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China: ist sein Abschwung gut für Europa?

FMW-Redaktion

Inzwischen hat sich ja herumgesprochen, dass es in China einen Abschwung gibt – die Frage ist nur, wie stark dieser Abschwung ist. Und während viele Ökonomen das mit Sorge sehen, gibt es einen Querdenker, der sagt: das ist gut für Europa!

Dieser Querdenker ist Charles Goodhart, ehemaliges Mitglied der Bank of England und derzeit „senior economic consultant“ bei Morgan Stanley. Goodhart hatte 1995 eine Analyse („European Monetary Integration“) veröffentlicht, die die kommenden Probleme der Eurozone in vielerlei Hinsicht antiziperte.

Nun aber wartet Goodhart mit einer interessanten These auf: der Abschwung Chinas ist gut für Europa! Warum? Weil es die Ungleichgewichte in der Eurozone verringert. Goodhart sieht nämlich zurecht Deutschland als Hauptprofiteur des ökonomischen Aufstieg Chinas: Deutschland habe genau das an China geliefert, was das Land in seinem wirtschaftlichen Aufstieg gebraucht habe: Maschinen. Das führte zu einem gigantischen Handelsbilanzüberschuß Deutschlands, das im zweiten Quartal diesen Jahres satte 8% seines BIPs ausmachte. Und dazu mit dem Euro eine Währung, die faktisch viel zu schwach für seine ökonomische Stärke war und ist.

Ganz anders dagegen die Situation für Italien: das Land konnte kaum vom Aufstieg Chinas profitieren, im Gegenteil: China produzierte Waren wie Textilien, Schuhe – mit derartigen Waren trat China als Billigkonkurrent gegen Italien an und sorgte dafür, dass Italien anders als Deutschland vom Aufstieg des Reichs der Mitte nicht profitierte, sondern im Gegenteil Schaden nahm.

Mit dem Abschwung Chinas aber werde sich, so Goodhart, die Lage ändern: Deutschland werde weniger exportieren und damit auch weniger dominant in der Eurozone sein. Die Folge: der deutsche Haushaltsüberschuß, der maßgeblich zu den Ungleichgewichten in der Eurozone beitrage, werde sich verringern. Und möglicherweise dann Deutschland auch mehr Güter aus der Eurozone importieren.

Die Frage aber ist: warum sollte Deutschland mehr importieren, nur weil seine Exporte und damit sein Handelsbilanzüberschuß zurück gehen? Die Zukunft wird zeigen, ob Goodhart mit seiner These recht behalten wird..



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2 Kommentare

  1. Meine Gegenthese:
    der neue Exportschlager Deutschlands nicht nur gegenüber China, sondern
    auch den anderen Industrieländern, wird der Greentec-Sektor sein.
    Nachdem die deutsche Industrie Maschinen und Anlagen geliefert hat, müssen
    diese nun umweltverträglicher und energieeffizienter gestaltet werden, um
    die Luftverschmutzung in Chinas Großstädten zu reduzieren.

  2. Tja, wird der chin. Abschwung auch gut für die US-Wirtschaft?
    Das Orakel der Bankokratie weiß es!
    http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-10-14/is-xi-s-economy-more-distorted-than-mao-s-goldman-s-ha-says-yes

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