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China goes Griechenland: Einführung von Kapitalkontrollen oder massive Yuan-Abwertung

FMW-Redaktion

China hat nur zwei Möglichkeiten: entweder noch heftigere Kapitalkontrollen einzuführen, ähnlich wie in Griechenland, oder radikal seine Währung abzuwerten. Das sagt die Societe Generale in einer neue Studie. Der Grund: die Währungsreserven würden nicht ausreichen, um den Yuan zu stützen.

Die SocGen begründet das so: würden 65 Millionen Chinesen (das entspricht 5% der Bevölkerung) jedes Jahr 50.000 Dollar außer Landes bringen (also die derzeit erlaubte Obergrenze), entspräche das einem Geldvolumen von 3,3 Billionen Dollar. China aber bräuchte, so der Chefanalyst für asiatische Währungen bei der SocGen, Jason Daw, mindestens 2,8 Billionen Dollar, um den Yuan stabil zu halten – und bezieht sich dabei auf Berechnungsgrundlagen des IWF.

Und das bedeute: obwohl China das größte Volumen weltweit an Währungsreserven habe, dürfte eben diese Reserven bald zur Neide gehen, wenn China gegen die massive Kapitalflucht nichts unternimmt. China habe daher nur zwei Möglichkeiten: entweder strengere Kapitalkontrollen (etwa, als „Light-Version“, eine Herabsetzung der maximal aus dem Land bringbaren Geldsumme), oder eben eine schnellere Abwertung des Yuan.

Was also tun? China steht vor einem klassischen Dilemma, das der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell als „unmögliche Trinität“ (“impossible trinity”) bezeichnet hat: ein Land könne nicht, so Mundell, eine von der Regierung unabhängige Geldpolitik betreiben, und gleichzeitig fixe Wechelskurse (Bindung an den Dollar, oder zuletzt einen Währungskorb) haben, wenn es keine strengen Kapitalkontrollen gebe.

Die SocGen geht aufgrund diese Widerspruchs davon aus, dass – sollte Peking keine strengeren Kapitalkontrollen einführen – der Yuan um weitere 12% abwerten werde, wenn die Kapitalflucht in bisherigem Tempo anhalte. Alleine im vierten Quartal, so die Schätzung der französischen Großbank, hätten 657 Milliarden Dollar das Land verlassen (u.a. durch Immobilienkäufe in den USA, Kanada, Australien etc.). Die SocGen empfiehlt daher ihren Kunden, sich von chinesischen Assets fern zu halten – und gleichzeitig die Währungen Taiwans und Südkoreas zu shorten, weil China für diese Länder der größte Exportmarkt ist.

Auffällig ist, dass Chinas Medien derzeit mantrartig wiederholen, dass der Yuan stabil bleibe, weil der Zustand der Wirtschaft robust sei etc. etc. Offenkundig dämmert den Machthabern, dass sie in Kürze zwischen den zwei von SocGen aufgezeigten Alternativen entscheiden müssen – und versuchen die Bevölkerung in der Zwischenzeit durch Propaganda zu beruhigen..



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2 Kommentare

  1. Avatar
    Zweite Seite der Medallie

    Japan (unwidersprochen von der anwesenden IWF-Chefin) hatte diese Kapitalkontrollen China schon empfohlen. (http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/china-und-das-freie-finanzsystem-zeitenwende-fuer-die-globale-hochfinanz/12886992.html)

    Die restliche Welt hat sicher weit mehr Angst vor einer Abwertung als China selbst.
    China ist schon jetzt ein Exportgigant und was geschieht, wenn China seine Überkapazitäten exportiert, kann man wunderbar auf dem Stahlmarkt (vor allem in GB) beobachten.

    Die restliche Welt sollte darauf hoffen, das China nicht zu der Einsicht gelangt, dass eine Abwertung die Option der Wahl wird. Sonst dürfte das Mantra des freien Marktes rund um die Welt sehr schnell ins Gegenteil umschlagen.

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