China, Japan und Südkorea schmieden ein Handelsbündnis, um den Zollkrieg von Trump zu kontern. Ein historisches Treffen in Seoul zeigt: Die Region rückt enger zusammen.
China Japan Südkorea: Handelsbündnis gegen Trump-Zollkrieg
Um den Trump-Zollkrieg zu kontern, formen China, Japan und Südkorea ein starkes Handelsbündnis. Die drohenden US-Zölle verändern die globalen Handelströme in rasantem Tempo. Trump setzt mit seiner eratischen Politik neue Impulse und ermöglicht Entwicklungen, die lange undenkbar schienen. Am Sonntag trafen sich die Handelsminister der drei Länder in Seoul, um ihre Handelsbeziehungen zu stärken und ein Freihandelsabkommen voranzutreiben. Es ist das erste Treffen seit über fünf Jahren, das sich gezielt auf ein trilaterales Handelsabkommen konzentriert.
Trilateraler Handelspakt: Historische Hürden
Die Idee eines trilateralen Freihandelsabkommens zwischen China, Japan und Südkorea reicht bis ins Jahr 2002 zurück, als das Konzept erstmals vorgeschlagen wurde. 2012 begannen offizielle Verhandlungen. Damals machten die drei Länder rund 20 % der globalen Wirtschaft aus – eine solide Grundlage für ein solches Abkommen. Doch die Gespräche verliefen schleppend. 2019 stockten die Verhandlungen endgültig, auch weil das Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), ein anderes großes Handelsabkommen in der Region, an Bedeutung gewann. Zwar finden seit 2008 jährlichen Treffen der Staats- und Regierungschefs der drei Länder statt, die seit 2011 im Rahmen der sogenannte Trilateral Cooperation abgehalten werden, aber das Meeting am Wochenende war das erste seit seit 2019, dass die Handelsminister explizit ein trilaterales Abkommen in den Fokus rückten.
Historische Animositäten erschweren die Zusammenarbeit. China wurde in den 1930er-Jahren von Japan besetzt, und die Gräueltaten – wie das Massaker von Nanjing 1937 – sind bis heute präsent. Die Kommunistische Partei schürt regelmäßig anti-japanische Stimmungen, zuletzt im Streit um radioaktives Wasser aus Fukushima. Japan fühlt sich von Chinas Macht bedroht und hat seine Militärdoktrin überarbeitet, um die Abhängigkeit von der Volksrepublik zu reduzieren.
Auch zwischen China und Südkorea gibt es Spannungen: Korea war historisch ein tributpflichtiger Staat unter chinesischem Einfluss, und heute unterstützt China Nordkorea als Pufferstaat gegen den Westen. Zwischen Südkorea und Japan sorgen die japanischen Kriegsverbrechen, insbesondere das Thema der „Trostfrauen“ (Zwangsprostituierte), für Konflikte.
Handelsvolumen: Abhängigkeit von USA sichtbar
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Bündnisses zeigt sich in den Zahlen. China ist der größte Handelspartner sowohl für Japan als auch für Südkorea. Gemeinsam bilden die drei Länder einen Wirtschaftsblock, der rund 20 % des globalen BIP ausmacht. Ein Freihandelsabkommen würde Zölle senken, Handelsbarrieren abbauen und die Lieferketten in der Region stabilisieren – ein entscheidender Vorteil, wenn die USA ihre Märkte abschotten.
Die Abhängigkeit von den USA bleibt jedoch ein Problem. Japan exportiert jährlich Waren im Wert von über 140 Milliarden US-Dollar (133 Milliarden Euro) in die USA, Südkorea rund 131.5 Milliarden US-Dollar (142.93 Milliarden Euro). China, das bereits unter Trumps ersten Zöllen (2018–2020) gelitten hat, sieht sich erneut mit einem Handelskrieg konfrontiert. Ein trilaterales Abkommen verringert die Abhängigkeit von den USA und stärkt die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Region, da es die Handelsbeziehungen in der Region festigt und die Unsicherheit durch die US-Politik ausgleicht. Genau das ist der Grund, warum die USA misstrauisch auf die Entwicklungen blicken.
Südkorea und Japan: Balanceakt zwischen USA und China
Hinter den Kulissen ist die Zusammenarbeit alles andere als einfach. „Die drei Länder haben unterschiedliche Prioritäten“, erklärt der südkoreanische Wirtschaftsminister Ahn Duk-geun gegenüber Asia Financial. „China will seine Dominanz in der Region ausbauen, Japan und Südkorea hingegen suchen Stabilität, ohne ihre Allianzen mit den USA zu gefährden.“
Genau hier liegt der Knackpunkt: Japan und Südkorea sind enge Verbündete der USA. Beide Länder beherbergen US-Militärbasen und sind Teil des westlichen Sicherheitsnetzwerks, das China als Bedrohung wahrnimmt. Ein zu enges Bündnis mit China würde die Beziehungen zu Washington belasten – ein Risiko, das weder Tokio noch Seoul eingehen wollen. Gleichzeitig können sie es sich nicht leisten, in einem neuen Handelskrieg zwischen den USA und China zwischen die Fronten zu geraten. Das trilaterale Abkommen ist also ein Balanceakt: Es soll Schutz vor Trumps Zöllen bieten, ohne die USA zu verärgern.
Trump-Zolldrohungen: Asien reagiert
Ironischerweise ist Trump der größte Katalysator für dieses Abkommen. Seine Zolldrohungen haben die drei Länder gezwungen, ihre Differenzen beiseitezulegen und schneller zu handeln. Doch die USA beobachten die Entwicklungen mit Argwohn. Ein stärkerer asiatischer Wirtschaftsblock würde die amerikanische Dominanz im globalen Handel schwächen – ein Szenario, das Trump nicht hinnehmen wird.
Für die EU hat das Abkommen weitreichende Folgen. Europa, das selbst mit einer wachsenden Abhängigkeit von China kämpft, würde von einem stabileren asiatischen Markt profitieren. Doch wenn die USA mit Zöllen reagieren, droht ein globaler Handelskrieg, der auch europäische Exporteure trifft. „Die Weltwirtschaft steht an einem Scheideweg“, warnt ein Experte bei France24. „Entweder wir sehen eine neue Ära regionaler Bündnisse – oder einen Rückfall in protektionistische Konflikte.“
Handelsbündnis entsteht unter Druck
Das Treffen in Seoul war ein wichtiger Schritt, doch der Weg zu einem trilateralen Freihandelsabkommen bleibt steinig. Die Handelsminister haben sich darauf geeinigt, die Verhandlungen zu beschleunigen, aber konkrete Ergebnisse stehen noch aus. Für China, Japan und Südkorea geht es um mehr als nur Handel: Es geht um wirtschaftliche Souveränität einer sich rasant veränderten Welt. Ob dieses Bündnis Trumps Zollhammer standhält, hängt von der Fähigkeit der drei Länder ab, ihre historischen Konflikte zu überwinden und eine gemeinsame Strategie zu finden.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken












Drei Exportüberschuß-Länder tun sich zusammen. Entsteht da eine EU oder eine OPEC? Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass Südkorea und Japan ein Freihandelsabkommen mit der EU haben und die EU ist ein großes Importgebiet. Ja, und da sind dann noch die nicht-tarifären Handelshemmnisse in den drei Ländern. Man muss sagen, die sind geradezu Meister in dieser Disziplin.