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China fällt als Konjunkturlokomotive aus, oder doch nicht?

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Shenzhen ist eine der großen schnell wachsenden Metropolen in China

Zum ersten Mal seit 30 Jahren gibt es in China keine Zielvorgabe für das Wirtschaftswachstum. Was wie eine Lappalie klingt, ist in Wahrheit jedoch das Fehlen von Handlungsanweisungen für die lokalen Politikgrößen. Denn für die waren die aus Peking kommenden Wachstumsprojektionen Handlungsanweisungen. Viele Fehlentwicklungen in China lassen sich relativ leicht erklären, wenn man Chinas Wachstumsannahmen nicht als bloße Annahmen versteht, sondern als Zielvorgaben. Wenn Peking sagt, die Wirtschaft werde 2019 um 6% wachsen, dann wächst sie auch um 6%. In kapitalistischen Wirtschaftssystemen wäre es nicht möglich, Wachstum treffsicher staatlich gelenkt zu erzielen.

In China jedoch, wo die kommunistische Partei alle Zügel in der Hand hält, können lokale Politiker in Zusammenarbeit mit der Zentralbank und Landesführung diese Ziele auch umsetzen. Dazu senkt die Zentralbank je nach Erfordernis die Zinsen und Mindestreserveanfordungen für Banken, auf dass diese mehr Kredit geben können. Willige Kreditnehmer sind auch schnell gefunden. Notfalls stampfen die Provinzpolitiker eigene Unternehmen aus dem Boden, die dann zwar defizitär arbeiten und am Bedarf vorbei produzieren, aber die aus Peking kommenden Wachstumsziele erfüllen helfen. Und während im Westen spätestens bei der Pleite des Unternehmens ein negativer Beitrag zum Wirtschaftswachstum verbucht werden müssten, wird in China die Pleite dieser nutzlosen Zombie-Unternehmen einfach auf Kredit bis zum Gehtnichtmehr hinausgezögert.

Chinas Wachstumsziele erzeugen Zombie-Unternehmen und Überproduktion

Die Folge sind immer wieder auftauchende massive Überproduktionen, die dann zu erheblichen Preisrückgängen auf dem Weltmarkt führen. Bekannteste Beispiele sind Stahl und Photovoltaikzellen. Das sind zwei Produktgruppen, für die aufgrund chinesischen Preisdumpings Strafzölle in Europa eingeführt wurden. Zwar zu spät, aber immerhin erkannte man in Europa, dass man gegen einen unfair spielenden Konkurrenten keine Chance hat. Die Planerfüllung in China erklärt auch die sich auftürmenden Kreditberge und immer wieder einmal von der Regierung vorgenommene Kahlschläge in ganzen Branchen, wenn das Zombie-Unternehmertum zu stark um sich griff. So schloss die Regierung ab 2016 so viele Unternehmen aus der Stahlindustrie, dass dadurch 500.000 Arbeitsplätze verloren gingen. Doch es waren überflüssige Arbeitsplätze. Die Arbeiter produzierten auf Kredit Stahl, für das keine Nachfrage bestand.

Kein offizielles Wachstumsziel für 2020, inoffiziell sind es 5,4%

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Parteiführung gab zum ersten Mal seit 30 Jahren KEIN Wachstumsziel aus. Damit fehlt den Politikern aber auch die praktisch ihr ganzes Leben lang existierende Richtschnur, an der sie ihre Politik ausrichten. Wie das Experiment ausgehen wird, ist offen. Wäre nicht Corona-Zeit, dann könnten wir jetzt erstmals seit 30 Jahren erfahren, wie sich die Wirtschaft ungelenkt entwickeln würde. Zwar gäbe es noch immer staatlich gepäppelte Konzerne, doch mangels Wachstumsziel dürften die vermutlich erstmals nachfragegerecht produzieren.

Denkbar ist aber auch, dass Lokalpolitiker versuchen werden, ihre Macht auszubauen, indem sie die Unternehmen in ihrem Wirkungskreis nun ganz besonders anstacheln, auf Wachstum zu setzen. Die in der Krise weiter gesenkten Zinsen und Reserveanforderungen der Zentralbank begünstigen schließlich kreditfinanziert aufgeblähte Unternehmen. In diesem Jahr wollen die Zentral- und Provinzregierungen neue Anleihen im Umfang von 1,2 Billionen US-Dollar emittieren. Das ist doppelt so viel wie 2019 und entspricht etwa 8% des Bruttoinlandsprodukts. Die Zentralregierung selbst scheint mit 5,4% Wirtschaftswachstum zu rechnen, was aus den Budgetplanungen der Regierung errechnet werden kann. Das ist nur ein Zehntel weniger als 2019 und im Jahr der Coronakrise auf jeden Fall nur zu erreichen, wenn in großem Maße auf am Bedarf vorbei produzierte Güter gesetzt wird.

Chinas Regierung könnte Importe (aus Deutschland) reduzieren

Ob das auch Deutschland als Exportnation hilft, deren drittwichtigster Kunde China ist, bleibt abzuwarten. Deutschlands Exporte sind Chinas Importe – und Importe wirken bei der Berechnung Wachstums des Bruttoinlandsprodukts wachstumsmindernd. In einem Jahr, in dem es aufgrund der Coronakrise ohnehin extrem schwierig sein wird, Wachstum zu erzeugen, dürfte versucht werden, ohne größere Importe aus Deutschland auszukommen. Dass die Regierung ohne weiteres auch die Importe lenken kann, bewies sie erst vor einigen Tagen. Staatsunternehmen wurden angewiesen, keine Sojabohnen und Schweinefleisch mehr aus den USA zu importieren. In dem Fall ging es aber eher um ein politisches Statement in Richtung USA.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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