatar

      Columbo

      28. Mai 2019 14:14 at 14:14

      @Altbär
      Pseudobulle ist gut, stimmt! Irgendwo in den tiefsten Tiefen des Bärendaseins beginnt die Zone der Pseudobullen…

  5. Avatar

    Altbär

    28. Mai 2019 15:45 at 15:45

    Einen ähnlichen Handelskrieg hat doch die USA in den 80er Jahren gegen Japan geführt.
    Was hat es gebracht?
    Interessanter Bericht: bitte googeln

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Dax: Hohe Selbstsicherheit, Kaufbereitschaft und Optimismus!

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Das Anlegersentiment gegenüber dem Dax hat die Verunsicherung der Corona-Pandemie mit der Vorstellung des Impfstoffes hinter sich gelassen. Auch die anderen Stimmungsindikatoren zeigen letzte Woche sehr konstruktive Entwicklungen.

“Seitwärtskonsolidierung” nennt man das an der Börse: Nach einem kräftigen Kurssprung infolge der Impfstoffmeldung von vor 14 Tagen war eigentlich zu erwarten, dass der Kurssprung “konsolidiert” wird, also zu einem Teil wieder abgegeben wird. In einer solchen “Verschnaufpause” sind die Kurse meist leicht rückläufig, geben beispielsweise ein Drittel des Kurssprungs wieder ab.

Doch in der abgelaufenen Woche konnte sich der DAX auf dem hohen Niveau, das er durch den Kurssprung erreicht hat, halten. Innerhalb der 30 DAX-Unternehmen gibt es natürlich dann reichlich Bewegung. Die Vorstellung des Impfstoffs hat die Finanzmärkte nachhaltig verändert: Unternehmen, die zuvor noch aussichtsreich aussahen, müssen plötzlich um ihre Zukunft bangen – und umgekehrt: Unternehmen, die zu den Corona-Verlierern zählen, sehen plötzlich ein Licht am Ende des Tunnels.

So gab es in der abgelaufenen Woche nicht nur Gewinner unter den Anlegern, sondern auch einige, die noch in den “falschen” Aktien gefangen sind. Wenngleich das Licht am Ende des Tunnels sichtbar ist, so kann es zwischenzeitlich dennoch zu großen Schmerzen kommen. Entsprechend ist die Anlegerstimmung letzte Woche auf 0,8 (zuvor 3,1) deutlich zurück gekommen. Aber immerhin ist nun ein Weg aus der Krise vorgezeichnet und Anleger wissen, wie sie sich positionieren wollen. Das steigert die Selbstzufriedenheit, die mit einem Wert von 1,0 den höchsten Stand seit Mitte Februar erreicht. Seit dem Coronacrash dominierte Verunsicherung unter den Anlegern. Kein Wunder, solange man mitten in einer Pandemie steckt und ein Ende noch nicht absehbar ist.

Mag sein, dass das Licht noch 6-9 Monate entfernt ist, aber die Aktienbörsen blicken ja gerne mal 6-9 Monate in die Zukunft, wie Sie wissen. So ist die Zukunftserwartung gegenüber dem Dax auf 5,4 gestiegen. Wir messen somit den größten Optimismus des Jahres. Die Investitionsbereitschaft verbleit mit einem Wert von 3,5 auf hohem Niveau und stellt somit eine gute Unterstützung für das aktuell hohe Kursniveau dar. Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von -4 eine leichte Absicherungsneigung. Ganz ähnlich sieht es bei den institutionellen Anlegern aus, die sich über die Eurex absichern. Das Put/Call-Verhältnis ist auf 2,8 angesprungen und zeigt großes Interesse an Put-Absicherungen.

In den USA notiert das Put/Call-Verhältnis weiterhin auf niedrigem Niveau und zeigt weiterhin starkes Interesse an Call-Optionen. Anleger sind dort also überwiegend bullisch positioniert. So auch die US-Fondsmanager, die mit einer Investitionsquote von 106% unterwegs sind: Über Optionen haben sie ihre Spekulationen auf steigende Kurse sogar auf über 100% ihres verfügbaren Kapitals gehobelt. Abenteuerlich, aber nicht selten. US-Privatanleger sind weiterhin bullisch gestimmt, das Bulle/Bär-Verhältnis ist gegenüber der Vorwoche zwar deutlich zurückgekommen, aber mit +18% nach wie vor stark bullisch. So bullisch, wie seit Mitte Februar nicht mehr. Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 65% leichte Gier an, ich würde das aber noch als neutral bezeichnen.

Dax: Interpretation des aktuellen Sentiments

Ja, da ist sehr viel Optimismus im Markt, doch von einer Überhitzung sind wir noch weit entfernt. Wir haben diese Woche gesehen, dass Euphorie infolge der Impfstoffmeldung auch abgebaut werden kann, ohne dass die Aktienmärkte in voller Breite einbrechen. Im Gegenteil, das Anlegersentiment ist auf ein sehr konstruktives Niveau zurückgekommen, ohne dass der Aktienmarkt Federn lassen musste.

Wir befinden uns in einer Phase, in der zwar noch Ungewissheit über den genauen Verlauf der kommenden Wochen und Monate besteht, doch bis Mitte 2021 sollten die größten Probleme, US-Präsidentschaftsübergabe sowie Corona-Pandemie, gelöst sein. Somit sind zwischenzeitliche Rücksetzer an den Aktienmärkten Kaufgelegenheiten.

Da das so klar ist, wird in diesen Tagen bereits der kleinste Rücksetzer gekauft. Einen nennenswerten Rücksetzer gibt es kaum, vor allem nicht beim Dax. Vielmehr nehmen sich Anleger Zeit für die Rotation raus aus den Corona-Gewinnern und rein in die konjunktursensiblen, zyklischen Aktien.

Nun ist die Frage, wer zuerst die Nerven verliert: Diejenigen, die unbedingt zyklische Aktien ins Depot holen müssen und die, denen die Kurse weglaufen? Das könnte zu einer Kaufpanik führen, die den DAX weiter in die Höhe treibt. Oder aber diejenigen, die sich zuvor noch aus ihren Corona-Gewinnern verabschieden müssen, die dazu aber nicht mehr die gewünschten, hohen Kurse bekommen. Wenn diese Positionen auf den Markt geworfen werden, könnte der gesamte Aktienmarkt vorübergehend nochmals in die Knie gehen.

Bis auf weiteres haben wir wohl eine Patt-Situation. Cash, das durch verkaufte Corona-Gewinner im Portfolio landet, dürfte schleunigst wieder in zyklische Aktien eingesetzt werden.

Aus Sicht der Sentiment-Theorie haben wir eine hohe Selbstsicherheit und Kaufbereitschaft, so dass der Druck derzeit eher für steigende Kurse sorgen dürfte. Dieser leichte Aufwärtstrend, der sich daraus bilden könnte, dürfte stärker ins Gegenteil umschlagen, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintreten sollte.

Sprich: Wir haben eine starke Unterstützung und tendenziell leicht steigende Kurse, es gibt jedoch noch genügend Positionen in den Portfolios der Anleger, die panisch auf den Markt geworfen würden, wenn ein überraschend negatives Ereignis eintritt.

 

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Investoren im Dax zeigen eine hohe Selbstsicherheit

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Rüdiger Born

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