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Der Elektroautomarkt in China sortiert sich neu China: Nio kippt 1000-km-Batterie, Tesla verliert, VW-Allianz mit Xpeng

Gewinner und Verlierer

Foto: Bloomberg

Nio stoppt sein Prestigeprojekt, Tesla verliert Boden, VW sucht Anschluss mit Xpeng: Der Oktober zeigt, wie sich der Elektroautomarkt in China neu sortiert.

China: Nio kippt 1000-km-Batterie, Tesla verliert, VW-Allianz mit Xpeng

Wenn Reichweite nur noch am Stammtisch zählt, zeigt das mehr als Nios Kurswechsel. Der chinesische Markt tritt in eine neue Phase: Effizienz schlägt Prestige, Infrastruktur ersetzt Übertreibung. Während Tesla im Absatz einbricht und lokale Marken die Führung übernehmen, versucht Volkswagen mit Xpeng einen technologischen Neustart. Der Oktober markiert die Verschiebung der Kräfte im größten E-Automarkt der Welt – leise, aber deutlich.

Nio beendet 150-kWh-Projekt – Reichweite verliert Bedeutung

Vor drei Jahren versprach Nio das Ende der Reichweitenangst. Eine 150-Kilowattstunden-Batterie mit halb­fester Struktur sollte über 1.000 Kilometer am Stück ermöglichen. Jetzt ist das Projekt beendet. Nach wenigen Hundert produzierten Einheiten zieht der chinesische Elektroautobauer die Reißleine.

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Die Batterie war ein Prestigeobjekt. Im Dezember 2023 erreichte ein ET7 mit dem neuen Akku eine reale Strecke von über 1.000 Kilometern. Doch schon nach dem Start der Massenproduktion zeigte sich, dass kaum jemand sie wollte. Nio bot sie als optionales Upgrade oder im Abo-Modell an, gekoppelt an das eigene Batterietauschsystem. Fast alle Kunden entschieden sich für die kleinere 75-Kilowattstunden-Version.

Firmenchef William Li erklärte, das Projekt habe vor allem der Demonstration technischer Stärke gedient. Der praktische Nutzen sei gering gewesen. Das dichte Netz von mehr als 3.500 Swap-Stationen in China mache große Batterien überflüssig. Die meisten Fahrer hätten keinen Grund gesehen, die teure, schwere und selten verfügbare 150er zu nutzen.
Reichweite ist ein Thema an den Stammtischen. In der Praxis zählt Verfügbarkeit von Energie, nicht deren Vorrat.

Die Entwicklung zeigt, wie sich der Markt verändert. Sinkende Zellpreise und wachsende Infrastruktur verschieben die Prioritäten. In China liegt der Fokus längst auf schnellen Tauschvorgängen und flexiblen Nutzungsmodellen. Nio positioniert sich dabei als Energiedienstleister mit Fahrzeugen als Träger seiner Plattform, nicht als Produzent überdimensionierter Akkus.

Trotz der Einstellung bleibt das Geschäft stabil. Im Oktober meldete Nio fast 40.000 ausgelieferte Fahrzeuge. Gefragt sind Modelle mit 75 oder 100 Kilowattstunden, die ins Swap-System passen. Künftig sollen neue 600-Kilometer-Batterien folgen, leichter und günstiger als die gescheiterte Hochkapazitätszelle.

Leichter Rückgang: Chinas Automarkt verliert an Schwung

Der chinesische Automarkt zeigte im Oktober ein stabiles, aber abkühlendes Bild. Nach acht Monaten Wachstum sanken die Pkw-Verkäufe erstmals leicht. Laut China Passenger Car Association wurden 2,24 Millionen Fahrzeuge verkauft, ein Minus von 0,8 Prozent zum Vorjahr. Hauptgründe waren das Auslaufen regionaler Förderprogramme und Steuervergünstigungen sowie hohe Basiswerte aus dem Vorjahr, die in den vergangenen Monaten den Absatz gestützt hatten.

Der Markt bleibt dennoch auf hohem Niveau. Kumuliert von Januar bis Oktober wurden 19,25 Millionen Fahrzeuge verkauft, ein Plus von 7,9 Prozent. Der Rückgang betrifft vor allem Verbrenner, deren Anteil auf 47,9 Prozent fiel, sowie Plug-in-Hybride und Reichweitenverlängerte Elektrofahrzeuge, die jeweils um 10,3 bzw. 7,7 Prozent zurückgingen. Autos mit alternativen Antrieben erreichten eine Marktdurchdringung von 56,5 Prozent, getragen von rein elektrischen Modellen mit einem Wachstum von 20 Prozent und einem Anteil von 35,8 Prozent am Gesamtmarkt. BYD, Geely und SAIC-GM-Wuling dominieren das Inland, während Tesla den schwächsten Monat seit drei Jahren verzeichnete.

China Marktanteile

Tesla bricht in China ein – schwächster Monat seit drei Jahren

Tesla erlebt in China einen spürbaren Einbruch. Im Oktober belief sich der Einzelhandel mit Fahrzeugen auf 26006 Einheiten. Dies ist niedrigste Monatsvolumen seit über drei Jahren. Damit sank der Absatz gegenüber dem Vorjahr um rund 35,8 Prozent. Besonders die SUV-Baureihe Model Y, inklusive ihrer chinesischen Variante Model Y L, verzeichnete nur noch 19 488 Einheiten im Oktober, was einen Rückgang von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt. Im gleichen Zeitraum wurden jedoch 35 491 Fahrzeuge aus der chinesischen Produktion exportiert, ein Zuwachs von etwa 27,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit zeigt sich: Der Druck auf Tesla im stärksten Einzelmarkt wächst, während gleichzeitig der Export an Bedeutung gewinnt. Bekanntlich verliert Tesla auch in Europa Marktanteile.

Die Lage wird umso schwieriger, da heimische Anbieter rasch Marktanteile gewinnen und günstiger positioniert sind. Im Kontext eines abkühlenden Inlandsmarkts zählt nicht mehr allein die Marke, sondern die Fähigkeit, auf Kosten-, Struktur- und Nutzerseite zu punkten.

VW und Xpeng beantragen Zulassung für erstes gemeinsames E-SUV

VW und Xpeng stehen kurz vor dem ersten Ergebnis ihrer Kooperation. Das gemeinsam entwickelte Modell ID.UNYX 08, ein mittelgroßes SUV, hat Anfang November die Zulassung in China beantragt. Der Antrag von VW Anhui, dem Joint Venture in der Provinz Anhui, signalisiert den bevorstehenden Marktstart und trieb die Xpeng-Aktie auf ein Achtmonatshoch. Das Fahrzeug basiert auf einer gemeinsamen Plattform, die VWs elektrische Architektur mit Xpengs System für autonomes Fahren kombiniert. Produziert wird in Hefei, wo VW bereits Testfahrten durchführt.

Der ID.UNYX 08 gilt als Premium-SUV mit Fokus auf Software, Assistenzfunktionen und vernetzter Steuerung. VW plant, Xpengs Autopilot-Technologie auch für künftige China-Modelle zu lizenzieren. Die Serienproduktion soll 2026 anlaufen, kurz darauf ist ein zweites Modell vorgesehen. Für VW ist das Projekt mehr als eine Modellneuheit. Es steht für den Versuch, in Chinas hart umkämpftem Elektroautomarkt wieder Anschluss zu gewinnen – und für Xpeng ist es der Eintritt in die Industriepartnerschaft auf Augenhöhe.

 



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