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China: QE durch die Hintertür?

FMW-Redaktion

China scheint eine eigene Version des QE erfunden zu haben: es gibt ein Programm zur Vergabe von Zentralbankkrediten an Geschäftsbanken, bei dem diese Banken bestimmte Teile ihres Portfolios als Sicherheit für neue Kredite hinterlegen können. Dieses Programm war bislang als Pilotprojekt in zwei Provinzen eingeführt worden – am Wochenende nun hat die Notenbank People´s Bank of China (PBoC) beschlossen, das Programm auf sieben weitere Provinzen des Landes auszudehnen. Ziel ist, dass die Geschäftsbanken mit den Geldern der Zentralbank mehr Kredite vergeben. Von daher könnte man diese Massnahm als chinesische Version der quantitativen Lockerung (QE) bezeichnen. Chinas Aktienmärkte haussieren durch die Aussicht auf mehr Liquidität durch die PBoC – und der Yuan wertet, trotz der Aussicht auf eine durch das QE steigende Geldmenge, weiter auf.

Ob die Hausse der letzten Tage an den Aktienmärkten weiter gehen wird, werden allerdings wohl erst die in dieser Woche anstehenden Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte zeigen: In der Nacht zum Dienstag kommen die Daten zu den Exporten und Importen, die zuletzt so stark enttäuscht hatten. In der Nacht zum Mittwoch dann die Verbraucher- und Erzeugerpreise – wobei vor allem letztere schon seit mehreren Jahren konstant rückläufig sind und auf Deflation deuten. Ausserdem stehen zahlreiche Unternehmensberichte großer chinesischer Firmen an – hier wird sich zeigen, ob und in wie weit die nachlassende Konjunktur des Landes ihre Spuren in konkreten Unternehmensergebnissen hinterlassen wird.

Unterdessen hat Peking offiziell das Ende der „Korrektur“ am Aktienmarkt erklärt: der Vize-Chef der PBoC, Yi Gang, sieht daher keine Gefahren mehr für die Konjunktur im Reich der Mitte durch Verluste am Aktienmarkt. In Folge der Massnahmen, die Peking in Reaktion auf den Crash eingeleitet habe, sei kein Unternehmen pleite gegangen, die Banken des Landes verfügten zudem über starke Kapitalpuffer.

Yi Gang schoss dabei auch eine Breitseite gegen den IWF, der im September sich noch geweigert hatte, den Yuan in seine Sonderziehungsrechte einzubeziehen und dem Yuan damit den endgültigen Durchbruch zur Weltgeltung zu ermöglichen. Das alls untergrabe, so Yi Gang, die Autorität des IWF – deutliche Worte auf einer Konferenz, die vom IWF veranstaltet wurde:

„We are deeply disappointed that the 2010 quota and governance reforms were not ratified by the extended deadline of September 15, 2015, which further undermines the credibility, legitimacy, and effectiveness of the Fund.“

Den vollständigen Redetext von Yi Gang finden Sie hier..



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