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China-Nationalkongress: Her mit dem deutschen und dem amerikanischen Weg!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Welche Signale gehen vom 11 Tage andauernden Nationalkongress in Peking aus? Das kann man einer Art Inhaltsangabe entnehmen, einem am Anfang des Kongresses verteilten Faltblatt, wo schon alles drin steht, was passieren wird. Mit 5.000 Delegierten, die ja eh nur als Zuschauer und Applausspender anwesend sind, ist die Veranstaltung jedes Mal eine Art Verkündung der Pläne der Partei. Die wichtigste Botschaft lautet: China soll mit großen Schritten weg von der billigen Industrieproduktion, und hin zu hochwertigen Produkten sowie zur Dienstleistungsgesellschaft.

China MP-Li-Keqiang
Chinas Ministerpräsident Li Keqiang. Foto: World Economic Forum/Sebastian Derungs / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Die Herrschaften in der Chefetage haben erkannnt: Die Löhne im Land steigen, die Massen sind nicht mehr mit Billigstlöhnen abzuspeisen. Das macht aber die Massenproduktion von einfach herzustellenden Standardgütern unrentabel. Für chinesische Geschäftsleute gibt es jede Menge andere asiatische und vor allem afrikanische Länder, in die sie jetzt schon die einfachsten Arbeitsschritte verlagern.

Premierminister Li Kequiang sagte nach dem Wachstum von 6,9% letztes Jahr (wenn die Zahl mal stimmt…) solle China die nächsten Jahre jeweils 6,5% wachsen. Aufgrund der enorm gestiegenen Größe der chinesischen Volkswirtschaft sei von jetzt an jedes Prozent Wachstum für China so viel Wert wie 2,5% Wachstum vor 10 Jahren. Die 6,5% pro Jahr ist auch bitter nötig – ob sie real überhaupt erzielt werden, ist nicht nachprüfbar, aber wie auch immer: Mit Start eines Plans von 2010 bis zum Jahr 2020 wurde verkündet die Pro Kopf-Einkommen der Chinesen zu verdoppeln, und das muss irgendwie erreicht werden.

Li Kequiang sagte China dürfe nicht den Fehler vieler anderer Entwicklungsländer machen und in „die Falle des mittleren Einkommens“ stürzen. Damit meint er, dass man jetzt nicht stehen bleiben darf, sondern so schnell wie möglich auf hochwertige Industrieproduktion umsatteln muss. Will da jemand Deutschland den „Platz an der Sonne“ streitig machen?

Dazu kommt der Dienstleistungssektor, denn der KP dürfte es klar sein, dass man hunderte von Millionen Wanderarbeiter, die nach und nach ihre Arbeitsplätze in Billiglohnfabriken verlieren, nicht mit Hightech-Jobs für Hochschulabsolventen ausstatten kann – sie müssen dann im Dienstleistungssektor „untergebracht“ werden – das soll wohl eine Art Kopie des amerikanischen Modells sein. Einfache schnell zu bekommende Jobs, Hauptsache die Menschen sind in Lohn und Brot.

Die KP will nicht nur weg von der „einfachen“ Industrieproduktion – diese Entscheidung wird ihr von der aktuellen Nachfragekrise sowieso abgenommen. Vor allen in den Bereichen Kohle und Stahl müssen jetzt drastisch Überkapazitäten abgebaut werden. Im Klartext: Fabriken produzieren, ohne Abnehmer für ihre Waren zu haben. Das ist nicht tragbar, Menschen werden massenhaft ihre Arbeitsplätze verlieren. Wegen dem Abbau dieser überschüssigen Kapazitäten (150 Millionen Tonnen Stahl) rechnet die KP bis 2020 mit dem Verlust von 1,8 Millionen Arbeitsplätzen. Hört sich viel an für uns, aber bei einer Bevölkerung von knapp 1,4 Milliarden Menschen ist das relativ wenig. Aber man darf annehmen, dass diese 1,8 Millionen in vier Jahren in der Realität um ein Vielfaches höher ausfallen dürfte.

Bei Investitionen setzt China weiterhin auf Infrastrukturprojekte wie Brücken, Straßen und das Schienennetz mit Hochgeschwindigkeitszügen. Im laufende Haushalt soll die Verschuldung dafür ausgebaut werden, wodurch man sein Haushaltsdefizit auf um die 3% bezogen auf das BIP erhöht (2015 noch 2,3%). Damit wäre man gerade noch im Rahmen der Maastricht-Kriterien! Aber keine Angst, im Gegensatz zu anderen Ländern hat China ja noch gigantische Devisenreserven als Gegenwert! Zum Thema Börsenturbulenzen in 2015 gab es keine Erklärungen oder Anmerkungen. Warum auch? Läuft doch irgendwie alles, wenn die Notenbank die Tränen mit immer neuem Cash trocknet. Naja, etwas erwähnte man schon zu dem Thema: Man wolle eine Art Katastrophen-Absicherungssystem einführen, und man wolle mit voller Kraft unrechtmäßige Aktivitäten im Wertpapiermarkt unterbringen. Geht es noch einen Tick allgemeiner?

Was noch? Der Yuan soll in 2016 weitestgehend stabil gehalten werden. Diverse geldpolitische Maßnahmen sollen eingesetzt werden um „angemessene Liquidität“ zu gewährleisten. Die Arbeitslosenquote soll bei 4,5% bleiben (stimmt die Zahl?) und in 2016 sollen bis zu 10 Millionen neue Jobs geschaffen werden.

Das Fazit: Die KP hat erkannt, dass das Volk nach Billigjobs in der Industrie, die nicht mehr zu halten sind, so schnell wie möglich mit neuen Jobs versorgt werden muss – denn man will ja keine Massenarbeitslosigkeit, die in einem Volksaufstand mündet? Nur ist es fraglich, ob so schnell so viele hochwertige Jobs entstehen, die als Basis für viele nachfolgende einfache Dienstleistungsjobs dienen. Denn so ein Prozess ist nicht in zwei drei Jahren zu stemmen. Aber andersrum gehen die einfachen Industriejobs in Rekordgeschwindigkeit verloren.

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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Investieren Sie in ideen-intensive Geschäftsmodelle – Werbung

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Lieber Börsianer,

eine Frage an Sie: Welches Unternehmen würden Sie derzeit gründen? Eher einen Hersteller von Elektro-Autos oder – sagen wir – eine kleine Softwareschmiede, die Anwendungen für das Autonome Fahren entwickelt?

Eine kleine Abwägung: Für den Aufbau einer Autoproduktion dürfen Sie schon gleich zu Beginn mit Investitionen von mehreren 100 Millionen Euro kalkulieren. Daneben brauchen Sie Männer und Frauen für die Fließbänder und holen sich auf diese Art und Weise einmal einen deftigen Fixkostenblock in die Gewinn- und Verlustrechnung. Wenn alles halbwegs rundläuft, haben Sie nach rund 5 oder 6 Jahren Ihre Kosten amortisiert und dürfen ab jetzt auf Gewinne hoffen.

Ihre Softwareschmiede bauen Sie im eigenen Keller auf mit einigen Kumpels (m/w/d) aus dem Informatikstudium. Kostenfaktor wenige 100.000 Euro. Im 2. Jahr dürfen Sie bereits einen mittelschweren Auftrag für BMW abwickeln und haben Ihre Startinvestitionen schon fast kompensiert.

Natürlich, ich habe stark vereinfacht. Aber im Kern zeigt dieser Vergleich, welche Geschäftsmodelle in der modernen Wirtschaft besonders gut funktionieren. Industrie- oder Hardware-Produktion ist enorm kapitalintensiv und verlangt einige spendable Finanziers an Ihrer Seite. Digitale Geschäftsmodelle hingegen verlangen zunächst einmal „nur“ eine zündende Idee. Genau so entstanden Unternehmen wie Facebook und Microsoft. Damals schwänzten Mark Zuckerberg und Bill Gates ihre Vorlesung und schrieben im Studentenwohnheim an einem Betriebssystem oder einer Social-Media-Anwendung.

Aber es geht nicht nur um die Startinvestitionen. Generell werfen Geschäftsmodelle aus den Segmenten Internet oder Software auch in der Folge ganz andere Umsatzrenditen ab als etwa die Produktion von Fahrzeugen, Maschinen oder etwa Gasturbinen. Apple oder Facebook holt aus…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Brexit: Angeblich Einigung an diesem Wochenende

Markus Fugmann

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Laut einem Insider-Bericht wird es bereits an diesem Wochenende eine Einigung auf einen Deal für den Brexit zwischen der EU und Großbritannien geben. Damit würde dann laut diesem Bericht ein „Last-Minute“-Deal erreicht.
Möglich sei, dass die EU dann am 10. oder 11.Dezmeber einen Gipfel abhalten würden, so der Insider weiter.
Zuletzt war es vor allem zwischen Frankreich und Großbritannien zu Konflikten um Fischerei-Recht in britischen Gewässern gekommen..

Der Dax mit leichten Anstiegen auf die Meldung, ebenso das britische Pfund..

Gibt es auf den letzten Drücker einen Deal zum Brexit?

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