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China: Kapitalflucht – Peking zieht bei Vollgas-Tempo die Handbremse!

Chinas Unternehmen kauften in 2016 ausländische Firmen im Rekord-Volumen - meist aus Gründen der Kapitalflucht. Dem will Peking nun einen Riegel vorschieben!

FMW-Redaktion

Bekanntlich hat es im Jahr 2016 so viele Übernahmen von ausländischen Firmen durch Chinas Unternehmen gegeben wie noch nie zuvor. Dass man sich seitens der Chinesen damit Know How einkaufen will, ist die eine Sache. Immer wichtiger aber scheint zu werden, dass diese Übernahmen westlicher Firmen vor allem einem Zweck dienen: Kapital raus aus China zu schaffen, um damit dem Abwertungsdruck des Yuan zu entgehen. Mit einem Wort: es handelt sich vor allem um Kapitalflucht unter dem Deckmantel von Firmenübernahmen.

Und das ist offenkundig auch den Machthabern in Peking aufgefallen. In letzter Zeit war es der Regierung gelungen, Schlupflöcher für die Kapitalflucht zu stopfen (etwa den Kauf von Versicherungspolicen in Hongkong, womit man elegant Yuan in Hongkong-Dollar tauschen konnte). Gleichzeitig, und da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz, hat Peking am Freitag endlich die Verlinkung der Börsen Shenzhen (dem nach Shanghai zweitwichtigsten Finanzstandort Festland-Chinas) und Hongkong genehmigt und als Starttermin den 05.Dezember genannt. Damit dürfte dann auch aus Shenzhen massenhaft Aktien in Hongkong gekauft werden, und das sicher nicht, weil die unternehmerischen Aussichten der Hongkonger Unternehmen so glänzend wären!

Vielleicht als Ausgleich für diese Ventil-Öffnung aber werden jetzt Übernahmen westlicher Firmen durch die chinesische Aufsichtsbehörde stark erschwert. Noch ist nichts offiziell, aber informierte Spatzen pfeiffen es schon von den Dächern: Peking wird in diesem Bereich bei voller Fahrt die Handbremse ziehen! Denn die massenhaften Übernahmen bringen den Yuan weiter unter Druck – und Peking hat seinen Untergebenen versprochen, dass dies nur maßvoll passieren werde. Wenn überhaupt.

Nun will, laut den Insidern, Peking Übernahmen verbieten, die ein Volumen von mehr als 10 Milliarden Dollar haben – strategische Übernahmen könnten mit einer Sondergenehmigung davon ausgenommen sein. Ausserdem dürfen staatliche Firmen keine Immobilien im Ausland kaufen, wenn das Volumen dieser Käufe über der Grenze von einer Milliarde Dollar liegt. Ausserdem werden Übernahmen von börsengelisteten Unternehmen im Ausland verboten, wenn dafür onshore-Kapital genutzt wird (also Kapital, das in Festland-China lagert). Auch soll gelten, dass chinesische Firmen keine ausländischen Unternehmen mehr erwerben können, wenn diese in einem ganz anderen Business-Bereich tätig sind und eine Übernahme mehr als eine Milliarde Dollar kosten würde.

Gelten sollen diese Beschränkungen zunächst bis September 2017, wobei der Fokus Pekings wohl auch darauf liegt, dass staatliche Firmen, die ohnehin schon in hohem Maße Schulden-gehebelt sind, solche Transaktionen nicht mehr durchführen können. Gleichzeizitig sollen offenkundig Deals aus der Vergangenheit überprüft werden.

Mit dieser Politik sollen als zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: einerseits die Kapitalflucht eingedämmt, andererseits aber die weitere Über-Hebelung der chinesischen Unternehmen ausgebremst werden. Ob diese Strategie gelingen kann, bleibt offen..



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