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China: Harte Kritik an USA – „schüren Panik“

China hat heute morgen die USA scharf kritisiert: statt zu helfen, würde die US-Administration „Panik schüren“, so heute das chinesische Aussenministerium. Man hoffe, dass alle Länder zu einer überlegten und wissenschaftlich fundierten Einschätzung der Lage gelangen werden.

Bekanntlich hatte die US-Administration in der letzten Woche die höchste Warnstufe für Reisen nach China verhängt („Do not travel to China due to the novel coronavirus first identified in Wuhan, China“), zahlreiche US-Fluglinien haben ihre Flüge nach China komplett eingestellt (die Fluglinie US Delta sogar bis Ende April). Andere Länder haben inzwischen alle Verkehrsverbindungen nach China wegen der Epidemie komplett gekappt. Pekings Aussenministerium dagegen bezeichnete es heute als „unvernünftig“, Menschen vom Überqueren einer Grenze abzuhalten.

Die Aussagen Pekings erscheinen wenig stringent: sie passen schlicht nicht zu den von der Pekinger Regierung selbst getroffenen, drastischen Maßnahmen: so etwa die Abschottung von Millionen-Städten im Reich der Mitte sowie die Verlängerung der Neujahrsferien mit dem damit verbundenen Produktionsausfall. Vor wenigen Minuten hat zudem die Peking-hörige Regierung in Hongkong bekannt gegeben, zehn von 13 Checkpoints zu China zu schließen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

So oder so: der Ausbruch der Epidemie trifft die Wirtschaft in China zu einem ungünstigen Zeitpunkt: die Profite der chinesischen Industrie fielen, wie heute bekannt gegeben wurde, um -6,6% zum Vorjahresmonat.

Trotz der massiven Intervention durch Chinas Notenbank (Senkung von Repo-Sätzen, Liquiditätszufuhr für den Banken-Sektor) fielen die chinsischen Aktienindizes zwischen -6,9% (Chinext) und -8,5% (Shenzhen Composite). Die People´s Bank of China bezeichnete den Abverkauf als Zeichen eines unbegründeten Herden-Effekts: die Wirtschaft Chinas sei nach wie vor widerstandsfähig, das Cornavirus werde die langfristig guten Aussichten für die Wirtschaft in China nur kurz eintrüben. Trotz der Beruhigungsversuche der Notenbank fielen die Renditen der 10-jährigen chinesischen Staatsanleihe auf den tiefsten Stand seit drei Jahren als Ausdruck der Flucht in die vermeintlich sicheren Häfen. Der Dollar stiegt unterdessen zum chinesischen Yuan wieder über die symbolisch wichtige Marke von 7.

Zwar hat Peking einigen System-relevanten Firmen erlaubt, die Produktion wieder aufzunehmen – wie aber eine vollständige Rückkehr der Produktion in den vom Coronavirus betroffenen Gebieten erfolgen soll, wenn die Zahlen der Infizierten weiter steigen und die Inkubationszeit des Virus zehn bis 14 Tage ist, bleibt völlig ungeklärt. Wenn Peking eine weitere Ausbreitung der Pandemie verhindern will, muß der Stillstand weiter verlängert werden.

Die Kritik Pekings an den USA ist also in der Summe wenig nachvollziehbar – und könnte die erst kürzliche Deeskalation zwischen den USA und China wieder gefährden!

China mit scharfer Kritik an den USA - das Ende der Deeskalation?



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3 Kommentare

  1. Grundsätzlich sollte die Einschätzung der Regierung ja stimmen, dass das Virus nur vorübergehende Folgen für die Wirtschaft hat, denn die ausfallende Produktion könnte man zu einem gewissen Teil nachholen und strukturell hätte sich nichts geändert.
    Aber die große Unbekannte ist hier aus meiner Sicht das chinesische Kreditsystem. Alle wissen, dass chinesische Unternehmen über beide Ohren verschuldet sind. Und auch Verbraucher haben ihre Verschuldung in den letzten Jahren deutlich gesteigert. Meine chinesischen Freunde erzählen mir von vielen betrügerischen Verbraucherkrediten, die im Umlauf sind.
    Das heißt das Risiko besteht, dass der temporäre Einbruch, der durch das Virus unvermeidlich ist, zu einer Kaskade von Kreditausfällen führen könnte. Und dann wäre der Effekt auch strukturell und die Folgen für die Kapitalmärkte sicherlich auch mittelfristig erheblich.

  2. Schluss jetzt mit Panik, Sorgen, Pessimismus! Es ist langsam an der Zeit, die Entwicklung eines Impfstoffes börsen- und länderübergreifend mit +30% einzupreisen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann in der Zukunft erfolgen wird. Dann prügeln die Chinesen ein paar hundert Millionen unbezahlte Arbeitskräfte in und durch die Wirtschaft, um die kleinen temporären Verluste wieder wett zu machen. Wer Krankenhäuser in 8 Tagen aus dem Boden stampft, beult kleine Wirtschaftsdellen auch in einer Woche wieder aus. Und abschließend preisen die Börsen fröhlich und voller Optimusmus ob der Innovations- und Leistungsfähigkeit von Wirtschaft und Wissenschaft nochmal +50% für eine strahlende Zukunft ein, bevor der finale Sprung auf +150% wegen Trumps Wiederwahl erfolgt.

  3. Wer in guten normalen Zeiten die Börsenkurse auf Höchststände trimmt u. Zombifirmen am Leben erhält ,muss sich nicht wundern wenn der Schwarze Schwan ,der immer unverhofft kommt, Alles ins Wanken bringt. Der Spruch „DER FLÜGELSCHLAG EINES SCHMETTERLINGS ………“ könnte sich wieder einmal bewahrheiten.
    Gemäss Franklin Templeton gibt es fundamentale Unterschiede zu SARS vor 17 Jahren, weil damals die Börsenkurse fast am Tiefpunkt waren u.China damals eine viel kleinere Rolle in der Weltwirtschaft spielte.
    Die Notenbanken können den Abschwung nur bremsen, d.h.den Ballon langsam platzen lassen , oder die Lawine stückweise herunterlassen.Beides ist noch nie gelungen.

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