China meldet im Juni einen Exportrekord: Europa und Deutschland zahlen den Preis – mit wachsenden Defiziten und sinkenden Marktanteilen im globalen Handel.
China Exportrekord im Juni: Europa zahlt den Preis
Der neue Exportrekord im Juni zeigt: China baut seine Handelsmacht aus, während Europa ins Hintertreffen gerät. Chinas Exporte verzeichnen einen unerwarteten Anstieg. Die Daten der Zollbehörde zeigen ein Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Zuwachs übertrifft die Prognosen von Analysten deutlich. Ein vorläufiges Handelsabkommen mit den USA sorgt für eine fragile Waffenruhe im Zollstreit. Zugleich steuert China seine Warenströme gezielt in andere Regionen – mit drastischen Folgen für Europa und insbesondere Deutschland.
Europa verliert im globalen Handelskrieg mit China
Der Handel mit Europa nahm im ersten Halbjahr 2025 nur um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Hinter dieser Zahl verbirgt sich allerdings eine deutliche Verschiebung des Gleichgewichts zwischen den Handelsriesen. Die Exporte aus China nach Europa stiegen um 6,6 Prozent, während die Importe aus der EU um 5,9 Prozent sanken. Dadurch wuchs der Handelsüberschuss Chinas mit der EU innerhalb eines Jahres um 21 Prozent. Besonders dramatisch zeigt sich die Veränderung der Warenströme mit Deutschland. Einem Zuwachs der Exporte nach Deutschland von 10,6 Prozent stehen Verluste bei den Importen von 5,2 Prozent gegenüber. Der Handelsüberschuss Chinas mit Deutschland stieg damit um sage und schreibe 180 Prozent innerhalb eines Jahres.
Ein Lichtblick aus chinesischer Sicht ist der Anstieg der Importe im Juni um 1,1 Prozent, der erste Zuwachs in diesem Jahr. Für das Halbjahr bleibt ein Minus von 3,9 Prozent. China baut seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ab. Lediglich 1,4 Prozent mehr Rohöl wurden im ersten Halbjahr eingeführt als im Vorjahr. Bei den anderen Energieträgern sanken die Mengen.
Die Preise fielen wesentlich stärker als die Mengen. Bei Kohle betrug das Verhältnis etwa 1:3, bei Gas das Doppelte. Rohöl wurde etwa 17 Prozent günstiger, während raffinierte Ölprodukte preisstabil blieben. Darunter leiden rohstoffexportierende Staaten wie Russland, dessen Importe um 9,6 Prozent nachließen, Südafrika (-14,2 Prozent) oder Brasilien (-16,2 Prozent). Der Handel mit den BRICS-Staaten schwächte sich ab und fiel auf 9,5 Prozent des chinesischen Gesamthandels.
ASEAN baut Rolle als globaler Handelsakteur aus
Die Exporte in die USA fielen im ersten Halbjahr 2025 um 10,9 Prozent. Dagegen stiegen die Ausfuhren zu den asiatischen Nachbarländern, insbesondere den ASEAN-Staaten, um 13,0 Prozent. Damit machten die Warenlieferungen in die USA nur noch 11,9 Prozent der gesamten Exporte Chinas aus, verglichen mit 14,1 Prozent im Vorjahr. Der Anteil der ASEAN-Staaten wuchs von 16,7 Prozent auf 17,8 Prozent. Die ASEAN-Staaten bauen ihre Rolle als „Brücken-Länder“ zwischen China und den USA sowie Europa weiter aus.
Die Daten der Zollbehörde zeigen, dass der erwartete Nachholeffekt durch die vorläufige Einigung im Zollstreit ausblieb. Im Juni sanken die Exporte in die USA um weitere 16 Prozent. Interessanterweise landeten nach Berechnungen des Analyseunternehmens Descartes nur etwa 3,5 Prozent weniger Container in US-Häfen. Entweder kaufen die Amerikaner nur noch Ramsch, oder die Container enthalten hauptsächlich Luft.
Die Halbjahreszahlen der Zollbehörde liefern eine Momentaufnahme. Unklar bleibt, wie sich die Post-Trump-Ära gestalten wird. Werden die verhängten Zölle bestehen bleiben? Macht Trump wieder den TACO? Drohen die gerade angekündigten 100-Prozent-Strafzölle für Länder, die russische Rohstoffe kaufen? Einige Trends zeichnen sich allerdings in den letzten Monaten ab:
Die EU als Opfer von Trump
Die EU und insbesondere Deutschland sind Opfer der Trump’schen Zollpolitik. China leitet mehr Waren zu günstigen Preisen in die EU und nach Deutschland. Die Mitgliedsstaaten werden dreifach getroffen. Erstens überschwemmt China die EU mit billigen Waren, was die heimische Industrie in ihrem ureigensten Revier bedroht.
Zweitens reduziert China seine Einfuhren aus der EU, was den Handelsüberschuss Chinas erhöht. Drittens konkurrieren EU und China in Drittländern um Absatzmärkte, mit dem besseren Ende für China, da das Reich der Mitte seine Industrie subventioniert.
Doch die EU ist nicht nur hilfloses Opfer, sondern eher ein zahnloser Tiger. Nach den USA, wenn man direkte und indirekte Exporte betrachtet, bleibt sie der zweitgrößte Markt für China. China leistet es sich sicherlich nicht, von diesem ausgesperrt zu werden. Eine doppelte Front wäre das wirtschaftliche Fiasko für Peking. Das Dreigestirn der EU in Sachen China-Handelspolitik, Ursula von der Leyen, Valdis Dombrovskis und Kaja Kallas, hält eigentlich ein gutes Blatt, das man beim anstehenden Gipfel in Peking Ende des Monats gut ausspielen könnte.
BRICS-Staaten fallen im China-Handel zurück
Das BRICS-Bündnis scheint in Peking auf dem Abstellgleis zu stehen. Es mag viele Gründe geben, warum Xi Jinping nicht zum Gipfel nach Rio geflogen ist. Es scheint sicher, dass das Bündnis eine unwichtigere Rolle in der Versorgung Chinas spielt. China fährt seinen Rohstoffbedarf spürbar zurück. Die Leidtragenden sind die Bündnispartner. China schaut sich lieber auf dem freien Markt um, bei Ländern wie Katar, Bahrain oder Australien. Handelstechnisch entfernen sich die Partner mit „unbeschränkter Freundschaft“, Russland und China. Die angedrohten 100-Prozent-Strafzölle für Länder, die noch in 50 Tagen Rohstoffe von Russland beziehen, sollte es nicht zumindest zu Verhandlungen zwischen den beiden Kriegsparteien kommen, stellen China vor eine faustische Frage: ob es mit Nibelungentreue zum gehassten Freund steht – oder das Hemd näher ist als die Hose.
Auch wenn die Zahlen zunächst etwas anderes suggerieren, bleibt China von US-Aufträgen abhängig. Die binnenwirtschaftlichen Schwächen zwingen Peking, die Wirtschaft mit massiven Anleihen zu stützen. Die Unzufriedenheit mit dem Zwischenzeugnis der Zollbehörde zeigt sich daran, dass diese Stützung anhält.
Das gefährliche Spiel der ASEAN-Staaten
Die ASEAN-Staaten bauen ihre Rolle als Brückenbauer zwischen Ost und West aus und profitieren kräftig. Das gerät jedoch ins Blickfeld des zornigen Auges des Saurons von Washington. Vietnam und die anderen Staaten des Bundes kamen glimpflich durch die zweite Runde der Zölle. Doch sie stehen nur einen Zornesausbruch entfernt von einer Zollkeule, die ihr Geschäftsmodell zerstört.
Es bleibt, wie es war. Die Zollstatistik ist eine Momentaufnahme. Das Chaos, das Trump entfacht, lähmt alle Beteiligten. Chaos ist die einzige Strategie, die Trump kennt, und Zollpolitik das einzige außenpolitische Instrument, das er beherrscht.
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Ob OPEC+, G20 oder BRICS-Staaten. Es ist im Interesse der Weltwirtschaft, und somit im Interesse der neben den USA größten Volkswirtschaft China, wenn Bündnisse möglichst mit einer Stimme sprechen. Deutschland und die EU gehören, wie China zur G20.
@Holger Voss
Na, dann haben die BRICS ja wenig Chancen, die sprechen ja noch nicht mal miteinander. Und China sch.. . auf die eh