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China: Industrie mit 14. Monat in Folge in Kontraktion – Auswirkungen bis nach Europa

FMW-Redaktion

Der Caixin Produzenten Manager-Index für China, der allgemein als wichtiger angesehen wird als der offizielle PMI, wurde heute mit einem Wert von 49,4 für April vermeldet. Nach 49,7 im März verweilt der Index damit den 14. Monat in Folge unter der 50er-Marke. Das mag auf den ersten Blick nicht bedeutend klingen, aber alles unter der 50 bedeutet Kontraktion, also eine Schrumpfung der Wirtschaft.

Schlimm ist nicht die Tatsache, dass der Index mal unter 50 fällt, sondern wie gesagt dass der Wert seit mehr als einem Jahr in der Kontraktion verweilt. Das deutet auf eine langfristige Schwäche des produzierenden Gewerbes hin. Caixin schreibt hierzu auch, dass die Nachfrage schwach bleibt und dass vor allem neue Industrieaufträge stagnieren – diese waren in den letzten Monaten wenigstens noch leicht gestiegen. Laut Caixin liegt in der chinesischen Industrie momentan das Volumen der Entlassungen fast auf einem Rekordniveau seit der Finanzkrise 2008. Auch bleibe die Auslandsnachfrage nach chinesischen Industriegütern nach wie vor schwach.

Welche Rückschlüsse darf man daraus ziehen? In den letzten Tagen vermehrt aufgekommene Stimmen, dass die Nachfrage der Chinesen gerade nach Öl aus den Golfstaaten so gut ansteige, ist wohl kaum ein Zeichen einer Wirtschaftsbelebung in China. Wie wir schon berichteten, schraubt China als Staat gerade in den ersten Monaten in 2016 seine „strategische Ölreserve“ massiv hoch. Man hat wohl Angst vor zu schnell steigenden Ölpreisen, und deckt sich jetzt noch zu „relativ niedrigen Preisen“ ein. Auch der Anstieg bei sonstigen Rohstoffen, die für Chinas Industrie wichtig sind, dürfte eher mit Shorteindeckungen und Spekulation zu tun haben – die Chinesen jedenfalls dürften derzeit kaum als große Aufkäufer antreten. Also eher Spekulation in den Futures als real gestiegene Nachrage?

Auch scheint der massive Abbau von Stellen und Produktionsvolumen in der Stahlbranche so langsam voll in China einzuschlagen. Man hatte trotz drastischem Konjunktureinbruch noch bis Mitte letzten Jahres viel zu viel Stahl produziert und Kapazitäten aufgebaut – diese muss man jetzt abbauen, was sogar offiziell beim letzten großen Volkskongress verkündet wurde. Da war zwar „nur“ die Rede von 1,3 Millionen Entlassungen in der Stahlbranche, aber es dürfte getrost eine vielfach höhere Zahl sein – als negativer Nebeneffekt für Europa bedeutet das seit Monaten: Die Chinesen versuchen ihre Halde an überflüssigem Stahl bei uns loszuwerden, und zwar unter Herstellungspreis, was vor Kurzem erst britische Stahlwerke vom Markt gefegt hat.

Vor drei Wochen erst demonstrierten in merkwürdiger Eintracht deutsche Stahlarbeiter und Arbeitgeber gegen die chinesischen Dumpingpreise. ThyssenKrupp wird sein Stahlgeschäft womöglich mit Salzgitter, Tata oder ArcelorMittal zusammenlegen, um weiter gegen die Chinesen bestehen zu können – die EU-Kommission schläft immer noch was mögliche Importsubventionen gegen China angeht.



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