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Tal durchschritten? China: Industrie schrumpft, Privatwirtschaft zieht an

Erholung zeichnet sich ab

China Industrie schwächelt
Foto: Natanaelginting - Freepik.com

Die Industrie in China schwächelt weiter, doch private Firmen melden Wachstum. Neue PMI-Daten zeigen Stabilisierung bei Staatsbetrieben und Aufschwung im Privatsektor.


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China: Industrie schrumpft, Privatwirtschaft zieht an

Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) der Nationalen Statistikbehörde Chinas (NBS) ist im September auf 49,8 Punkte gestiegen. Das bedeutet ein Plus von 0,4 Punkten gegenüber August, liegt aber weiter unter der Schwelle von 50 Punkten, die Expansion von Schrumpfung trennt. Der NBS-PMI basiert auf einer Befragung von 3.200 Unternehmen aus 31 Branchen und zeigt damit eine leichte Abmilderung der Kontraktion in der chinesischen Industrie.

Ganz anders das Bild beim RatingDoc-PMI, ehemals Caixin-PMI. Dieser Index, der rund 400 kleine und mittelgroße Firmen abbildet, stieg im September auf 51,2 Punkte nach 50,5 im August. Damit notiert er zum zweiten Mal in Folge über der Marke von 50, die den Unterschied zwischen Schrumpfung und Expansion ausmacht. Es ist der kräftigste Anstieg seit November 2024. Während der NBS-PMI auf Schwäche in der klassischen Industrie verweist, signalisiert der RatingDoc-PMI eine Erholung im privaten Sektor

China: Erholung zeichnet sich ab

Beim Produktionsindex legte der NBS auf 51,9 Punkte zu, ein Plus von 1,1 Punkten. Damit liegt dieser Teilindikator erstmals seit Monaten wieder im Expansionsbereich. Der Anstieg deutet auf mehr Aktivität in großen Fabriken hin, gestützt durch interne Effizienzmaßnahmen und eine gewisse Nachfrageerholung. Der RatingDoc-Output-Index zeigt eine noch stärkere Bewegung: Die Steigerung ist die höchste seit drei Monaten und wird direkt mit höheren Auftragseingängen begründet. Beide Indizes verweisen damit auf eine Erholung in der Fertigung, doch die Geschwindigkeit fällt bei den kleineren Firmen stärker aus.

Beim NBS legte der Index für neue Aufträge leicht auf 49,7 Punkte zu, blieb aber unter 50. Das weist auf eine schrittweise Besserung der Inlandsnachfrage hin, ohne klare Expansion. Unsicherheit durch schwachen Konsum und geopolitische Spannungen bremst. Der RatingDoc-PMI meldet dagegen den stärksten Auftragseingang seit Februar. Neue Produkte und Marketinginitiativen wirkten als Treiber. Damit signalisiert der private Sektor eine klare Ausweitung der Nachfrage.

Der Export ist für Chinas Fertigung entscheidend. Hier zeigt sich die Kluft besonders deutlich. Der NBS-Index für neue Exportaufträge kletterte leicht von 47,2 auf 47,8 Punkte, was weiter Kontraktion bedeutet. Im RatingDoc-Bericht tauchen Exportaufträge erstmals seit März wieder im positiven Bereich auf, wenn auch nur knapp. Diese Stabilisierung deutet darauf hin, dass kleinere Firmen neue Märkte erschließen und so besser gegen die globale Abschwächung bestehen.

Kosten steigen, Lager schrumpfen, Jobs stabilisieren sich

Bei den Lagerbeständen deutet der NBS auf eine Verlangsamung der Reduktion. Der Index für Rohmaterialien stieg auf 48,5 Punkte, während die Bestände an Fertigwaren auf 45,2 Punkte abrutschten. Das signalisiert Überkapazitäten in großen Betrieben. Der RatingDoc-PMI zeigt dagegen steigende Einkaufs- und Fertigwarenbestände. Private Firmen stocken bewusst auf, um Engpässe zu vermeiden.

Am Arbeitsmarkt zeichnen beide Indizes ein gemischtes Bild. Der NBS-Beschäftigungsindex liegt bei 48,5 Punkten und damit etwas höher als im August. Entlassungen nahmen ab, was auf Kostenkontrollen oder saisonale Effekte hinweist. Beim RatingDoc-PMI bleibt der Beschäftigungsindex zwar negativ, doch der Rückgang verlangsamte sich. Einige Unternehmen stellten sogar wieder Personal ein, gestützt durch steigende Auftragseingänge.

Die Preisentwicklung unterscheidet sich klar. Der NBS-Index für Rohstoffpreise stieg auf 51,6 Punkte, die Ausgabepreise lagen bei 53,2. Große Unternehmen gaben ihre höheren Kosten damit weiter. Im privaten Bereich meldet RatingDoc die stärkste Kostensteigerung seit zehn Monaten, getrieben von höheren Metallpreisen. Gleichzeitig sanken die Verkaufspreise, da die Firmen Marktanteile sichern wollten. Der Druck auf die Margen im Privatsektor bleibt damit hoch.

Bei den Lieferzeiten zeigen beide Indizes eine Verbesserung. NBS meldete 50,8 Punkte, RatingDoc die erste Verkürzung seit sieben Monaten. Das spricht für eine gewisse Stabilität in den Lieferketten.

Geschäftsklima in China hellt sich auf

Der NBS verweist auf stabile Erwartungen, sichtbar in einem Index für Rückstände bei Aufträgen von 54,1 Punkten. Im RatingDoc-Bericht stieg das Geschäftsklima spürbar an. Die Produzenten meldeten den höchsten Optimismus seit März, gestützt durch staatliche Maßnahmen und Förderprogramme. Analystin Yao Yu von RatingDoc fasste den Trend als anhaltende Verbesserung zusammen, getragen von Nachfrage und Produktionsstärke.

Die Differenz zwischen den beiden Indizes bleibt damit deutlich. Der NBS zeichnet ein Bild einer Industrie in einer Phase der Stabilisierung. Der RatingDoc-PMI zeigt ein Umfeld kleinerer Firmen, die in Teilen wachsen und flexibler auf die Märkte reagieren. Für Investoren bedeutet das: Der NBS spiegelt die Schwäche in den klassischen Sektoren wider, der RatingDoc-PMI die Erholung im agilen Privatsektor. Historisch liegen beide Indizes oft ein bis zwei Punkte auseinander. Eine Annäherung über 50 Punkte in beiden Messgrößen wäre ein starkes Signal für eine breitere Erholung.



Über den RedakteurDói Ennoson

Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.

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