Chinas Exporte schießen im August um 25 Prozent hoch: Der massive Boom bei Autos und KI-Technologie treibt den Handelsüberschuss auf die Rekordmarke von 805,5 Milliarden Dollar.
China flutet Weltmärkte: Der rote KI- und Autoboom
Peking überschwemmt die internationalen Märkte und setzt dabei voll auf die Zukunftssektoren Künstliche Intelligenz sowie Elektromobilität. Wie die am Dienstag veröffentlichten Daten der nationalen Zollbehörde zeigen, kletterten die chinesischen Ausfuhren im August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent. Dieser ungebrochene Angebotsschub nach Fahrzeugen und Nachfrage nach Hochtechnologie ließ den Rekordhandelsüberschuss in den ersten acht Monaten des Jahres auf gewaltige 805,5 Milliarden US-Dollar anwachsen. Während sich die Importe gegenüber dem Vormonat Juli leicht um 1 Prozent abschwächten, lagen sie auf US-Dollar-Basis im Jahresvergleich noch immer um 28,2 Prozent im Plus.
Vor Gipfeltreffen: Peking baut Handelsüberschuss mit Washington aus
Knapp drei Wochen vor dem geplanten Besuch von Xi Jinping vergrößerte sich das Handelsdefizit der USA mit China um 4,2 Prozent gegenüber dem Juli. Getrieben wurden die Ausfuhren weiterhin vor allem durch die KI-Ausstattung, konkret durch Chips und High-Tech-Equipment. Dies dürfte die Gespräche zwischen den Führern der USA und der Volksrepublik erschweren. Die Nachfrage nach typischen Produkten der Weihnachtszeit, Mobiltelefone, Spielzeug und andere Konsumgüter lässt hingegen nach.
China entwickelt seinen KI-Kreislauf weiter, indem es hochwertigere und somit teurere Chips aus dem Halbleiter-Korridor Taiwan, Korea, Malaysia, Singapur und auch Hongkong bezieht. Sie werden in den Sonderwirtschafts- und Freihandelszonen weiterverarbeitet. Die Zollstatistik zeigt aber auch, dass China immer noch Nettoimporteur von Schaltkreisen und Speichermedien ist. Die hohen Zuwächse der Einfuhren aus Singapur (+28,7 Prozent) und Hongkong (+111,3 Prozent, beide Werte zeigen das Wachstum im Jahresvergleich von Januar bis August) zeigen, dass offenbar weiter High-End-Chips aus den USA eingeführt werden. Der hohe Zuwachs an Exporten nach Malaysia weist hingegen darauf hin, dass das Land weiterhin wichtig für das Training von KIs für die chinesischen Entwickler ist. Die hohen Zuwächse bei den Importen aus Hongkong spielen auch die russischen Goldlieferungen eine maßgebende Rolle. Das devisenarme Land bezahlt damit Güter oder tauscht es in Valuta, um damit auf dem Weltmarkt Produkte zu kaufen, die es für Rubel nicht bekommt.
Neben den Halbleitern und elektronischen Bauteilen war der zweite große Treiber die Automobilindustrie für die Ausfuhren. Allein im August verschifften die chinesischen Hersteller 1,05 Millionen Einheiten, womit in diesem Jahr bisher 7,45 Millionen Fahrzeuge die ausländischen Märkte erreichten. Wie Brad Setser bemerkt, war der August „kein außergewöhnlich starker Monat – gemessen an dem gegenwärtigen chinesischen Standard“, allerdings ein „schwacher Monat für Importe.“
Weiter weniger Importe aus Deutschland
Dies haben vor allem die deutschen Exporteure gespürt. Die Einfuhren aus dem Mutterland des Automobils sanken um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die chinesischen Ausfuhren nach Deutschland um 17,5 Prozent. Damit vertieft sich das Ungleichgewicht im bilateralen Handel im August um 5,3 Prozent, was den gegenwärtigen Handelskonflikt zwischen der EU und China weiter anheizen dürfte. Die Handelsbilanz zwischen der Volksrepublik und Deutschland ist im EU-Vergleich besonders ungünstig, denn alle Länder der Gemeinschaft zusammen exportierten auf Jahresbasis 6,2 Prozent mehr in das Reich der Mitte und der gegenläufige Warenfluss stieg mit 15,3 Prozent geringer, als nach Deutschland. Die EU hat China bis Mitte Oktober Zeit gegeben, Maßnahmen vorzuschlagen, wie das Ungleichgewicht verringert werden könne, aber die chinesischen Verhandlungsführer weigern sich, viele der europäischen Bedenken überhaupt anzuerkennen oder auf die zentrale Forderung aus Brüssel einzugehen.
Der wieder aufgeflammte USA-Iran-Krieg wirkt sich weiterhin auf die chinesischen Beschaffungsaktivitäten aus. Zwar kaufte China im August im Vergleich zum Juli mit 37,93 Millionen Tonnen 6,2 Prozent mehr Rohöl, kumulativ für Januar bis August lagen die bezogenen Mengen um 14,6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Dabei bezahlten SINOPEC und die anderen Ölunternehmen aber einen Abschlag von etwa 10 Prozent gegenüber dem Weltmarktpreis der Sorte Brent. Der Preisnachlass erklärt sich durch einen vermehrten Bezug aus Russland, wie die Berechnungen von CREA zeigen.
Bei der Versorgung von raffinierten Ölprodukten kann China allerdings nicht auf Anbieter aus Russland ausweichen, denn die ukrainischen Drohnenangriffe haben ein Exportverbot aus dem ehemaligen Zarenreich zur Folge. Gegenüber dem Vormonat fielen die Importe um 6,1 Prozent und auf Jahresbasis gingen die Importe um 17,1 Prozent zurück. Auch die heimische Produktion konnte bis Juli die fehlenden Lieferungen nicht kompensieren. Die heimischen Raffinerien stellten von Januar bis Juli 15,8 Prozent weniger Benzin, Diesel und andere Ölprodukte her. Auch wenn die Verkehrswende den Benzinbedarf drückt, zeigt sich nicht ein Bedarfsrückgang. Das fehlende Angebot kann also nur durch Vorräte aufgestockt werden.
Bei Gas und Kohle gingen die Importmengen gegenüber dem Vormonat Juli mit 2,0 Prozent bzw. 1,5 Prozent moderat zurück. Die heimische Produktion von Kohle erholt sich langsam wieder von dem Einschnitt, der das Grubenunglück im Juli verursacht hat. So entsteht weniger die Notwendigkeit auf dem Weltmarkt nach Ersatz zu suchen. Erfahrungsgemäß lässt der Energieverbrauch in den nächsten Monaten nach.
Zwei Fronten bedrohen den neuen Exportboom
Die hohen Importe von Chips und anderen KI-bezogenen Produkten zeigen, dass China es zwar schafft, seine bisherige Stellung als „Werkbank der Welt“ in eine neue Rolle als Ausrüster für High-Tech und KI, sowie als neues Schwergewicht bei den Autoexporten zu verwandeln. Allerdings steht dem „Externen Kreislauf“ kein „Interner Kreislauf“ gegenüber.
Konkret entstehen zwei Angriffspunkte auf das neue chinesische Modell: Zum einen die Zwischenwahl mit einem Sweep, also die Übernahme beider Häuser im Kongress durch die Demokraten, die mehrheitlich der KI-Entwicklung eher kritisch gegenüber stehen, und ein Verschärfen des Handelskriegs mit der EU, der als wahrscheinlichsten Opfer die chinesischen Autobauer zum Ziel haben werden.
China hat also allen Grund, sich auf einen politischen Konflikt mit beiden Kontrahenten vorzubereiten.
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Bei mir ist noch nichts von Chinas Flutung angekommen. Ich muss immer noch für Waren aus China bezahlen. Ist hier vielleicht Exportstärke gemeint?