China exportiert so viel wie nie zuvor, doch die Wirtschaft zeigt Schwächen: Die Binnenkonjunktur bleibt schwach, während der Handelsüberschuss weiter wächst – ein riskantes Ungleichgewicht.
China:Export-Boom bei schwacher Wirtschaft – wie passt das zusammen?
China exportiert mehr Waren als je zuvor, doch die Wirtschaft schwächelt. Der Außenhandel entwickelt sich immer weiter zu einer Einbahnstraße: Während die Exporte wachsen, rutschen die Importe in bedenkliche Tiefen. Das Land verkauft mehr denn je in die Welt, doch es kauft immer weniger ein. Eine Trendwende ist weiterhin nicht in Sicht.
In den ersten beiden Monaten des Jahres stiegen die Exporte um 2,3 % auf 540 Milliarden US-Dollar (496,8 Milliarden Euro). Doch die Importe brachen um ganze 8,4 % ein. Das Ergebnis: Ein Handelsüberschuss von 171 Milliarden US-Dollar (157,32 Milliarden Euro). Damit zeigt sich, dass die Binnenwirtschaft Chinas weiterhin auf Sparflamme läuft. Dies korrespondiert mit den am Montag veröffentlichten Zahlen des Konsumentenpreisindex.
China: Mehr Ausfuhren, weniger Wachstum im Inland
Zum einen eilen viele Unternehmen ihren Lieferungen voraus, um höheren Zöllen zuvorzukommen. Doch es gibt noch einen anderen Faktor: Die Verlagerung der Handelsströme in neue Märkte. Besonders die ASEAN-Staaten profitieren von dieser Entwicklung – die Exporte in die Region wuchsen um 5,7 %, mit Vietnam als Spitzenreiter (+14,4 %). Inzwischen entfällt mit 11,2 % ein größerer Anteil des chinesischen Handels auf die ASEAN-Länder als auf die EU (9,0 %) oder die USA (7,9 %). Diese Entwicklung setzt sich weiter fort. Die Strafzölle der USA bewirken, dass die Exporte Chinas umgeleitet werden. Entweder sie werden nur re-labelt oder aber China verlagert die ganze Produktion in die ASEAN-Staaten und liefert die Vorprodukte.
Doch selbst dieser Handelsboom kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Chinas Binnenwirtschaft leidet. „Die anhaltende Schwäche der Importe ist besorgniserregend – sie deutet zumindest darauf hin, dass die Inlandsnachfrage sehr schwach bleibt“, warnt Brad Setser. Und Michael Pettis ergänzt: „Die Exporte hinken hinterher, allerdings waren die Importe das eigentliche Problem – sie sanken um 8,4 % in US-Dollar und um 7,3 % in Yuan gerechnet. Dies deutet darauf hin, dass die durch Exporte generierten Einnahmen nicht ausreichend in Löhne und folglich in den Konsum zurückfließen.“
Besonders die Rohstoffimporte zeigen das Ausmaß der wirtschaftlichen Schwäche: Die Importe gemessen an den Mengen an Kohle gingen um -18,5 % zurück, Rohöl um 10,5 %, Erdgas -13,8 %. Südafrika dürfte besonders von den massiv zurückgehenden Importen von Seltenen Erden (-29,4 %) betroffen sein.
USA stabil, Europa kämpft
Während China verstärkt in Richtung ASEAN blickt, bleibt Europa ein stagnierender Partner. Die Exporte in die EU stiegen lediglich um 0,6 %, wobei Deutschland mit +3,1 % noch am meisten profitierte. Doch die Importe aus Deutschland sanken um 4,6 %, was das Außenhandelsdefizit der Bundesrepublik auf 3,3 Milliarden US-Dollar ansteigen ließ. Besonders hart trifft es die deutsche Automobilindustrie: Die chinesischen Importe von Fahrzeugen fielen um 50,3 %, Autoteile um 22,9 %. Einzig die Niederlande konnten mit einem Exportplus von 5,3 % nach China punkten – vor allem dank einer boomenden Nachfrage nach Halbleitertechnologie (+54,4 %).
Auch die USA sahen eine Veränderung: Während Chinas Exporte in die Vereinigten Staaten um 2,3 % wuchsen, stiegen die Importe aus den USA sogar um 2,7 %. Ein Erfolg für Washington? Vielleicht nur auf den ersten Blick. Denn viele Waren, die früher direkt aus China in die USA gingen, erreichen die US-Märkte nun über Drittstaaten wie Vietnam oder Mexiko – eine Entwicklung, die sich in den Rekordfrachtzahlen der amerikanischen Häfen widerspiegelt.
BRICS: Weniger Rohstoffe für China
Ein weiteres Zeichen der wirtschaftlichen Umbrüche ist der schwächelnde Handel mit Russland. Die Exporte nach Russland fielen um 10,9 %, die Importe um 3,9 %. Besonders auffällig: Die rückläufigen Rohstoffimporte. Kohle (-18,5 %), Rohöl (-10,5 %) und Erdgas (-13,8 %) aus Russland landeten seltener in chinesischen Häfen. Hinzu kommen russische Zollanhebungen auf chinesische Möbel und Autos, die den bilateralen Handel zusätzlich belasten.
Auch die Handelsbeziehungen zu den BRICS-Staaten insgesamt haben sich eingetrübt. China führt traditionell mehr Waren aus diesen Ländern ein, als es dorthin exportiert – insbesondere Rohstoffe. Dies steht im Gegensatz zu den Handelsbeziehungen mit der EU, den USA und den ASEAN-Staaten, zu denen China jeweils einen Überschuss erzielt. Doch im Januar und Februar sanken die Einfuhren aus Indien (-28,7 %), Brasilien (-32,9 %) und Südafrika (-46,7 %) drastisch. Diese Einbrüche lassen sich vor allem auf die sinkende Nachfrage nach Rohstoffen zurückführen. China kauft weniger, weil die Binnenwirtschaft schwächelt – ein klares Zeichen, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Export und Binnenmarkt weiter verschärft.
Exporboom mit gefährlichen Nebenwirkungen
Die Situation der chinesischen Wirtschaft spitzt sich weiter zu. Die Regierung hält am 5 %-Wachstumsziel fest, doch das Fundament dieses Wachstums ist brüchig. Statt auf eine gesunde Binnenwirtschaft zu setzen, bleibt China weiterhin abhängig von Exporten. Doch die Einnahmen aus dem Außenhandel kommen nicht in der breiten Bevölkerung an – sie fließen in staatlich gesteuerte Sektoren und fördern eine schuldengetriebene Wirtschaftspolitik.
Noch laufen die chinesischen Fabriken auf Hochtouren. Noch strömen Milliarden von Dollar ins Land. Doch wenn die schwache Inlandsnachfrage nicht bald angekurbelt wird, wird der aktuelle Exportboom zu einer tickenden Zeitbombe für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Denn er verschärft die Spannungen Chinas mit anderen Exportnationen, allen voran Deutschland und Europa, deren Volkswirtschaften unter den billigen Exporten zu leiden haben.
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