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Schmuggelnetzwerke unterlaufen Exportkontrollen Washingtons China: Milliarden-Schwarzmarkt – Nvidia als Schmuggelware

Neue Gesetze gegen Kontrollverlust

Foto: xinranc - Freepik.com

Ein verbotener Nvidia-Server kostet eine Million Euro in China: Schmuggelnetzwerke unter dem Namen SANDKYAN unterlaufen mit Milliardenumsätzen die Exportkontrollen Washingtons.


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China: Milliarden-Schwarzmarkt – Nvidia als Schmuggelware

Vier Jahre nach Beginn der amerikanischen Exportbeschränkungen für KI-Chips ist Nvidia in China weiterhin Marktführer. Die leistungsstärksten Systeme dürfen offiziell nicht mehr verkauft werden, zahlreiche Modelle stehen auf den Sanktionslisten, und Washington verschärft die Kontrollen beinahe im Halbjahrestakt. Dennoch arbeiten viele der wichtigsten chinesischen KI-Modelle weiterhin auf Nvidia-Hardware.

Für einen DGX B300 Server, der in den USA für rund 360.000 bis 500.000 Euro über den Ladentisch geht, zahlen chinesische KI-Labore aktuell auf dem Schwarzmarkt 8 Millionen Yuan, umgerechnet rund eine Million Euro. Vor sechs Monaten lag der Preis noch bei 4 Millionen Yuan (rund 500.000 Euro). Das Gerät ist offiziell verboten. Der Schwarzmarkt übertrifft trotzdem gerade alle Umsatzziele, die Nvidia in China je mit einem regulären Produkt erreicht hat.

Milliarden-Schmuggel mit KI-Chips floriert


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Die Exportkontrollen, die die Trump-Administration verhängt hat, verteuern zwar den Zugang, sie schließen ihn nicht. Washington hat die Ware knapper gemacht, nicht unerreichbar. Für chinesische Unternehmen, die an Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz kaum herankommen, ist ein Blackwell-Server für das Dreifache des Listenpreises immer noch günstiger als der Verzicht auf Wettbewerbsfähigkeit. Das erklärt, warum rund 60 Prozent der führenden chinesischen KI-Modelle noch immer auf Nvidia-Hardware laufen, obwohl diese Hardware seit Jahren offiziell nicht mehr importiert werden darf. Trotz des Exportverbots hält Nvidia schätzungsweise 55 Prozent des chinesischen KI-Chip-Marktes.

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate gelangten Nvidia-KI-Chips im Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar (rund 920 Millionen Euro) illegal nach China. Die Lieferungen liefen über Taiwan, Malaysia, Singapur und Vietnam und wurden von Netzwerken organisiert, die eher wie internationale Handelsunternehmen als wie klassische Schmuggelringe arbeiten.

Im Frühjahr nahmen US-Bundesbehörden Yih-Shyan „Wally“ Liaw, Mitgründer von Super Micro, fest. Die Ermittler werfen ihm vor, Chiplieferungen im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,3 Milliarden Euro) umgeleitet zu haben. Gleichzeitig wurden mit der „Operation Gatekeeper“ und dem sogenannten GPU-Partnership-Scheme zwei weitere Netzwerke aufgedeckt, deren Handelsvolumen auf zusammen rund 330 Millionen US-Dollar (rund 300 Millionen Euro) geschätzt wird.

Allein diese drei Fälle stehen für ein dokumentiertes Volumen von rund drei Milliarden US-Dollar (rund 2,8 Milliarden Euro). Sie zeigen nicht die tatsächliche Größe des Marktes, sondern lediglich den Teil, der den Behörden bislang bekannt geworden ist.

Mit Tarnnamen und Cloud-Anbieter gegen Exportkontrollen

Seit mehreren Jahren hat sich eine Infrastruktur entwickelt, die den Weiterverkauf exportbeschränkter KI-Chips organisiert. Die Hardware wird unter Bezeichnungen wie „SANDKYAN“ als gewöhnliche Elektronik deklariert, mit veränderten Seriennummern versehen und über Firmen in den USA und Asien weitergeleitet. Die beteiligten Unternehmen existieren oft nur auf dem Papier oder dienen ausschließlich dem Weiterverkauf.

Für Audits und Compliance-Prüfungen stehen teilweise separate Testsysteme bereit, während die eigentliche Hardware bereits an andere Standorte gebracht wurde. Ende Mai durchsuchten taiwanesische Behörden deshalb zwölf Standorte. Kurz darauf forderte Jensen Huang Supermicro öffentlich auf, die eigenen Kontrollmechanismen zu verschärfen.

Selbst eine lückenlose Kontrolle der Lieferketten würde das Problem allerdings nicht vollständig lösen. Chinesische Unternehmen können Rechenleistung auch im Ausland anmieten. ByteDance etwa nutzt über Fernzugriffe Nvidia-Hardware in Rechenzentren in Singapur. In solchen Fällen überschreitet nicht mehr die Hardware die Grenze, sondern lediglich der Datenverkehr.

Neue Gesetze im Kampf gegen den Kontrollverlust

In Washington wird inzwischen über den Chip Security Act diskutiert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen von Tracking-Technologien in Prozessoren bis zur Standortüberwachung exportierter Chips. Damit ließe sich der illegale Weiterverkauf möglicherweise erschweren. Die eigentliche Verschiebung des Marktes dürfte dadurch jedoch kaum aufgehalten werden.

Der Politikwissenschaftler Mark MacCarthy von der Brookings Institution argumentiert, dass die USA den chinesischen KI-Chipmarkt bereits weitgehend verloren haben. Ausschlaggebend sei weniger die technologische Entwicklung Chinas als die Unberechenbarkeit der amerikanischen Exportpolitik. Der H20 wurde innerhalb weniger Monate eingeschränkt, wieder zugelassen und anschließend erneut zum politischen Streitfall. Für chinesische Kunden erscheinen amerikanische Anbieter damit zunehmend als unsichere Partner.

Von dieser Entwicklung profitiert vor allem Huawei. Der Ascend 910B bleibt den aktuellen Nvidia-Beschleunigern zwar unterlegen, die Leistungslücke wird jedoch kleiner. Ein Konkurrenzprodukt auf dem Niveau des H200 wird für das kommende Jahr erwartet.

Bis dahin dominiert Nvidia den chinesischen KI-Markt weiterhin, aber die Ware erreicht China zunehmend über Umwege, Rechenzentren im Ausland und einen Schwarzmarkt, den die Exportkontrollen bislang nicht beseitigen konnten.

Im Frühjahr dieses Jahres entfielen bereits 32 Prozent der weltweiten Token-Nutzung auf chinesische KI-Modelle. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 5 Prozent.

Bei der Leistungsfähigkeit der Spitzenmodelle besteht allerdings weiterhin ein deutlicher Abstand zu den führenden amerikanischen Anbietern. Modelle von Anthropic und OpenAI erzielen insbesondere bei komplexen Aufgaben, anspruchsvoller Programmierung oder mehrstufigen Schlussfolgerungen häufig bessere Ergebnisse.

Für viele praktische Anwendungen spielt dieser Vorsprung jedoch eine geringere Rolle als der Preis. Chinesische Modelle sind deutlich günstiger und liefern bei alltäglichen Aufgaben, Übersetzungen, Textarbeit oder Standardprogrammierung oft ausreichende Ergebnisse. Selbst bei schwierigeren Aufgaben kann es wirtschaftlicher sein, ein günstiges Modell mehrfach auszuführen, als ein deutlich teureres Spitzenmodell einzusetzen.



Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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