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China: erneut tiefrot

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Trotz eines über den Erwartungen ausgefallenen BIPs in China (+7,0%, Prognose war 6,8%) geht die Talfahrt an den Aktienmärkten Chinas weiter. Der Shanghai Composite verliert 4,25%, der Shenzhen Composite liegt mit 4,01% im Minus. Damit ist die Zwischenrally, die die Indizes nach den massiven Interventionen der Regierung um 13% nach oben steigen ließ, wieder beendet. Bereits gestern hatten die beiden wichtigsten Indizes Festland-Chinas 2% verloren.

Dabei sehen die heute Nacht veröffentlichten Konjunktur-Zahlen auf den ersten Blick gut aus: neben dem BIP, das – oh Wunder – genau wie von Peking anvisiert bei 7,0% lag, waren auch andere Daten besser als erwartet: die Einzelhandelsumsätze stiegen um 10,6% zum Vorjahresmonat (Prognose war 10,2%), die Industrieproduktion stieg um 6,8% (Prognose 6,0%).

Aber all das hilft den Aktienmärkten nicht – jenseits der Frage, ob die Zahlen verläßlich sind: Peking hat nach dem Gesichtsverlust durch den Crash ein starkes Interesse daran, die Konjunkturdaten hübsch aussehen zu lassen. So sagt die Chefvolkswirtin des franzöischen Vermögensverwalters Natixis, Alicia Garcia Herrero:

„The chances that that data is real is very low. Would you publish GDP data that looks south at this point in time? I don’t think so.“

Die Märkte jedenfalls scheinen es besser zu wissen: es setzt sich immer mehr die Auffassung durch, dass China mitten im Abschwung steckt. So formuliert Andrew Colquhoun, head of Asia-Pacific sovereigns bei der Ratingagentur Fitch:

„The longer term outlook remains one of structural slowdown as the economy works through a painful process of adjustment and deleveraging“.

Deleveraging – das ist das Zauberwort. Das gilt für die Aktienmärkte, an denen nun die hoch gehebelten Zocker bluten, ebenso aber für die Realwirtschaft, wo insbesondere staatliche Unternehmen und Lokalverwaltungen hoch verschuldet sind – und nun eben einen schmerzhaften Prozeß der Entschuldung erleben müssen.

Erst gestern hatte Peking die Beschränkungen aufgehoben, die den Zugang zum chinesischen Anleihemarkt für ausländische Zentralbanken, Pensionsfonds und andere Großinvestoren limitiert hatten. Mittels dieser Massnahme erhoffen sich die Machthaber den Zustrom ausländischen Kapitals für den Anleihemarkt des Landes, der ein Volumen von 6,1 Billionen US-Dollar aufweist.

Nach wie vor sind 698 Aktienwerte in Shenzhen und Shanghai vom Handel ausgesetzt – Leerverkäufe sind praktisch unmöglich, selbst bestehende Aktienpositionen können häufig kaum verkauft werden, weil die Broker im Reich der Mitte Verkaufsorders nicht mehr annehmen. Dass heute einmal mehr die Märkte dennoch in die Tiefe rauschen, zeigt, wie dramatisch die Lage ist. Peking hat die Kontrolle verloren über die Aktienmärkte – und die Frage stellt sich, ob irgendwann auch der Zeitpunkt kommt, an dem die politische Kontrolle verloren geht.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    GN

    15. Juli 2015 09:07 at 09:07

    Hallo Markus Fugmann, umso mehr frage ich mich, wie man hierzulande wieder von neuen Alltimehighs reden kann.

    Das hört sich alles andere als gut an und ist sicherlich kein kurzfristig zu lösendes Problem. Noch scheinen „die Märkte“ das nicht ernst zu nehmen. Warten wie mal ab. Außerdem paßt das ja auch besser in Martin Amstromgs „Chrash-Agenda“……

    „Diese Märkte“ hierzulande und gerade in den USA sind für mich im übrigen nicht weniger manipuliert als in China, vielleicht ein wenig intelligenter….den Statistiken aus USA, EU, und auch gerade auch aus Deutschland schenke ich jedenfalls sehr wenig Glauben…

    Viele Grüße

    GN

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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