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China hat begonnen, neue globale Märkte systematisch zu besetzen China gegen Deutschland: Der Kampf um die Zukunftsmärkte

China und seine neue globalen Fronten: Wachstumsmärkte

China gegen Deutschland: Der Kampf um die Zukunftsmärkte
Foto: Bloomberg

Deutschland verzögert die E-Wende, China besetzt die Welt. Wie Peking mit Leapfrogging die globalen Zukunftsmärkte erobert und die deutsche Exportnation ins Hintertreffen gerät.

China gegen Deutschland: Der Kampf um die Zukunftsmärkte

China hat begonnen, neue globale Märkte systematisch zu besetzen. Die europäische Wirtschaft stagniert seit Jahren, und in Deutschland hat sich die Schwäche verfestigt. Die einstige Stärke der Nation, die Exportabhängigkeit, wirkt heute wie ein Bremsklotz. Die Autoindustrie, lange Motor des Wohlstands, liefert dafür das Paradebeispiel.

Deutschland China Exports vs Car

Abbildung 1: Deutsche und chinesische Gesamtexporte sowie Auto-Exporte. Quelle: DeStatis

Die zentrale Gefahr: Wenn Deutschland die Umstellung auf die E-Mobilität weiter verzögert, gerät es gegenüber China unwiederbringlich ins Hintertreffen. Während das Zögern das Leiden der Legacy-Hersteller verlängert, verschafft sich China durch konsequentes Leapfrogging und die strategische Besetzung neuer Weltmärkte einen uneinholbaren Vorsprung.

Tatsächlich sinken die Ausfuhren in zentrale Märkte seit 2022. Unternehmen drosseln Investitionen, und Jobs gehen verloren.

Deutschland und sein Auto-Dilemma

Am deutlichsten zeigt sich das in der Automobilbranche. Verbrenner finden immer weniger Käufer, und der Übergang zur Elektromobilität kommt nicht schnell genug voran. Gleichzeitig drängt China mit subventionierten E-Autos auf den Weltmarkt. Das Land produziert günstiger und hat Deutschland als größten Autoexporteur überholt: 2024 gingen rund 5,9 Millionen Fahrzeuge aus China ins Ausland, während Deutschland nur etwa 3,2 Millionen exportierte. Allerdings erzielen Fahrzeuge „Made in Germany“ im Schnitt deutlich höhere Preise. Deshalb fällt der Abstand in Abbildung 2, die die Werte in US-Dollar zeigt, geringer aus. Die Exporte deutscher Hersteller nach China selbst sind in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Ein Markt, der lange als Wachstumsgarant galt, trägt nun zum Rückgang bei.

Die dramatisch sinkenden Ausfuhren von Verbrennern reißen ein tiefes Loch in die Handelsbilanz, das durch die bisherigen Exportmengen von E-Autos und Hybriden nicht annähernd geschlossen werden kann.

Graphs - German Car Exports Powertrain - German China Car Exports

Abbildung 2: Werte der deutschen Auto-Exporte (nach Antriebsart) im Vergleich mit chinesischen Gesamtexporten. Quelle: DeStatis, GACC

Bundeskanzler Friedrich Merz zieht daraus politische Konsequenzen. In seiner Regierungserklärung vom 14. Mai erklärte er, dass die Bundesregierung gelernt habe, Lieferketten zu diversifizieren und einseitige Abhängigkeiten abzubauen. Er betonte, dass man Partnerschaften in der Welt vertiefen und ausbauen müsse, wo Partner von den gleichen Grundsätzen ausgehen. Er nannte als Beispiel Indien, Japan oder Indonesien. Er sprach von der Intensivierung der Beziehungen zu Asien, diesem dynamischen Wirtschaftsraum. Er setzte sich für eine schnelle Ratifizierung des Mercosur-Abkommens ein und im Handelskonflikt mit den USA für die Vermeidung eines länger andauernden Streites.

China: Die strategische Besetzung der deutschen Hoffnungsmärkte

Doch während Berlin auf neue Absatzmärkte hofft, hat China längst begonnen, systematisch eben diese Regionen zu besetzen. Chinesische Elektromarken setzen deutsche Hersteller dort preislich und strategisch unter Druck. Die Entwicklung der chinesischen Autoexporte illustriert diesen Feldzug eindrucksvoll. Bis etwa 2019 waren die Exporte marginal. China produzierte zwar Millionen Fahrzeuge, doch der Fokus lag auf dem Inland. Erst ab 2020 nahmen die Ausfuhren Fahrt auf. Sie wurden getrieben durch sinkende Batteriepreise und Subventionen, die EVs wettbewerbsfähig machten.

Top Destinations for Chinese car Exports China Deutschland

Abbildung 3: Die Top 6 der wichtigsten Zielländer für chinesische Auto-Exporte (Wert). Source: GACC

Der Durchbruch kam 2022, nach der russischen Invasion in der Ukraine. Westliche Hersteller wie Volkswagen, Toyota und Renault zogen sich aus dem sanktionierten Markt zurück. China füllte die Lücke. Im Jahr 2024 beherrschten chinesische OEMs rund 55 Prozent des russischen Automarkts. Die Exporte beliefen sich auf über eine Million Einheiten. Das war ein Siebenfaches zu 2022. Marken wie Chery und Geely dominierten mit günstigen Verbrennern und SUVs. Diese erreichten russische Verbraucher trotz Sanktionen.

Mittlerweile kühlt dieser Boom ab. Die Exporte nach Russland sind 2025 um 59 Prozent eingebrochen. In der ersten Hälfte des Jahres kamen nur 228.000 Einheiten beim nördlichen Nachbarn an. Höhere Zölle, die wirtschaftliche Eintrübung und die Marktsättigung bremsen die weitere Entwicklung. Mittlerweile ist Russland auf den Rang 2 der wichtigsten chinesischer Exportländer zurückgefallen.

Obwohl der Russland-Boom kurzfristig lukrativ war, basierte er auf einer geopolitischen Opportunität. Chinas eigentliche, langfristige Exportstrategie ist jedoch nicht auf Verbrenner, sondern konsequent auf die Elektromobilität ausgerichtet.

Top Destinations for chinese Cars in Units

Abbildung 4: Die Top 10 der wichtigsten Zielländer für chinesische Auto-Exporte (Stückzahlen kulminiert), Jan.-Nov. 2025. Source: CPCA

Systematisches Leapfrogging in die E-Mobilität

China hat seine Autoexporte früh auf vollelektrische Fahrzeuge ausgerichtet. Dafür gab es zwei Gründe. Erstens fehlte es den chinesischen Verbrennern an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Käufer klassischer Antriebe gelten als konservativ und markentreu. Sie greifen lieber auf Hersteller mit langer Tradition zurück. Zweitens bot die Elektromobilität ein neues Feld, auf dem die etablierten Marken ihren Vorsprung nicht ausspielen konnten, da sie selbst an den Verbrennern festhielten. Mittlerweile die Verkehrswende ein wichtiger Baustein in der Self-Reliance-Strategie der Volksrepublik um das Land bis 2060 weitgehend unabhängig von Importen fossiler Brennstoffe zu machen.

China Car export by Power Trains Deutschland China

Abbildung 5: Chinesische Auto-Exporte aufgeschlüsselt nach Antriebsart (Wert). Source: GACC

Hier greift die Diffusionstheorie der Innovationen. Global betrachtet befindet sich die Elektromobilität im Übergang von den Early Adopters zur Early Majority. Käufer in dieser Phase sind technikoffen, probierfreudig und weniger an traditionelle Marken gebunden. Wichtiger sind Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Softwareintegration und Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine traditionsreiche Marke hat in diesem Umfeld weniger Gewicht als das Gefühl, ein zukunftsweisendes Produkt zu erwerben.

Für chinesische Hersteller ergibt sich daraus eine historische Chance, die das Prinzip des Leapfrogging beschreibt. Statt im hart umkämpften Verbrennergeschäft gegen westliche und japanische Produzenten anzutreten, setzt China auf eine neue Technologie und dreht den Spieß um. Mit niedrigen Preisen, moderner Batterietechnik und softwarezentrierten Konzepten gewinnen sie Marktanteile, ohne ein über Jahrzehnte aufgebautes Image oder ein dichtes Händlernetz zu benötigen. Die Wette lautet: Elektromobilität setzt sich langfristig durch. Und derzeit spricht vieles dafür, dass diese Strategie aufgeht.

Die Vorteile des Elektroantriebs liegen auf der Hand. Er ist technisch einfacher konstruiert, verschleißt weniger und schafft zusätzlichen Nutzraum. Die Effizienz im Betrieb ist höher, die laufenden Kosten sind geringer. Zugleich verlieren die Nachteile an Gewicht. Ladezeiten verkürzen sich mit jeder Fahrzeuggeneration. Die Anschaffungskosten gleichen sich zunehmend an. In China liegen Elektroautos in vielen Segmenten bereits auf dem Preisniveau von Verbrennern.
Preisaufschlag für batterieelektrische Fahrzeuge gegenüber Verbrennungsfahrzeugen, 2024

China Deutschland Battier ie Autos

Abbildung 6: Preisaufschlag für batterieelektrische Fahrzeuge gegenüberVerbrennungsfahrzeugen, 2024; Quelle: Bloomberg via The German Autopreneur

Zum anderen drängt der harte Wettbewerb im Heimatmarkt sowie die Überkapazität in den Fabriken auf eine Expansion ins Ausland. Unterstützung erhält die Branche dabei durch eine breite Förderung entlang der gesamten Lieferkette. Der Staat greift sowohl in die Entwicklung als auch in die Bereitstellung günstiger Flächen für Fabriken ein. Er investiert in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung und senkt über Zuschüsse für Arbeitskräfte zusätzlich die Kosten. Auf diese Weise entsteht ein Preisvorteil, den westliche oder koreanische Hersteller nicht ausgleichen.

China und seine neue globalen Fronten: Wachstumsmärkte

Europa bleibt nach wie vor der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für chinesische Autohersteller. Gleichzeitig haben die EU und die Türkei den Zugang für importierte Elektroautos deutlich erschwert. In der Folge richten die Hersteller ihre Exporte vor allem auf Hybridfahrzeuge, um bestehende Barrieren zu umgehen. Der US-Markt ist für chinesische Elektroautos praktisch unerreichbar. Vor diesem Hintergrund verlagern sich die Aktivitäten auf Märkte, in denen weniger regulatorische Hindernisse bestehen und eine schnelle Marktpräsenz möglich ist. Brasilien, Mexiko und Südostasien werden so zu strategischen Wachstumsregionen.

Brasilien, Mexiko und die Schwellenländer Südostasiens gelten als strategische Zukunftsmärkte. Der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen ist dort noch niedrig, doch die Präsenz chinesischer Marken ist bereits hoch. In Brasilien stammten 2024 fast neun von zehn verkauften Elektrofahrzeugen aus China. In Mexiko wuchs der Markt um mehr als das Dreifache, und in Thailand liegt der Marktanteil chinesischer Anbieter bei über achtzig Prozent. In Malaysia machten die chinesischen Verkäufe im ersten Halbjahr etwa die Hälfte der Verkaeufe elektrischer Autos aus. In Vietnam waren es im selben Zeitraum 60 Prozent.

Auch wenn der relative Anteil von Elektroautos in allen Ländern noch relativ bescheiden ist, stellt sich eine Gemeinsamkeit heraus: Überall, wo chinesische Anbieter den Markt überschwemmen, üben sie schon jetzt einen Preisdruck auf die traditionellen Hersteller aus.

Dieser Gegenwind, den chinesische EVs entgegenschlaget, ist deutlich in der Exportstatistik zu sehen. Ob Indonesien, die zum Jahresende die Zollausnahmen auslaufen lässt, Malaysia, das lokale Produktionen unterstützt, Brasilien Brasilien hebt die Zölle auf importierte Elektrofahrzeuge schrittweise an und will sie bis 2026 auf 35 Prozent steigern. Mexiko beendet auf Druck der USA Subventionen und bereitet Tarife von bis zu 50 Prozent vor.

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Abbildung 7: Entwicklung der chinesischen Auto-Exporte in ausgewählten Wachstumsmärkten. Quelle: GACC

Die Schutzmaßnahmen führen nicht zu einem Rückzug chinesischer Hersteller, sondern zu einer Verlagerung ihrer Strategie. BYD baut Werke in Brasilien und Mexiko, Great Wall errichtet Fabriken in Südostasien, und selbst Hersteller von E-Zweirädern sichern sich Fertigungskapazitäten. Handelshemmnisse beschleunigen damit den Schritt von reinen Exporten zu lokaler Produktion. Diese Entwicklung hat unmittelbare Konsequenzen für die gesamte deutsche Wertschöpfungskette.

Die gefährliche Illusion Technologieoffenheit

Selbst Technologieführer wie Bosch, dessen Geschäftsmodell noch stark von der Verbrennertechnologie abhängt, sehen sich gezwungen, Investitionen im Inland zu kürzen und Tausende von Stellen abzubauen. Die Krise der etablierten Hersteller ist längst eine Krise der Zulieferer geworden, deren traditionelle Domäne durch das chinesische Leapfrogging ausgehöhlt wird.

Diese strategische Lähmung findet ihren polemischen Höhepunkt in den Aussagen des Bosch-Mobilitätschefs Markus Heyn. Während Heyn die „unklaren Rahmenbedingungen“ der Politik für einen notwendigen Stellenabbau verantwortlich macht, fordert Bosch zugleich „Technologieoffenheit“ – also das politische Festhalten am Verbrennungsmotor. Dies ist keine rationale Unternehmensstrategie, sondern eine kapitale Fehleinschätzung: Die Unternehmen beklagen die Unsicherheit, während sie aktiv daran arbeiten, genau jene technologische Unsicherheit zu verlängern, die den Standort Deutschland uninvestierbar macht. Der Wunsch nach Technologieoffenheit ist in diesem Kontext nichts anderes als ein verzweifelter Versuch, das Leiden der Verbrenner-Ära zu verlängern und damit den chinesischen Wettbewerbern, die längst mit klarem Kurs auf E-Mobilität setzen, noch mehr Zeit zum Besetzen der Weltmärkte zu schenken.

Die Daten zeigen, wie China durch Leapfrogging die alten Regeln des Automobilgeschäfts umgeht und sich in genau jenen dynamischen Regionen, wie Lateinamerika und Südostasien festsetzt, die Deutschland als zukünftige Rettungsanker ins Auge fasst.
Die Strategie Chinas ist aufgegangen: Doch während die Bundesregierung die Diversifizierung ihrer Lieferketten noch als langfristige strategische Aufgabe formuliert, hat China längst begonnen, systematisch eben diese Regionen zu besetzen. Chinesische Elektromarken setzen den etablierten deutsche Hersteller dort preislich und strategisch unter Druck. Die Entwicklung der chinesischen Autoexporte illustriert diesen Feldzug eindrucksvoll.

Anmerkung zur Methodik und Datenbasis
Der Artikel basiert auf Analysen von Primärdaten der nationalen Statistikbehörden (DeStatis, General Administration of Customs China GACC, China Passenger Car Association CPCA) sowie von Sekundärquellen (International Energy Agency IEA).
Datenstandardisierung: Sofern nicht anders in der jeweiligen Abbildung vermerkt, basieren alle Exportwerte in den Grafiken auf dem 12-Monats-Durchschnitt in US-Dollar (USD). Diese Berechnungsweise dient der Glättung saisonaler Schwankungen und ermöglicht eine internationale Vergleichbarkeit von Handelsbilanzen.
Inkonsistenz der Metriken: Die Diskrepanz zwischen quantitativen Aussagen im Fließtext (basierend auf Stückzahlen) und den grafischen Darstellungen (basierend auf Wert/USD) erklärt sich durch die unterschiedlichen Berichtsweisen der nationalen Statistikbehörden (DeStatis vs. GACC). Der Autor ist sich bewusst, dass diese Inkonsistenz zu Interpretationsunterschieden führen kann, hält die Kombination der Metriken jedoch für notwendig, um die Dynamik des chinesischen Exportwachstums sowohl in Volumen als auch in Wert adäquat darzustellen.
Die im Text genannten Prognosen und Entwicklungen reflektieren die Analyse des Autors auf Basis der zum Veröffentlichungszeitpunkt verfügbaren Daten. Exaktheit und Vollständigkeit der Daten können aufgrund nationaler Erfassungsmethoden nicht garantiert werden.



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4 Kommentare

  1. Der 47. US-Präsident Donald John Trump, einerseits ein kompetenter Energiepolitiker mit seiner energiepolitischen Agenda „Make Oil great again!“, schafft zur Zeit mit potentiellen Ölkriegen im Iran und in Venezuela zwei Konfliktherde. Staatspräsident Nicolas Maduro kann diesbezüglich auf die Unterstützung von Staatspräsident Dr. Wladimir Putin und Staatspräsident Xi Jinping zählen. Das genannte geopolitische Engagement Chinas und Russlands wird somit auch deren internationale Absatzmärkte stimulieren. Bundeskanzler Friedrich Merz in Kooperation mit Religionsführer Ajatollah Khamenei und Staatspräsident Maduro? Undenkbar. MdB Markus Frohnmaier von der AfD und Dr. Michael Lüders vom BSW werden dies hingegen anders sehen.

    1. Grenzenlose Freunschaft

      @Holger Voss

      Klar, dass der Iran der feuchte Traum der AfD und ihrer blau-braunen Anhänger ist: Die Führer reißen sich alles unter den Nagel und das Volk verarmt. Das will die AfD auch für Deutschland.

      Ach ja: Wie hilft China Maduro? China verlangt weitere Abschläge für das venezolanische Öl. Und Russland? Ach, deren Schiffe machen vor den USA die Biege und hauen wieder ab! Gut, wenn man solche „Verbündete“ hat!

  2. Nach der Logik, hätte man das Pferd verbieten müssen, als man den Verbrennermotor erfunden hatte.
    Die derzeitige Schwäche der deutschen Automobilhersteller resultiert aus dem Zwang, auf E-Autos zu gehen, ohne dies zu gut genug zu können und ohne dass die Kunden das wollen. Auch die jahrelange Überregulierung der Verbrenner bis hin zum Design trägt ihren Teil bei, behindert allerdings teilweise auch die E-Auto-Fertigung.

    Die Schwäche der Zulieferer beruht zum Großteil darauf, dass die Hersteller auf billigste Zuliefere umstellen. Und da setzt auch China weiter auf Verbrenner.

    Da nach heutigem Stand der Dinge, das E-Auto eine Ergänzung und kein Ersatz ist, deute ich das Chinesische Vorgehen als Strategie zur Zerstörung der Hersteller in der EU, um später auch in der Verbrennertechnologie dominieren zu können.

    1. Zukunft statt Vergangenheit

      @Felix

      Der Pferdevergleich ist hübsch, aber er führt exakt in die falsche Richtung. Kaiser Wilhelm II. war ebenfalls überzeugt, das Automobil werde sich nie durchsetzen. Pferde seien schließlich bewährt, ausgereift und vom Kunden akzeptiert. Geschichte ist in solchen Fragen leider wenig gnädig.

      Was du beschreibst, widerspricht dem Artikel nicht, sondern bestätigt ihn. China besetzt strategisch die Zukunftsmärkte, während in Deutschland noch darüber diskutiert wird, ob man den Übergang überhaupt will. Dass die deutschen Hersteller unter Druck stehen, liegt nicht am politischen Zwang zum E-Auto, sondern daran, dass man den Technologiewechsel zu lange vertagt hat. Andere haben diese Zeit genutzt, um Batterien, Plattformen und Software zu skalieren. Das Ergebnis sieht man heute in den Exportzahlen.

      Die Behauptung, die Kunden wollten keine E-Autos, funktioniert nur aus einer sehr deutschen Perspektive. In China, Norwegen, Brasilien oder Südostasien werden sie gekauft, sobald Preis, Produkt und Infrastruktur stimmen. Genau dort verlieren deutsche Hersteller Marktanteile. Nicht wegen Regulierung, sondern weil die Produkte nicht mehr konkurrenzfähig sind.

      Auch die These, China setze weiter auf Verbrenner, greift zu kurz. China exportiert aktuell noch ICE-Fahrzeuge, opportunistisch nach Russland oder in Übergangsmärkte. Vor allem exportiert China das, was man im eigenen Markt nicht mehr verkaufen kann. Auslaufmodelle. Der strategische Fokus liegt klar auf Batterien, Software und Elektroplattformen. Das sieht man auch daran, dass immer weniger neue Verbrennermodelle erscheinen, während sich die Modellwechsel bei E-Autos beschleunigen.

      Die Idee, China wolle erst europäische Hersteller zerstören, um später auch im Verbrenner zu dominieren, verkennt den Kern der Strategie. China will den Verbrenner nicht dominieren, sondern hinter sich lassen. Elektromobilität ist dort kein ideologisches Projekt, sondern Industriepolitik mit einem klaren Ziel: die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren und Wertschöpfung im eigenen Land zu sichern.

      Wer heute noch darauf setzt, dass das E-Auto nur eine Ergänzung bleibt, liefert China keinen Widerstand. Er schenkt Zeit. Und Zeit ist genau das, was man sich in einem Leapfrogging-Prozess nicht leisten kann.

      Das Pferd wurde nicht verboten. Es wurde überholt. Die eigentliche Frage ist nur, ob man diesmal wieder danebenstehen und erklären will, warum das neue Gefährt sich angeblich nie durchsetzen wird.

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