Allgemein

Peking verschärft Kontrolle über Seltene Erden China kontrolliert Seltene Erden neu – keine Zahlen, nur Regeln

China zündet nächste Eskalationsstufe

China verschärft die Kontrolle über Seltene Erden. Neue Quoten gelten ohne Zahlen, dazu kommt der Vorwurf: Ausländische Akteure wollten die Metalle illegal ausführen.

Mit neuen Regeln und ohne öffentliche Zahlen kontrolliert China den Markt für Seltene Erden jetzt vollständig. Die politischen Signale dahinter sind unmissverständlich – und sie bleiben nicht ohne Begleitmusik.

China und Seltene Erden: Quoten festgelegt – Zahlen bleiben geheim

Nun verschärft Peking erneut die Kontrolle und hat im Juni Förder- und Verarbeitungskapazitäten neu geregelt. Die zuständigen Behörden legten Quoten fest, veröffentlichten sie aber nicht. Das ist neu. In früheren Jahren erschienen die Quoten bereits im ersten Quartal. Sie standen öffentlich auf der Website des Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie. Jetzt bleiben sie unter Verschluss. Der Zugriff auf die Seltene Erden wird auf zwei staatlichen Konzernen limitiert, die China Rare Earth Group und die China Northern Rare Earth Group. Zuvor hatten sechs Unternehmen Zugriff. Damit verlagert die Zentralisierung die Kontrolle vollständig in staatliche Hand.

China Seltene Erden

Seltene Erden sind 17 metallische Elemente. Neodym, Dysprosium und Terbium gehören dazu. Sie stecken in Elektroautos, Windkraftanlagen und Lenkwaffensystemen. Die Vereinigten Staaten sind bei der Weiterverarbeitung fast vollständig auf China angewiesen. Peking deckt nahezu den gesamten globalen Bedarf an schweren Seltenen Erden. 2024 lagen die Förderquoten bei 270 000 Tonnen, die Verarbeitungsquoten bei 254 000 Tonnen.

Quoten auch für Erze, die offiziell nicht existieren

Dass die Quoten für Seltene Erden erst jetzt festgelegt wurden, liegt wahrscheinlich an internen technischen Diskussionen. Ursprünglich sah ein Vorschlag vom Februar vor, auch importierte Erze in das Quotensystem einzubeziehen. Unternehmen, die die Seltenen Erden einführen, reagierten mit Protest. Vor allem Erze aus Myanmar wären betroffen, die aber in den offiziellen Zollstatistiken gar nicht aufrauchen. Womit sich die interessante Frage stellte, wie man etwas quotieren will, was es angeblich gar nicht gibt.

Die nun getroffenen Quotenregelung verschärft den Zweifel an den angeblich getroffenen „Deal“ zwischen China und den USA über die Aufnahme der Lieferungen. Denn noch wurden keine Aussendungen gemeldet, noch hat China bisher offiziell nicht von einer Einigung gesprochen, nur von einem „Framework“.

Europäische Industrievertreter sprechen hingegen davon, dass die chinesische Seite Exportanträge „zügig“ bearbeitet. Aber allein die Tatsache, dass neue Lizenzen beantragt werden müssen, verzögert den Export.

Die USA haben auf das de-facto Embargo Chinas mit einer Umstrukturierung reagiert. Das Verteidigungsministerium erwirbt einen Anteil von 15 Prozent an MP Materials und verpflichtet sich, Milliarden in das Unternehmen zu investieren, um seine Produktion auszuweiten. Der Aufbau neuer Produktionskapazitäten erfordert allerdings Zeit. Die neue Fabrik des Unternehmens kann erst voraussichtlich 2028 in Betrieb gehen wird. Solange sind die USA ausschließlich auf Importe aus China angewiesen.

Seltene Erden: Chinas Geheimdienst meldet Schmuggel

Daneben zündet China die nächste Eskalationsstufe. Der chinesische Geheimdienst beschuldigte am Freitag ausländische Akteure, versucht zu haben, Seltene Erden aus dem Land zu schmuggeln. Die Behörden sprechen von Tarnverpackungen, falsch deklarierten Lieferungen und gezielter Einflussnahme auf Personen im Land, die beim Schmuggel helfen sollten. Namen nennt Peking nicht. Der Schuldige ist trotzdem klar benannt.

Veröffentlicht wurde die Meldung über den offiziellen WeChat-Account des Büros für öffentliche Sicherheit – ein interner Kanal, kein außenpolitisches Sprachrohr. Der Adressat ist die eigene Bevölkerung. Ihr wird suggeriert, dass die Vereinigten Staaten nicht nur auf diplomatischem Weg Einfluss nehmen, sondern gezielt gegen Chinas Rohstoffsouveränität arbeiten. Der Export wird damit nicht nur als wirtschaftliches, sondern als sicherheitspolitisches Thema inszeniert. Die Botschaft ist klar: Die Führung schützt nationale Interessen – gegen äußere Einmischung, gegen innere Nachlässigkeit und vor allem gegen die USA.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage