Sowohl der offizielle als auch der private Einkaufsmanagerindex verfehlen im Juli die Erwartungen: Fallende Aufträge und eine schwache Binnenwirtschaft belasten die Produktion in China.
China: Industrie schrumpft – erstmals seit 2022
Im Juli hat sich das Umfeld für Chinas Industrie spürbar verschlechtert und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Sowohl der staatliche Einkaufsmanagerindex als auch der private S&P RatingDog PMI zeigten nach unten. Während der offizielle Einkaufsmanagerindex damit wieder ein Schrumpfen signalisiert, hält sich der private Index weiterhin oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten.
Offizieller Einkaufsmanagerindex fällt unter Wachstumsschwelle: Schwächster Wert seit Monaten
Der offizielle PMI, der von der Statistikbehörde schon am vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, rutschte auf den niedrigsten Wert seit Februar und notierte mit 49,2 im kontrahierenden Bereich. Es ist das erste Mal seit Februar, dass der Index die Expansionsschwelle von 50 unterschreitet. Gleichzeitig rutschte auch der offizielle Einkaufsmanagerindex unter die Marke von 50, was den schwächsten Wert seit 43 Monaten bzw. seit der Pandemie. Zum ersten Mal seit der Pandemie 2022 befinden sich damit beide Indizes gleichzeitig im kontrahierenden Bereich.
Alle fünf Kern-Subindizes lagen unterhalb der Expansionsschwelle und bilden so eine flächendeckende Abschwächung der Wirtschaft. Am stärksten fällt der Neuauftragsindex (-2,7 Pp auf 48,5), am wenigsten der Rohmateriallager-Index (-0,1 Pp auf 48,3). Der für China besonders wichtige Export-Bereich schwächte sich nach seiner Expansion im Juni auf 49,6 ab.
Gefallen ist auch der private PMI von S&P und RatingDog, der mit 50,9 zum achten Mal in Folge im expandierenden Bereich bleibt. Dies ist seit dem Zeitraum vom November 2023 bis Juni 2024 die längste laufende Messreihe mit positiven Zahlen. Und zum zweiten Male in Folge liegen alle 5 Kernkomponenten im Bereich über 50. Trotz dieser positiven Ausgangslage verlangsamte sich das Tempo deutlich, was sowohl neue Aufträge als auch den Auftragsbestand angeht. Dies ist insofern ungewöhnlich, als dass saisonal bedingt der Auftragsbestand im Juli noch einmal signifikant steigen sollte. Hier zeigen sich trotz der positiven Vorzeichen die Vorzieheffekte durch die Aufhebung De-minimis-Regelungen in der EU und den USA, sowie durch die neuen Zölle, die US-Präsident Donald Trump Ende Juli einführte, aber sich schon abgezeichnet hatten. Zudem signalisieren die seit letzten November erstmals sinkenden Einkaufsvolumina eine sich weiter fortsetzende abbremsende Geschäftsentwicklung, die durch fallende Output-Preise noch verstärkt wird. Dennoch gehen die Einkäufer im privaten Unternehmen von einem sich verbesserten Umfeld in den nächsten 12 Monaten aus.
Mehr Zeitarbeit statt Festanstellung: Sommereffekt kaschiert Stellenabbau
Beiden Indizies ist gemein, dass sie von steigenden Beschäftigungszahlen in China berichten. Allerdings wird die Arbeiterschaft nicht mit neuen, festangestellten Mitarbeitern, sondern von Zeitarbeitern ergänzt. Dies ist in der Sommersaison nichts Ungewöhnliches, denn die Auftragsspitzen fallen in die Ferien der Schüler und Studenten, und auch Absolventen überbrücken so die Wartezeit auf ihre weiterführende Ausbildung mit einer zeitweiligen Erwerbstätigkeit.
Sichtbar wird der vollständige Umfang der Juli-Schwäche erst, wenn der Non-Manufacturing PMI hinzugezogen wird. Er fiel auf 49,0 Prozent, das tiefste Niveau seit der Corona-Krise von 2022, und liegt damit zum ersten Mal seit längerem gemeinsam mit dem Manufacturing PMI unter der Wachstumsschwelle. Dies unterstreicht die sich weiter verstetigende Abschwächung der Binnenwirtschaft. Das Baugewerbe (47,0 Punkte, niedrigster Stand seit der Pandemie 2020), der Immobiliensektor und der Kapitalmarkt notieren deutlich unter 50, was zum einem zeigt, dass die Immobilienkrise weiter fortbesteht und zum anderen, dass der Konsum weiterhin nicht anzieht. Auch der Subindex für Importe fiel im Juli, was darauf schließen lässt, dass sich die Einfuhren im letzten Monat abgeschwächt haben.
Beide PMIs zeigen, dass die Preisspirale, getrieben vom US-Iran-Krieg der vergangenen Monate, unterbrochen wurde. Neben den fallenden Verkaufspreisen berichten alle Unternehmen, ob staatlich oder privat, klein oder groß, von fallenden Input-Kosten. Dies wirkt sowohl im Inland als auch bei den Importeuren der betreffenden Länder für eine Entspannung bei der Inflation. Wobei innerhalb von China die Kosten nicht an die Verbraucher weitergegeben wurden. Hier fällt eher der Druck auf die Unternehmen, die im Inland tätig sind.
Der staatliche PMI offenbart zudem, dass sich die Zweiteilung der chinesischen Wirtschaft vertieft. Denn die Investitionen für die Ausstattungen der Fabriken und für den High-Tech-Bereich liegen beide deutlich über der Marke von 50. Die vom Staat strategisch priorisierten Sektoren halten sich stabil über der Wachstumsschwelle, während der Gesamtindex unter sie fällt. Und trotz dieser Steigerung hat dies wenig Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Lage.
Wirtschaftsdaten enttäuschen Analysten: Politbüro kündigt Maßnahmen an
Insgesamt waren die Juli-Daten „viel schwächer als erwartet“. Die ING-Bank erwartet, dass die makroökonomische Verlangsamung in der zweiten Jahreshälfte sich fortsetzen wird. Die Politbüro-Sitzung vom 30. Juli sprach davon, dass „großes Gewicht (…) auf die Schwierigkeiten und Herausforderungen in der wirtschaftlichen Entwicklung gelegt werden (muss)“ und versprach, die Fiskalausgaben des Landes zu beschleunigen. Zudem sollen die Investitionen wieder intensiviert werden.
Konkret wird das bedeuten, dass noch mehr Brücken, Straßen, Zugstrecken und Kohlekraftwerke gebaut werden, die das Land nicht mehr braucht. Das Drehbuch aus Peking ändert sich nicht, auch wenn die Investitionen immer weniger zum Wirtschaftswachstum beitragen.
Neben der Binnenwirtschaft kühlt sich auch die Exportwirtschaft etwas ab. Das ist im Juli eine schlechte Nachricht. Denn traditionell ist der Sommer die Hochsaison und erst im Oktober schwächen sich die Exporte bis kurz vor dem Neujahrsfest ab. Dies ist die eigentlich schlechte Nachricht aus dem Einkaufsmanagerindex.
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