Ein führender Ökonom zeigt, wie China das Trump-Chaos für sich nutzt. Liu Yuanchun, Rektor der Shanghai University of Finance and Economics, analysiert die Lage mit Blick auf 2025. Er erwartet eine massive Stimuluskampagne, um Trumps Zölle abzufedern. Dabei enthüllt er Chinas Strategie – und ihre Grenzen.
Liu Yuanchun: Wirtschaft in China wächst trotz Trump
Am 2. April 2025 wird Donald Trump verkünden, welche Zölle er tatsächlich anheben wird. Noch stärker als die Zölle selbst verändern die geplanten Anlaufgebühren für in China gebaute Schiffe den weltweiten Handel in einer bisher unvorstellbaren Weise. Besonders betroffen sind klassische Exportländer wie die EU und China. Zu Jahresbeginn stiegen Chinas Exporte um 2,3 % auf 539,94 Milliarden US-Dollar (ca. 498,66 Milliarden Euro), bei einem weiter wachsenden Handelsüberschuss. Trumps erratische Politik führte zu einem Rückgang an den Börsen – der S&P 500 verlor zwischen Januar und 28. März 6,6 %. Anleger ziehen Kapital ab, das zunächst nach Europa fließt.
Liu Yuanchun, Rektor der Shanghai University of Finance and Economics und einer der führenden Ökonomen Chinas, analysiert diese Lage präzise. Er sieht in Trumps Unvorhersehbarkeit eine Chance für China, wenn das Land strategisch handelt.
Trumps Fehler, Chinas Triumph
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Liu Yuanchun erwartet, dass China 2025 eine „maßgebliche makroökonomische Stimuluskampagne“ startet, um Trumps protektionistische Maßnahmen abzufedern. Schon vor Trumps Amtsantritt warnte er: „2025 ist ein Jahr der außergewöhnlichen Unsicherheit“. Trumps Zölle – aktuell bei 20 %, mit Drohungen bis 60 % – und vor allem die angedrohten Schiffsgebühren bedrohen den Handel. Doch Liu erkennt eine Öffnung: „Trumps Unwissenheit über Wirtschaft ist unser Vorteil“.
Diese Unsicherheit nutzt China, um die eigene Nachfrage neu auszurichten. Das Stimulus-Paket vom Herbst letzten Jahres im Umfang von 1,2 Billionen Yuan (ca. 156 Milliarden Euro) stabilisierte Immobilien und Kommunen. Doch die Binnennachfrage bleibt schwach – der Einzelhandel wuchs in den ersten beiden Monaten, einschließlich des wichtigen Frühlingsfests, nur um 4 %, verglichen mit 5,5 % im Vorjahr. Liu schlägt vor, Haushalte durch Vermögensgewinne zu entlasten, um den Konsum anzukurbeln. Damit verknüpft er eine unkonventionelle Immobilienpolitik. Sinkende Preise – minus 0,3 % im ersten Quartal – sieht er als „seltene strategische Gelegenheit“, um soziale Wohnungsbauinitiativen und nachhaltige Urbanisierung voranzutreiben.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Umstrukturierung der Kommunalschulden. Liu spricht von einem Haushaltsdefizit von 4 %, wie es das Finanzministerium plant, und schlägt längere Laufzeiten sowie niedrigere Zinsen vor, um fiskalischen Spielraum zu schaffen. Dieser Spielraum soll den Anleihenmarkt stärken: „Die Expansion des Anleihenmarktes muss kostengünstige Wachstumschancen finden“, betont er. Der Yuan bleibt stabil bei 7,16 zum Dollar, die Rendite 10-jähriger Anleihen sank auf 1,88 %. Liu sieht hier eine Grundlage, die Geldpolitik zu reformieren und die Währung zu internationalisieren.
Seine Strategie basiert auf Geduld und Anpassungsfähigkeit. „Unsere Stärke liegt in der Flexibilität“ und „Unsere Stärke ist die Geduld“, unterstreicht er. Sollte, wie es die Fed von Atlanta sieht, die USA in eine Rezession rutschen, könnte dies die chinesischen Exporte belasten. Dennoch sieht Liu darin eine Möglichkeit, Chinas Position langfristig zu festigen, wenn das Land diszipliniert bleibt.
China: Die wahre Krise
Liu Yuanchun ist ein hochrangiger chinesischer Funktionär, und seine Analyse muss im Kontext der Parteilinie betrachtet werden – kritische Berichte über die Wirtschaft wurden in der Vergangenheit hart sanktioniert. Seine Einschätzung des Stimulus-Pakets wirkt optimistisch gefärbt. Zwar gibt es Signale einer leichten Stabilisierung des Wohnungsmarktes – UBS prognostiziert eine Erholung Anfang 2026 –, doch die Preise bei Bestandsimmobilien sinken weiter. Fallende Immobilienpreise schmälern den Wohlstand und bremsen den Binnenkonsum, entgegen Lius Hoffnungen.
Die Lage der Kommunen hat sich durch das Stimulus-Paket vom Herbst leicht verbessert, doch die strukturellen Probleme bleiben ungelöst. Kommunen profitieren kaum von Steuern; ihre Haupteinnahmequelle, Landverkäufe, ist durch die Immobilienkrise eingebrochen. Manche Kommunen lassen Entwickler zu überhöhten Preisen Land kaufen – ein Taschenspielertrick, der die Krise verschleiert. Das Finanzministerium erwartet sinkende Staatseinnahmen 2025, was den Spielraum der Kommunen einschränkt. Liu nennt ein Haushaltsdefizit von 4 %, doch die Gesamtverschuldung – gemessen an der Total Social Financing (TSF) – liegt bei etwa 360 % des BIP. Mitte März veröffentlichte China Rahmenbedingungen für ein neues Stimulus-Paket zur Konsumförderung, dessen Wirkung abzuwarten bleibt.
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Dennoch trifft Liu mit einem Punkt ins Schwarze: Chinas Stärke sei seine Geduld. Hier zeigt sich ein Paradoxon. Bis vor wenigen Wochen galt diese Geduld als Schwäche – die Führung um Xi Jinping ignorierte strukturelle Probleme und sprach von zyklischen Abschwächungen. Nun wirkt Xis ruhige Politik wie ein stabiler Gegenpol zu Trumps Irrationalität. Was einst Vertrauen kostete, wird jetzt zur vertrauensbildenden Maßnahme: Chinas Führung bleibt rational und besonnen, während Trump Vertrauen verspielt. Es erinnert an Merkels „Politik der ruhigen Hand“, die plötzlich auf Peking übergesprungen scheint.
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China hat in der Krise 2008 die Weltwirtschaft mit einer Riesenverschuldung gerettet. Die Folgen haben sie mit dem Aktien und Immocrash zum Teil hinter sich. Jetzt werden sie nur noch für sich selber schauen und können wieder aufbauen. Ich sehe in China mittelfristig grössere Chancen als im überbewerten Amerika oder in der EU. Tiefere Zinsen haben sie auch noch und mit den Brics zusammen eine gute Zukunft.