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Wie die Fußball-WM in Katar die Staats-Propaganda untergräbt China: Fußball-WM als Problem – Flickenteppich bei Corona-Maßnahmen

China Fußball-WM Corona

Während in China die Corona-Zahlen steigen und neue Lockdowns verhängt werden, sehen viele Millionen Chinesen bei der Fußball-WM in Katar, dass die Zuschauer keine Masken tragen – das untergräbt die Staatspropaganda, wonach Peking viel effektiver sei bei der Bekämpfung von Corona als andere Länder!

Noch vor zwei Wochen weckte der 20-Punkte-Plan Hoffnungen darauf, dass sich auch China endlich auf den Weg der Öffnung begeben wird. Nun steigen die Infektionszahlen auf neue Höhen und in China entsteht ein Flickenteppich an Maßnahmen. Xi Jinping ist derweil aus der Öffentlichkeit verschwunden.

China: Neue Höchststände an Neuinfektionen mit Corona

Am heutigen Freitag berichtete die National Health Commission (NHC) von insgesamt 32.695 Corona-Neuinfektionen. Das ist am zweiten Tag in Folge ein neuer Höchstwert an Neuinfektionen. Der bisherige Höchstwert war am 14.04.2022 mit 29.550 gemeldeten Fällen. Hotspots dieser Welle sind weiterhin Guangzhou mit 7.524 Neuinfektionen nach 8.054 am Vortag. Hier scheint sich ein Plateau zu bilden. Weitere Schwerpunkte sind Beijing sowie Chongqing und Chengdu.

Foxconn: Ärger wegen Löhn, Unterbringung und Versorgung

In der westlichen Öffentlichkeit steht weiterhin die zentralchinesische Stadt Zhengzhou mit der Foxconn-Fabrik im Fokus. Entgegen dem Bild, dass die Arbeiter gegen einen Lockdown aufbegehren, liefern die Videos, die in den sozialen Netzwerken geteilt werden, ein anderes Bild. Die Foxconn-Fabrik befindet sich im sogenannten „Closed Circuit“-Modus. Dies heißt: Die Fabrik arbeitet weiter. Die Arbeiter können die Fabrik nicht verlassen. Allerdings ist dies im Falle von Foxconn kein wirklicher Unterschied zur Normalität in der Fabrik. Das Foxconn-Areal ist praktisch eine Stadt in der Stadt mit 250.000 Arbeitern. Sie leben und Arbeiten auf dem Fabrikgelände in eigenen Dormatorien, deren Zimmer je nach Karrierestufe zwischen zwei und sechs Betten beinhaltet. Ebenfalls finden sich eigene Geschäfte und Supermärkte auf dem Gelände. Die Fabrikarbeiter verlassen also in der Regel nicht das Foxconn-Areal.

Die Unruhen haben sich im Wesentlichen an drei Punkten entzündet. Erstens wurde den neu angeworbenen Arbeitskräften die in Aussicht gestellte Antrittsprämie verwehrt. Als zweites wollten die neuen Arbeiter nicht in den Dormatorien schlafen, in dem vorher schon (vermeintlich) mit Corona Infizierte wohnten. Und als drittes scheint die Versorgung mit Nahrungsmitteln nicht reibungslos zu funktionieren.

Unruhen auch in anderen Teilen Chinas

In den westlichen Medien wurden auch immer wieder Ausschreitungen aus Guangzhou berichtet. Unbeachtet bleibt aber, dass es schon vorher immer wieder zum Aufbegehren in kleineren Städten oder Orten in China kam, die in den westlichen Medien nicht im Fokus stehen. Dabei richten sich die Proteste meist vor allem gegen die Versorgungslage in Folge von Lockdowns. Oder die Menschen machen ihren Ärger Luft, weil wieder Menschen in Folge der Maßnahmen nicht rechtzeitig in den Genuss von medizinischer Versorgung kam. Immer wieder tauchen auch Videos von Suiziden in den sozialen Netzen auf. Öffentliche Suizide sind in China ungewöhnlich.

Geisterstadt Beijing

Beijing selbst gleicht mittlerweile einer Geisterstadt. Die Stadt verzichtet auf flächendeckende Lockdowns. Allerdings werden immer mehr Wohnkomplexe abgeriegelt. Schulen, Behörden, Shopping Malls und andere Einrichtungen sind geschlossen. Die meisten Bueros sind ebenfalls geschlossen und die Mitarbeiter arbeiten von zu Hause. In den letzten Tagen war schon zu beobachten, dass sich die Menschen mit Lebensmitteln eindecken und sich auf Lockdowns vorbereiten.

Von Lockdowns und „Closed Circuit”-Anordnungen sind auch die Nachbarstädte Tianjin, Langfang und Shijiazhuang betroffen. Shijiazhuang war die erste Stadt in China, die nach Verkünden des 20-Punkte-Plans keine Massentests mehr durchführte und auch für das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Testnachweis mehr vorsah. Nachdem es darüber aber öffentliche Entrüstung gab und viele Eltern ihre Kinder nicht mehr zur Schule schickten, wurden wieder kostenfreie Tests eingeführt und in sechs der acht Distrikten sind diese sogar verpflichtend. Zudem wird den Einwohnern „empfohlen“ zu Hause zu bleiben. Die Elfmillionen Stadt verzeichnete gestern 3.197 Neuinfektionen mit Corona.

China: Reisen zwischen den Städten wird wieder schwieriger – Henan führt blauen Health Code ein

Ein Teil des 20-Punkte-Plans, der einen einfacheren Transport zwischen den Provinzen und Städten ermöglichen sollte, wird wieder konterkariert. Henan z.B. führt einen blauen Health Code ein. Reisende, die aus einer anderen Stadt einreisen, dürfen 5 Tage lang weder ein öffentliches Transportmittel benutzen noch Restaurants oder Supermärkt betreten. Shanghai hat am gestrigen Donnerstag eine ähnliche Regelung getroffen. In Shenzhen wurde heute eine „3 Days, 3 Tests, 3 Don’ts”-Regel eingeführt: Drei Tests in drei Tagen und in diesen Tagen ist das Treffen in Gruppen, der Besuch von Restaurants und das Begeben an Orten mit großen Menschenansammlungen verboten.

Flickenteppich China – Beijing schweigt

Damit entwickelt sich in China ein unübersichtlicher Flickenteppich aus unterschiedlichen Regeln. Zu dem schweigt die Zentralregierung und auch die National Health Commission. Xi Jinping ist seit seiner Rückkehr in Selbstisolation und damit nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Damit schweigt er wieder einmal gerade dann, wenn die Corona-Pandemie das Land am festesten im Griff hat. Dies war schon zum Corona-Ausbruch Anfang 2020 der Fall. Nach seiner Rede am Frühlingsfest 2020 war er drei Wochen nicht gesehen oder gehört worden, so dass neben der Unsicherheit, wie schlimm Corona wirklich ist, Gerüchte über einen Putsch auftauchten.

China: Wirtschaftliche Auswirkungen

Die neuen Corona-Ausbrüche lähmen das Land. Nach Berechnungen von Nomura Anfang der Woche waren 20% des Bruttoinlandsproduktes in irgendeiner Form von Lockdowns betroffen. Mittlerweile dürften es eher 25% sein. In der westlichen Aufmerksamkeit liegt der Fokus auf Foxconn, dass für Apple iPhones herstellt. Für China selber dürften die Einschränkungen in Tianjin, Langfang und Chengdu schwerwiegender sein. Denn damit sind drei Schwerpunkte der chinesischen Automobilindustrie betroffen. Noch ist allerdings nicht der Hafen von Tianjin betroffen.

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In Shenzhen und Huizhou steigen ebenfalls die Zahlen. Wenn die Fabriken dort und vor allem der Hafen von Shenzhen, eingeschränkt werden, dürfte dies auch wieder auf die Lieferketten auswirken. Es ist mittlerweile schwer zu durchschauen, inwieweit die anderen Zentren für den Außenhandel, wie Wenzhou, betroffen sind. Eines scheint indes klar zu werden: Die Öffnung Chinas wird wesentlich länger dauern, als erhofft.

China und die Problem-Weltmeisterschaft

Chinas „Zero-Covid“-Politik bekommt auch ein gewaltiges Rechtfertigungsproblem, weil die Chinesen begeisterte Fußballfans sind. Allein der offizielle Weltmeisterschafts-Hashtag auf Weibo erreichte am Donnerstag 600 Millionen User. Und auch die Propaganda versucht die Fußball-WM als „chinesisch“ zu etikettieren – auch wenn die Nationalmannschaft nicht dabei ist.

Denn die China Railway Construction Limited erbaute das Lusail Stadium, wo das Finale stattfinden wird. Nun sitzen die Fans vor den Fernsehern oder Smartphones und sehen eine Fußball-WM, bei der die Zuschauer ohne Masken in den Stadien sitzen. Und auch die Bilder, die sie aus den Städten oder Fanmeilen erreichen, sind die Menschen ohne Masken unterwegs. So fragen sich die Fans, ob die Weltmeisterschaft auf einem anderen Planeten stattfindet.

Für die Chinesen ist es auch deshalb ein solcher Schock, weil die wenigsten von ihnen Bilder vom „normalen Leben“ außerhalb Chinas sehen. Sie sehen die sorgfältig ausgewählten Szenen der Staatsmedien und ihnen wird immer wieder erklärt, wie schrecklich es mit Corona sei, wie viele Tote es gebe und China doch sehr viel besser dastehe. Nun erleben diese Chinesen, dass in der Welt offensichtlich Corona kein Thema mehr ist, während sie selbst nicht wissen, ob sie nicht morgen wieder im Lockdown vorm Fernseher sitzen.

Einige Streamingdienste haben auf diese Situation mit ihrer eigenen Lösung reagiert: Die Zuschauer bei der Fußball-WM werden nur noch verschwommen dargestellt. So kann man die Realität auch ausblenden.



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11 Kommentare

  1. Ja, für Lauterbach wäre China ein Traum – und ein Vorbild.

    1. @ottonorma

      Nicht nur für Lauterbach, auch für Sie – zumindest was Propaganda und Ausblenden der Realität angeht.

  2. Pingback: China: Fußball-WM als Problem – Flickenteppich bei Corona-Maßnahmen – bie-rocket-mobe.instawp.xyz

  3. @ottonorma,es ist nicht nur für Lauterbach ein Traum. Ca. 200 verschiedene Länder hat man konsequent mit
    falschen Ableitungen von irrelevanten Zahlen auf Linie gebracht. Grundrechtseinschränkung und Menschenrechtsverletztungen wurden unter Vortäuschung falscher Tatsachen an den Menschen begangen.Wohlwissend,daß die Mehrheit interlektuell überhaupt nicht in der Lage ist die Realitäten auch nur ansatzweise zu erkennen.Übervorteilung aus niederen Beweggründen nenne ich das. Und juristische Aufarbeitung ?? Die Hetzer,Betrüger und Spalter vor Gericht ?? Wo? NIx .Narda. Alle im Amt. oder in dick in Pension.Bis heute wurden die relevanten Zahlenreihen nicht sauber wissenschaftlich erhoben und dokumentiert.Bis heute konnte man blitzsauber durch SocialMedia diese Fiktion des „TödlichenVirus“ aufrecht erhalten ,bis heute. Alles mit garnicht erst erhobenen Zahlen,das ist ein Treppenwitz und keiner merkt es! Ich hätte es mir bis vor zwei Jahren nicht vorstellen können wie stark Propaganda wirklich ist und wie wenig historische Lernkurve gerade auch in Deutschland vorhanden ist. Meine Entscheidung Deutschland vor Jahren zu verlassen ,weil die faschistische Grundtendenz in den Institutionen seinen Lauf nimmt wurde vollends bestätigt.Ich rede von der Psychologie des nicht wahrhaben Wollens und von dem „ich habe nix gewusst“ Syndrom. Es steckt immernoch tief drin ! Deswegen wird Propaganda auch immer schon als erstes bei den Deutschen angesetzt,weil sie da mit Leichtigkeit wirkt.

  4. P.S. bevor alle wieder Verschwörung schreien !

    Fakt :
    1. Das durchschnittliche Todesalter lag über der natürlichen Lebenserwartung! Obduktionsfrei!“
    2. Der fortlaufende Immunitätsgrad in der Population (erwartbare Erkrankungszahl)– nicht erhoben.
    3. Alle erlassenen Massnahmen wissentlich evidenzfrei erlassen . (Studie zur Weitergabe oder Drittschutz wurde garnicht erhoben,trotzdem G-Regeln)

    Nur damit nicht sofort geschrien wird.

    1. Freiherr Graf von Schwurbelstein

      Spannender brandneuer Vortrag, prallvoll gefüllt mit Beweisen und aktuellsten Erkenntnissen…

      🥱🥱 😴
      (Bitte nicht schreien!)

      1. Sie möchten etwas spannenderes vorgesetzt bekommen?
        Bitte hier entlang:
        https://twitter.com/hashtag/CTCCTCGGCGGGCACGTAG?src=hashtag_click

  5. Und alles hängt am PCR Test mit dem man nachweislich keine Infektionen nachweisen kann. Ohne PCR-Test keine Panikzahlen!!

    1. …. was eine nachweisliche Falschaussage ist…. @ich und Du…

      1. und das „nachweislich“ ist eine reine erfundene Behauptung.
        Ich würde recht geben.
        (frag mich warum hier ständig irgendwelche sich ändernde uns zusammengebastelte Kunstnamen verwendet werden. abgestimmt auf denjeweiligen Text)

    2. Naja, auch die normalen Tests haben eine hohe Fehlerquote. Der Chef der Kassenärzte sagte etwas von mehr als 50% fehlerhafte Ergebnisse.

      Beim PCR – Test ist das Problem eher, dass er für den Einsatz bei Erkrankten gedacht ist und dass es darauf ankommt, ihn sachgemäß einzusetzen.
      Wenn man ihn flächendeckend einsetzt und unsachgemäß, kann man damit eine Infektionsquote von 100% auch in einer pumperlgesunden Bevölkerung erzielen.

      Das Schlimme ist eigentlich, dass es einem größeren Teil der Bevölkerung gibt, denen es genügt, wenn irgendein Gesicht im Fernsehen sagt, dass der Test dafür genau richtig ist und.

      Wenn man sich damit ein wenig beschäftigt, kann man selbst erkennen, dass das offensichtlich Unfug ist. Und wenn man sich dafür nicht genügend geistig gerüstet findet, dann schaut man nach, was echte Fachleute dazu sagen (Menschen mit hohen akademischen Würden aber ohne wirtschaftliche Verstrickungen, die jahrzehntelang damit beruflich zu tun haben).

      Bei dem PCR – Test ging es wahrscheinlich um die Erhebung der Gendaten. Deutschland hatte zu Beginn 2020 in scheinbar anderem Zusammenhang zugestimmt, die für medizinische Zwecke gesammelten Daten weiterzugeben. Das nun plötzlich so viele Daten anfallen, ist natürlich nicht nur ein sehr glücklicher Zufall für die Empfänger der Daten.

      Kann da was Gutes bei rauskommen? Theoretisch ja, aber wenn es schon mit einer Lüge losgeht, bin ich jedenfalls raus.

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