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Anleihen

China: Ratingagentur S&P warnt vor „gigantischen Kreditrisiken“!

Chinas verdeckte Schulden – und die Konjunktur kühlt weiter ab!

Markus Fugmann

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am

Sind Chinas Schulden tragfähig?

Kaum ein Land der Welt ist so verschuldet wie China – mithin ist also das Land dazu verdammt, zu wachsen, um dieses Schuldenlast überhaupt noch tragen zu können. Aber sind diese Schulden tragfähig?


(Chart durch anklicken vergrößern)

 

Alleine Chinas staatliche Unternehmen sind mit ca. 160% des BIP verschuldet, die Konsumenten im Reich der Mitte dagegegen sind im internationalen Vergleich recht gering verschuldet. Auch die Verschuldung des chinesischen Staates scheint sich in Grenzen zu halten – scheint! Denn da gibt es gewissermaßen verstecke Schulden, die bei den Provinzregierungen liegen, und genau vor diesen Schulden hat nun die amerikanische Ratingagentur S&P in einer Analyse gewarnt!

 

Verstecke Schulden

Die Zentralregierung in Peking gibt den Provinzen klare Vorgaben in Sachen Verschuldung – allerdings werden diese häufig umgangen durch die sogenannten Local government financing vehicles (LGFVs). Faktisch sind das Investmentvehikel, die nicht in die Bilanzen der Provinzregierungen einfließen und vor allem Infrastrukturprojekte finanzieren sollen. Da diese Infrastrukturprojekte meist langfristig angelegt sind, fehlt es häufig an Erträgen, um die Schulden wieder zu minimieren – im Gegenteil werden oft neue Schulden aufgenommen, um bestehende Schulden aus diesen LGFVs zu refinanzieren.

S&P warnt nun vor einer verdeckten Schuldenbombe und schätzt die in LGFVs versteckten Schulden der Provinzen auf 40 Billionen Yuan (ca. 5 Billionen Euro). Das entspricht ca. 60% der chinesischen Wirtschaftsleistung. S&P sieht darin ein „alarmierend  hohes Niveau“. Bislang seien sie Versuche Pekings, die in den LGFVs schlummernden Schulden tragfähig zu gestalten, nur sehr begrenzt erfolgreich gewesen.

Faktisch heißt das: die Schulden Chinas sind immens – und werden aufgrund der Demografie des Landes latent weniger tragfähig. Durch die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik wird Chinas Gesellschaft schrumpfen, immer weniger Arbeitsfähige werden immer mehr Rentner finanzieren müssen. Die Einzelkinder wiederum sind – so steht zu vermuten – weniger leidensfähig als noch vorherige Generationen, sie werden von ihren Eltern gewissermaßen als Investment gesehen und sich in den nächsten Jahrzehnten einer kaum zu bewältigenden finanziellen Lage gegenüber sehen.

 

Smartphones als Anzeichen der Abkühlung Chinas

Unterdessen zeigen neue Daten aus China Anzeichen einer Abkühlung, die auch die globale Konjunktur betreffen wird: so sind die Smartphone-Auslieferungen (mobile phone shipments) von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um -17% gefallen. Dabei schneiden chinesische Hersteller besser ab als ausländische, da chinesische Mobilgeräte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur um -9,1% rücklaufig waren zwischen Januar und September.

Kürzlich hatte Goldman Sachs gewarnt, dass die Verkäufe von Apple-Produkten (vor allem iPhones) in China enttäuschen dürften, weil Chinas Konjuhnktur deutliche Anzeichen einer Abkühlung zeige. Zudem dürften viele Chinesen angesichts des von den USA begonnenen Handelskriegs amerikanische Produkte tendentiell meiden.

Unterdessen mehren sich die Anzeichen, dass China versucht, angesichts des schwierigen konjunkturellen Umfelds die Aktienmärkte des Landes zu stützen, die sich seit Jahresbeginn so schlecht entwickelt haben wie in kaum einem anderen Land der Welt. So hat Peking die Regularien für Aktienrückkäufe von börsengelisteten Firmen deutlich gelockert, nun haben offenkundig einzelne Lokalregierungen beschlossen, zur Stützung der Aktienkurse lokaler Unternehmen Milliarden von Yuan zur Verfügung zu stellen.

 

By Australian cowboy (talk) – Own work (Original text: I (Australian cowboy (talk)) created this work entirely by myself.), GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11970448

26 Kommentare

26 Comments

  1. Avatar

    Wahrsager

    16. Oktober 2018 12:30 at 12:30

    Schon lustig, wie kann ein Land durch Wachstum seine Schulden bezahlen wenn Wachstum nur durch Schulden entsteht? irgendwie scheinen einige das ex nihilo Geldsystem noch nicht recht in der Gänze verstanden zu haben.
    Auf alles durch Wachstum entstandene Schulden sind Zinsen hinterlegt die nie mitgeschöpft werden,… schon allein aus diesem Grund können Schulden NIE abgebaut werden sondern erzeugen immer neue…. Ponzi und so?
    Das Produkt der Banken sind immer Schulden. An jedem Tag an dem sie weltweit weiter wachsen wird die Macht dieser privaten Geldmacher gestärkt…
    Es gibt in diesem Spiel für alle kein Entrinnen bis zum Reset… Punkt!

    • Avatar

      tm

      16. Oktober 2018 16:17 at 16:17

      Es geht natürlich auch nicht darum, die Schulden absolut abzubauen, sondern die Schuldenquoten zu reduzieren. Und natürlich können die absoluten Schulden langsamer steigen als das nominale BIP. Das ist immer wieder geschehen, die Liste an Beispielen ist sehr lang.

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        Wahrsager

        16. Oktober 2018 19:09 at 19:09

        Ich weiß ja nicht wie manche so gedanklich an die Sache rangehn ,
        ich mein,… wenn man einen Korb mit 5 Äpfeln hat und 8 werden rausgenommen braucht es 3 Äpfel damit der Korb wieder leer ist… klar soweit.
        Nichts anderes ist unser System, da nutzt es auch nichts über Quoten und absolute Schulden zu diskutieren. Es gibt in der Natur kein Minus, alle ist alle.
        Nur in irgendwelchen mathematischen Gehirnwindungen finden solche Überlegungen statt.
        Vielleicht sollte man sich zukünftig darauf konzentrieren das System auf eine Bedarfsökonomie umzustellen und nicht alles auf Pump zu machen… das wäre doch mal ein Ansatz,oder?

        • Avatar

          joah

          16. Oktober 2018 19:31 at 19:31

          Ja, damit könnten zwar einige Blasenbildungen (sinnfreie Überbuchungen) verhindert werden, jedoch wahrscheinlich nicht alle. Die Wertpapiermärkte werden ja faktisch von der überbordenden Erwartungshaltung als Aggregat aller mit dem Streben nach Gewinn überbucht (Gier; Blasenbildung), welche damit immer noch fortbestünde.

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          seidenschwann

          16. Oktober 2018 19:47 at 19:47

          Toller Kommentar

      • Avatar

        joah

        16. Oktober 2018 19:22 at 19:22

        Selbst wenn man die Schuldenquoten reduzieren will, tritt man immer wieder gegen den Zins/Zinseszins an. Dies mag einzelnen Staaten (den leistungsfähigsten) gelingen, aber immer nur auf Kosten anderer. Einer – eher mehrere – müssen immer verlieren, so ist diese Systematik leider bisher konzipiert worden.

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          Wahrsager

          16. Oktober 2018 20:04 at 20:04

          Jip absolut korrekt,… aber das System ist menschengemacht, also durchaus änderbar wenn man es wollte, oder? Ein Problem der menschlichen Emotion? Evolution?
          Aber auch nichts spricht gegen die Gier und der Blasenbildung. Glass-Steagall Act war doch mal eine Idee. Wer der Gier nicht entkommen kann darf ins Casino gehn, auf eigene Gefahr….
          Nichts ist alterantivlos…

          • Avatar

            joah

            16. Oktober 2018 20:37 at 20:37

            Ja, alles ist änderbar. Das schwierige daran ist, das man gegen eine derart festgefahrene und verkarterte Ideologie antritt, die (anscheinend) viele gar nicht loslassen wollen – gleichwohl diejenigen noch gar nicht mal wissen, warum.

            Die noch viel schwierigere Frage ist doch aber hingegen: Wenn wir wissen, das Spielkasinos nur die Kasse nähren, ergo den Benutzer nur schädigen können, warum lassen wir diese dann zu? Warum versuchen wir überhaupt mitzuspielen, wenn wir doch ohnehin wissen, das 99% verlieren werden?

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    Altbär

    16. Oktober 2018 20:27 at 20:27

    Dieses schon lange bekannte u. immer wieder erwähnte Problem von China sollte mindestens den Dauerhaussiers zu denken geben.Hat übrigens viel Ähnlichkeit mit Japan um die 90 er Jahre.
    Nikkeizerfall von 39000 auf ca.7000 lässt grüssen. (. Verlust ca. 80 % )
    @ Andreas , haben sie auch schon gedacht, dass solche Korrektürchen wieder einmal passieren könnten?

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      Andreas

      16. Oktober 2018 21:38 at 21:38

      @Altbär

      Ich hoffe es. Denn tief im Herzen bin ich auch ein Altbär(-;
      Aber an der Börse geht es für mich nun mal ums Geld verdienen. Da sind meine Gefühle und Empfindungen fehl am Platz. Der Markt hat nun mal immer Recht, wissen sie doch.
      Die Statistik spricht nun mal gegen die Bären. Es ist oft sehr hilfreich an der Börse sein Hirn auf Sparflamme zu stellen, stupide Long gehen und ganz einfach nur Geld verdienen. Alles andere drumherum an der Börse ist Nebensache. Und erst Recht FUNDAMENTALES.

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        Wolfgang M.

        17. Oktober 2018 07:51 at 07:51

        @Andreas. Sorry, wenn ich mich einmische, aber mit dem Rückschluss auf das „Fundamentale“ liegen Sie aus meiner Erfahrung falsch. Mittel- und langfristig ist dies das entscheidende, nur hat man die Infos nicht im Voraus. Die Börse nimmt die wirtschaftliche Entwicklung in den meisten Fällen 6 bis 12 Monate vorweg. Ich möchte Ihnen zur Verdeutlichung nur einen kleine Auszug aus meiner nächsten Wochenzusammenfassung bringen:

        Der Dax ist in diesem Jahr besonders schlecht gelaufen. Ständig schlechte Nachrichten von Zollstreit, Brexit, Italien u.s.w. sind das eine, das andere aber die real erwirtschafteten Unternehmensgewinne. Das ist langfristig noch immer das Wichtigste. Und da zeigt sich: Der Dax wird 2018 nicht die Gewinne erreichen, die man zu Jahresbeginn eingepreist hatte.
        Nach 2017, dem Jahr in dem die Unternehmensgewinne um ca. 50% zugelegt hatten, werden die Gewinne 2018 sehr wahrscheinlich bei 95 Mrd.€ stagnieren und nicht zulegen. 20 von 30 Dax-Unternehmen haben schon Grewinnwarnungen herausgegeben. Das ist schlussendlich der Grund, warum der Dax gefallen ist.

        Wenn jetzt eine Rezession kommen sollte und die Dax-Gewinne auf 30 Mrd. € fallen, wird sich der Dax auch dritteln Nur weiß man dies vorher nicht und sonst würde das System Börse als Entdeckungsverfahren auch nicht funktionieren.
        Weil gesagt, die Börse nimmt die Entwicklung „zumeist“ vorweg – es gibt jedoch auch Fehlsignale. Denken Sie nur an das Jahr 2017, wo in den USA die Kurse gestiegen sind, weil man die Umsetzung der Steuerreform eingepreist hat. Oder sehen Sie sich einen Dax-Chart an, in dem die Jahresgewinne des Dax unter den Langfristverlauf über die Jahre gelegt sind. Das Problem ist, dass die Masse der Anleger dies vorher nicht antizipieren kann und das mit der „Zukunft vorhersagen“ ist sowieso eine andere Sache. Die große Entwicklung der Börse ist aus meiner 30-jährigem Erfahrungen schon zu erkennen, wenngleich nicht konkret auf ein Quartal oder manchmal sogar nicht auf ein Jahr bezogen. Das Kurzfristige ist etwas ganz anderes. Da sorgen schon die Psychologie, Gerüchte, Meldungen, insbesodere Angst und Gier u.s.w. für jede Menge Bewegung. Meine Erkenntnis.
        Viele Grüße

        • Avatar

          Andreas

          17. Oktober 2018 08:58 at 08:58

          @Wolfgang M.

          Danke für ihre Erläuterungen und ihre Sichtweise. Ihren Punkten oder den Berichten und Artikeln von Herrn Fugmann muss ich fundamental gesehen natürlich Recht geben. Wie könnte ich dem auch widersprechen? Deshalb vorab auch ein Lob an sie und die FMW für die tägliche Dosis Wahrheit und einen guten Überblick über das Weltgeschehen.

          An der Börse verfolge ich allerdings einen anderen Ansatz. Ich war früher großer Gegner der Chartanalyse. Ich wollte nur fundamental handeln. Ich kann ihnen sagen, das ging leider sehr oft in die Hose.
          Erst nachdem ich mich der Charttechnik gewidmet habe, sind meine Trades sehr häufig im Gewinnbereich. Ich handle auch meist Trades im Daytrading oder Swingtradingbereich. Fundamentale News haben sehr wenig Einfluss auf meine Trades.

          Sehr langfristig gesehen wird der Tag kommen, an dem bricht alles fundamentale auf einem Schlag über die Börsenwelt zusammen. Keiner weiß wann dieser Tag eintrifft. Dann ist die Charttechnik erst einmal Geschichte. Bis dahin reicht aber zu 90% die Chartanalyse und nur ein klein wenig das fundamentale für mein Trading.

          Wie ich Altbär schon schrieb, im Grunde bin ich auch ein Bär, seit Jahren schon, darum besitze ich Edelmetalle. Aber die Börse will nun mal weiter hoch. Da kann ich nichts dagegen tun(-;

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    Altbär

    17. Oktober 2018 10:50 at 10:50

    @Andreas, Ich bin froh ,dass eine kompetente Person wie Wolfgang sie versucht von den Wolken herunterzuholen.Sie sollten einfach mal Daytrading von Aktien als Anlagen unterscheiden.In einem 10jährigen Anstieg lagen sie natürlich richtig, dass es mit Long gehen mehr Gewinnmöglichkeiten gab.Da aber die meisten Börsen ( ausser USA) seit Anfang Jahr im Minus liegen hat es logischerweise auch im Daytrading mehr Verluste als Gewinne gegeben. ( siehe Dax)
    Da sie wie viele andere mit ihren Longs in den letzten 10 Jahren ein Vermögen angehäuft haben müssten,
    nehme ich an dass dieses Geld grösstenteils in Aktien als Anlage mit erstaunlichen Buchgewinnen irgendwo
    liegt.Wenn irgendwann nur ein Teil dieser Buchgewinne realisiert wird ( was z.B. in Europa u.China schon passiert ist) ist ihre ewige Long- Theorie für einige Zeit Makulatur .Wie Wolfgang M. sagte, früher oder später werden die Märkte wieder von den Fundamentals eingeholt.
    Ich glaube nur schon eine grosse Verkaufsorder hat am 10.Okt. in 2Tagen eine ca.8% Korrektur ausgelöst.
    Nicht zu denken, was passiert wenn mehrere grössere Spieler ihre Chips ( Buchgewinne) einlösen wollen.

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      Columbo

      17. Oktober 2018 11:39 at 11:39

      Die „Jungen Wilden“ in den unzähligen Finanzblogs glauben das Rad erfunden zu haben, indem sie jedem, ob er es will oder nicht, beibringen wollen, man müsse nur irgendwann einen Index kaufen und nie mehr verkaufen, auch mit 90 nicht. Das ginge immer gut. Aber irgendwann muß man verkaufen und sich was leisten, ein Iphone, eine Villa oder die Ausbildung der Kinder. Vor dem Herzinfarkt, sonst ist das Ganze sinnlos. Das ist der Realgewinn. Der Buchgewinn ist so schnell weg, wie er gekommen ist, sonst wär es nicht die Börse. Den richtigen Verkaufszeitpunkt zu erraten ist eine Illusion, genau wie den richtigen Kaufzeitpunkt.

  4. Avatar

    Altbär

    17. Oktober 2018 13:28 at 13:28

    @Columbo, gute Antwort eines „ ALTEN GEZÄHMTEN“ an einen „ JUNGEN WILDEN“
    Mit seiner 4jährigen Erfahrung ist der junge Wilde halt noch ein AZUBI. Er sollte das nicht als Kritik sehen, sondern aus der Erfahrung der ALTEN lernen.
    Es gibt zwei Arten zu lernen.
    1. Aus eigenen Fehlern , die meistens teuer sind.
    2. Aus Fehlern u. Erfahrungen von andern, die bekommt man gratis von den oft verschmähten Realisten, die in letzter Zeit wegen der totalen Manipulation der Märkte oft ( noch ) falsch lagen.Sehr oft wurden
    sie auch Crash- Propheten genannt.
    Obwohl die Börsen seit Jahrhunderten immer auf u.abwärts gingen haftet an den Korrektur – Warnern ein
    Negativ- Image, während die Permabullen mit immerwährenden Aufwärtsprognosen sehr beliebt sind.
    Ja Politiker , die alles unmögliche Versprechen werden ja auch eher gewählt als Sparfüchse.
    Immerhin richten die IMMERAUFWÄRTS-PROPHETEN mehr Schaden an als CRASH- PROPHETEN
    Ein entgangener Gewinn bei zu frühem Ausstieg ist weniger tragisch als ein 50% Verlust bei einem Crash.
    Bei einem Crash werden oft ganze Unternehmen u.Familien ruiniert.Ich habe beim 87 er Crash im Nachbardorf einen Fall erlebt, u. habe dabei gratis aus Fehlern von andern gelernt.

  5. Avatar

    Andreas

    17. Oktober 2018 13:38 at 13:38

    Man hört deutlich die zerknirschtheit von den „alten Hasen“, die den längsten Bullenmatkt der Geschichte nur am Seitenrand mit angesehen haben. Da man vor lauter „German Angst“ nicht selbst investiert war gönnt man es anderen nicht. Typisch deutsche pessimistische Neidgesellschaft.
    Ich erkenne auch die gute Antwort vom Columbo nicht, den diese ist schlicht falsch. Da ist nichts wahres dran.
    Wenn die Welt Untergeht, geht’s allen schlecht, auch euch beiden Miesepeter. Wenn die Welt rund läuft, kann man an der Börse partizipieren und schöne Gewinne machen. Aber dennoch gibt es viele Seitenrandsteher, die alles verpassen, nicht wahr, Altbärchen und Columbo?

    Viel Erfolg noch mit eurer Einstellung! Ihr habt es damit bestimmt weit gebracht.

    • Avatar

      Columbo

      17. Oktober 2018 14:07 at 14:07

      @Andreas, es gibt noch etwas zwischen dem „Rundlaufen“ und dem „Weltuntergang“ und das kam in der Börsengeschichte häufig vor. Genau in diesen Zeiten haben die „alten Hasen“ sehr schöne Gewinne gemacht und werden sie machen. Versprochen.

      • Avatar

        Andreas

        17. Oktober 2018 14:38 at 14:38

        Mit Gold etwa?
        Kann sein, kann auch nicht sein.
        Sollte Gold steigen, dann gewinne ich auch, da ich ebenfalls welches besitze.

  6. Avatar

    Altbär

    17. Oktober 2018 14:09 at 14:09

    @ Andreas, statt die Gratisratschläge anzunehmen, reagiert er verärgert.
    Ich glaube Columbo führt ein gutes Leben u.was mich betrifft täuschen sie sich gewaltig.
    Mein Geld liegt in Immobilien an allerbester Lage u.hat sich in den letzten Jahren mehr als verdreifacht.
    Zudem bin ich Profiteur der manipulierten tiefen Zinsen u.die sind noch auf mindestens 10 Jahre
    fest garantiert.Ich gebe auch zu, die Börsenhausse verpasst zu haben.
    Ich bin aber fest entschlossen bei der nächsten Korrektur mit Leerverkäufen die von Ihnen nie erwartete Korrektur mitzuspielen.Die angesprochene Zerknirschtheit u. Anspannung müsste eher bei den vollinvestierten Aktienbesitzern zutreffen.
    NB. Ich möchte sie nicht bekehren, sie dürfen bei einer Korrektur soviel Geld verlieren wie sie wollen.z

    • Avatar

      Andreas

      17. Oktober 2018 14:43 at 14:43

      Altbär

      Ihre Gratisratschläge habe ich bereits seit Kindheitsbeinen von meinen Eltern gelernt, vielen dank aber für die Wiederholung, schaden kanns ja nicht.
      Was Immobilien anbetrifft, meine erste habe ich mit 25 Jahren selber gebaut. Immobilien gehören auch zu meinem Geschäft. Aber woher wollen sie wissen das die Zinsen die nächsten 10 Jahre niedrig bleiben? Werden dann nicht auch Aktien die nächsten 10 Jahre ansteigen, da alternativlos. Und bedenken sie Immobilien sind immobil, nicht beweglich. Der Staat hat da potenzielle neue Einnahmequellen, sollte es crashen.
      Und wie Roberto geschrieben hat(vielen Dank Roberto!), auch ich verdiene wenn die Kurse fallen. So einfach ist es. Oder besitzen nur sie das Recht zu shorten?

  7. Avatar

    Roberto

    17. Oktober 2018 14:14 at 14:14

    @ Altbär

    Hallo Herr Altbär,
    Sie sagen das es im daytrading Verluste gegebne haben muß weil die Indizes seit Jahresbeginn im Minus stehen. Ich respektiere Ihre Fundamentale Einstellung und finde sie zum Teil auch richtig.
    Allerdings haben Sie vom Daytrading nicht die leiseste Ahnung, wie der o.g. Satz von Ihnen beweist. Ich oder auch ANDREAS gehen am Tag mehrere Male long und short und partizipieren von der Bewegung im Markt, egal ob runter oder rauf. Logisch das es dort Verluste gibt, genauso wie Gewinne. Abgerechnet wird bei uns auch immer bereits am Tagesende und nicht erst am Jahresende.Wir betrachten den Tag und seine Möglichkeiten die uns geboten werden und warten nicht auf den Sanktnimmerleinstag der uns endlich zeigt das es einen crash gibt. Nur eins weiß ich ganz genau, wenn der crash kommt, werde ich an diesem genauso Geld verdienen wie an der Hausse…und das nur deshalb weil ich und ANDREAS flexibel sind….und noch etwas: Andreas ist zwar „nur“ 4 Jahre am Markt, dafür aber sehr intensiv weil er sich täglich positioniert und ständig umdenken muß. Und nur weil man seit 1987 dabei ist, heisst es nicht das man deshalb besser ist. Ich selbst bin seit über 20 Jahren dabei…ich würde aber niemals behaupten das ich besser bin als jemand der nur 4 Jahre dabei ist. Denn dann wüürde ich quantität mit qualität verwechseln und das ist nicht richtig.
    In diesem Sinne bitte etwas mehr Demut und nicht immer den klügsten spielen wollen…

    VG
    Roberto

    • Avatar

      Columbo

      17. Oktober 2018 14:25 at 14:25

      @Roberto, vom Daytrading hab ich ebenfalls nicht die leiseste Ahnung. Ich weiß nur, daß 80% der Daytrader nach einem Jahr pleite sind. Mehr will ich gar nicht wissen.

      • Avatar

        Roberto

        17. Oktober 2018 14:57 at 14:57

        @ Columbo @ Altbär

        deshalb sind ja solche Leute wie ich nach 20 Jahren und Andreas nach 4 Jahren immer noch da….
        Ich verstehe nicht warum man immer gegen die Leute wettern muß, die nun mal anders agieren und damit nicht nur glücklich sondern auch erfolgreich sind.

        Das werden wohl nur diejenigen wissen die es tun…..

        @ Altbär,

        sehen Sie Herr Altbär…ich habe mich eben nicht als den klügsten dargestellt nur weil ich 20 Jahre dabei bin…das können Sie in meinem Kommentar lesen…aber Sie wollen es so sehen und versuchen es umzudrehen und so zu schreiben damit Sie wieder in einem guten Licht stehen…aber jeder der meinen Kommentar mit Ihrem letzten vergleicht weiß genau das es so ist wie ich es schrieb…SIE WOLLEN der klügste sein und merken das es so nicht sein kann, also tun Sie so als ob der andere so tut….
        Sorry Herr Altbär, da müssen Sie schon früher aufstehen…..:-)

  8. Avatar

    Altbär

    17. Oktober 2018 14:31 at 14:31

    Ja lieber Roberto, weil ich eben weiss ,dass im Daytrading mehr als 50% der Leute Verluste machen , mache ich es nicht.
    Aber bitte, wenn der DAX heute ca. 20 % tiefer steht als anfangs Jahr , dann waren eben die Abwärtsbewegungen insgesamt etwa 2000 Punkte grösser u.somit mit Short- Positionen mehr zu gewinnen
    Zudem will ich nicht der Klügste sein, ich bin zufrieden mit dem Drittklügsten hinter ihnen u. Andreas.

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Staatsbankrott: Was passiert da eigentlich? Argentinien zeigt es!

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Wenn ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ist das eine Katastrophe für seine Bürger, die Unternehmen im Land und natürlich auch für die Gläubiger, die auf einen Großteil ihres Geldes verzichten müssen. Doch wie genau ist der Ablauf eines Staatsbankrotts? Da Argentinien gerade wieder zahlungsunfähig ist (schon im Februar forderte der IWF einen Schuldenschnitt) und sich in Verhandlungen mit seinen Gläubigern befindet, können wir an diesem Beispiel lernen, wie der Vorgang abläuft!

Die Insolvenz eines Staates ist ein häufiges Ereignis. In den vergangenen 200 Jahren kam es statistisch gesehen zu mehr als einem Staatsbankrott pro Jahr weltweit. Seit der Abschaffung der Golddeckung und der weitgehend unregulierten Schöpfung ungedeckten Fiatgeldes nahm die Frequenz der Staatsbankrotte sogar deutlich zu. So gab es zwischen 1980 und 2010 pro Jahr durchschnittlich drei insolvente Staaten auf der Erde.

Es gibt kein gesetzlich geregeltes Insolvenzverfahren für den Staatsbankrott

Umso interessanter ist es, dass es zwar gesetzliche Regelungen für den Fall eines Staatsbankrottes gibt, die aber im Falle zum Beispiel der Bundesrepublik Deutschland eine Insolvenz, genauer gesagt ein Insolvenzverfahren, explizit NICHT vorsehen. Doch Papier ist geduldig. Wenn Deutschland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, ist das Land insolvent – Gesetz hin oder her.keine gesetzlichen Regelungen für den Fall eines Staatsbankrotts gibt. Zwar mag es dann kein Insolvenzverfahren wie bei Unternehmen oder Privatpersonen geben. Doch eine Art von Insolvenzverfahren findet dennoch statt: die Verhandlung mit den Gläubigern. Zwar kann ein Staat die Zahlungen an seine Gläubiger einstellen. Doch bis es keine Einigung mit diesen gab, wird das Land auch keine neuen Kredite bekommen. Zumindest keine Auslandskredite. Kredite in der heimischen Währung könnte sich ein Staat theoretisch über die Zentralbank selbst geben, wie es zum Beispiel in den USA und der Eurozone schon seit geraumer Zeit nur wenig versteckt stattfindet.

Kann ein Staat keine Devisen mehr beschaffen, leidet darunter die heimische Bevölkerung und die Unternehmen. Importe sind dann nur noch in dem Umfang möglich, in dem Devisen mittels Exporten erwirtschaftet werden. Um einen Ausgleich zwischen Importen und Exporten herzustellen, muss die Währung gegenüber den ausländischen Währungen abwerten. Die dann in der Regel herrschende Devisenknappheit zwingt die Menschen dazu, ihre Ersparnisse in der heimischen Währung zu halten, die im Falle eines Staatsbankrotts jedoch zu hoher Inflation neigt. Die Währungsabwertung heizt die Inflation zusätzlich an, da Importwaren teurer werden. Haben die Menschen und Unternehmen Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung, sind zahlreiche Privat- und Unternehmensinsolvenzen zu erwarten. Selbst wenn die Schuldner in der Lage wären, Devisen zu beschaffen, wären die Kredite durch die Währungsabwertung deutlich teurer als zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme.

Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, bekommen aber teils noch Geld zurück

Eine Einigung mit den Gläubigern und der daraufhin wieder mögliche Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten ist daher ein vordringliches Ziel der Regierung nach einem Staatsbankrott. Den meisten Gläubigern ist bewusst, dass eine vollständige Rückzahlung ihrer Forderungen unwahrscheinlich ist. In der Regel kauften die Gläubiger die Schuldtitel bereits mit deutlichen Preisabschlägen an der Börse und kassierten hohe Zinsen bis zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung. Eine Einigung, die in der Regel einen teilweisen Schuldenerlass, niedrigere Zinsen und gestreckte Zahlungsziele beinhaltet, wird daher relativ schnell gefunden. Interessant ist, dass die Insolvenzquoten bei Staatsbankrotten oft relativ hoch sind. Bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen ist in der Regel für die Gläubiger ein Totalverlust anzunehmen. Bei Staatsbankrotten sind 30% oder auch fast 50% Rückzahlungsquoten möglich. Das Beispiel Argentinien zeigt jedoch, dass sich inzwischen auch einige Hedgefonds darauf spezialisierten, die Anleihen praktisch bankrotter Staaten zu Schnäppchenpreisen aufzukaufen und dann auf vollständige Tilgung des Nennwerts zu pochen.

Bis es zu einer Einigung mit den Gläubigern kommt, können diese auch den Besitz des säumigen Staates im Ausland beschlagnahmen lassen. So ließ ein US-Hedgefonds ein argentinisches Marineschiff beschlagnahmen, weil Argentinien sich weigerte, die vom Hedgefonds gehaltenen Anleihen zum vollen Nennwert zu tilgen.

Beispiel Argentinien: Bankrott seit Ende Januar

Argentinien erklärte am 29. Januar 2020, dass es plane, den Gläubigern ein Programm zur Schuldenrestrukturierung zu präsentieren. Mit anderen Worten: Argentinien könnte zwar seine Schulden noch bedienen, weigert sich aber, es zu tun. Am 19. Februar bestätigten Prüfer des Internationalen Währungsfonds, dass die Staatsschulden Argentiniens in der Tat nicht mehr tragbar seien. Am 21. April präsentierte Argentinien schließlich seinen Plan zur Restrukturierung von 69 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden und setzte den Gläubigern eine Frist bis zum 8. Mai, um diesen Plan zu akzeptieren.

Die dachten natürlich nicht daran, den Plan einfach durchzuwinken. In persönlichen Treffen und Videokonferenzen versuchte Argentinien, die größten Gläubiger zu überzeugen. Schließlich musste jedoch am 7. Mai verkündet werden, dass man für Gegenvorschläge der Gläubiger offen sei. Die Frist zur Annahme des Restrukturierungsangebots wird in den kommenden Wochen mehrfach verlängert. In der Zwischenzeit wurden auch die ersten Zinszahlungen fällig, die Argentinien nicht bezahlte. Das Land ist damit offiziell zahlungsunfähig und hat damit bereits den neunten Staatsbankrott seiner Geschichte erklärt.

Nach Wochen des Wartens präsentieren erste große Gläubiger ihre Vorschläge zur Restrukturierung der Schulden. Sie bieten einen Schuldenerlass von rund 45% an, was Argentinien zu wenig ist. Schließlich einigt sich Argentinien am 2. August doch noch auf einen Schuldenerlass von 45,2% mit dem Großteil seiner Gläubiger.

Im Endeffekt dauerte der Staatsbankrott also nur rund ein halbes Jahr. Für Argentinien wird es nach der Einigung noch nicht sofort so sein wie vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit. Investoren werden noch eine Weile merkliche Risikoaufschläge für neue Kredite verlangen. Und vermutlich wird es auch wieder den einen oder anderen Gläubiger geben, der auf vollständige Tilgung seiner Anleihen besteht. Der Wechselkurs des argentinischen Peso wird sich aller Voraussicht nach auch nicht erholen, solange Argentinien nicht das grundlegende Problem der negativen Zahlungsbilanz löst. Der teilweise Schuldenerlass gab dem Land nur eine Atempause.

Der Obelisco als Smybol für Argentinien - Staatsbankrott lähmt das Land
Der Obelisco in Buenos Aires. Foto: Gobierno de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires CC BY 2.5 ar

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Wann brechen die Staatsschulden den USA das Genick?

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Trotz massiv steigender Staatsschulden geht die Party in den USA weiter

Die Staatsschulden der USA steigen während der Coronakrise im Rekordtempo. Doch es ist nicht der schiere Berg an immer schneller wachsenden Schulden, der Sorgen bereitet, sondern der ebenso enorme kurzfristige Refinanzierungsbedarf für Altschulden. Insolvent wird ein Staat schließlich nicht, wenn der letzte Kredit-Cent nicht zurückgezahlt werden kann, sondern bereits, wenn das beim ersten nicht gelingt. Allein im kommenden Jahr müssen die USA 7,4 Billionen US-Dollar umschulden – mehr, als der Staat Anfang 2010 insgesamt an börsengehandelten Schuldtiteln emittiert hatte. Gelingt nur eine Refinanzierung nicht, weil der Appetit des Marktes auf niedrig verzinste US-Staatsanleihen nachlässt, wären die USA insolvent. Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderes Szenario: Ein schleichender Vertrauensverlust in den US-Dollar.

Staatsschulden verändern sich in ihrer Zusammensetzung ständig

Viele sehen Staatsschulden als etwas monolithisches, unveränderliches, einfach immer nur weiter wachsendes Etwas an. Doch die Schulden eines Staates gleichen eher einem Ameisenhaufen. Sie setzen sich zusammen aus einer Vielzahl von Schuldtiteln unterschiedlicher Laufzeit, unterschiedlichen Zinsen und unterschiedlichen Umfangs – und diese Zusammensetzung ändert sich ständig. Das heißt, dass zum Beispiel in den 70er Jahren aufgenommene Schulden in den meisten Fällen gar nicht mehr existieren. Sie wurden zwischenzeitlich in den allermeisten Fällen schon mehrfach umgeschuldet. Immer dann, wenn eine alte Anleihe fällig wird, emittiert der Staat eine neue Anleihe. Die Einnahmen aus der neuen Anleihe fließen sofort zur Tilgung der alten Anleihe zurück an Anleger. Durch Zinszahlungen und die Finanzierung der oft defizitären Staatshaushalte wächst sowohl das Volumen der neuen Anleihe-Emissionen als auch deren Anzahl immer weiter an.

Ein Beispiel: Die USA hatten Ende Februar 2010 börsengehandelte Staatsschulden von insgesamt 7,39 Billionen US-Dollar. Von diesen 7,39 Billionen waren damals binnen eines Jahres 2,5 Billionen US-Dollar fällig. Das heißt, die USA mussten in einem Jahr neue Anleihen im Umfang von 2,5 Billionen US-Dollar ausgeben, um die alten fällig werdenden Anleihen zu tilgen. Zusätzlich mussten weitere rund 1,6 Billionen US-Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um das Defizit im Staatshaushalt auszugleichen.

Die USA finanzieren ihre Schulden immer kurzfristiger

Im Laufe der vergangenen zehneinhalb Jahre wuchs so die in Form von Anleihen börsenhandelbaren Staatsschulden auf heute 19,9 Billionen US-Dollar an (hier ein Blick auf die offiziellen Gesamtschulden). Inzwischen werden in den kommenden zwölf Monaten bereits 7,4 Billionen US-Dollar fällig. 3/4 der Neuverschuldung der vergangenen zwölf Monate wurde mit extrem kurz laufenden Anleihen finanziert. Der Trend zu längeren Laufzeiten kehrte sich während der Coronakrise binnen weniger Wochen wieder um. Das ist kurzfristig eine tolle Sache für den Staat, da er für Anleihen mit bis zu einjähriger Laufzeit nur Zinsen von bis zu 0,1% bezahlen muss. Kurzfristige Schulden sind für die USA also derzeit fast gratis. Für Deutschland würden sie sogar Zinseinnahmen generieren, da die Zinsen für deutsche Staatsanleihen negativ sind.

Der Haken an der Sache ist, dass kurzfristige Schulden auch öfter refinanziert werden müssen. Das macht die Staatsschulden anfällig für Zinserhöhungen. Denn bei jeder Refinanzierung muss der Schuldner natürlich den dann aktuellen Marktzinssatz zahlen. Würden die USA die Schulden gleich für fünf, zehn oder mehr Jahre aufnehmen, müssten sie zwar ein wenig höhere Zinsen zahlen. Die wären dann aber für die volle Laufzeit der Anleihen sicher. In der Zwischenzeit steigende Zinsen würden nicht nach kurzer Zeit zu höheren Zinsbelastungen für den US-amerikanischen Staatshaushalt führen.

Ein weiterer Nachteil der kurzen Laufzeiten ist, dass die USA permanent Investoren davon überzeugen müssen, Billionen US-Dollar in die USA zu reinvestieren. Käme es zu einer Vertrauenskrise, dann wird es wahrscheinlich unmöglich sein, sieben Billionen US-Dollar in einem Jahr aufzutreiben oder gar 14 Billionen in den kommenden fünf Jahren. Bei Vertrauensverlust steigen natürlich als Erstes die Zinsen an, was die Schuldenlast der USA angesichts der kurzen durchschnittlichen Laufzeit schnell untragbar macht. Durchschnittlich beträgt die Laufzeit nur noch 62 Monate. Bei steigenden Zinsen müssten also nach 62 Monaten die kompletten derzeit knapp 20 Billionen US-Dollar zum dann höheren Zinssatz refinanziert werden.

Langfristig wird die US-Zentralbank alle neuen Staatsschulden finanzieren müssen

Angesichts der hohen Summen ist es wahrscheinlich, dass bei einem Vertrauensverlust selbst bei gestiegenen Zinsen über kurz oder lang nicht mehr genügend Investoren überzeugt werden können, den USA Geld zu leihen. Und sobald nicht mehr genug Interesse an Neuemissionen besteht, um die fällig werdenden Altschulden zu tilgen, wären die USA zahlungsunfähig. Im Falle Griechenlands ging dieser Prozess innerhalb weniger Wochen vonstatten.

Im Unterschied zu Griechenland können die USA jedoch ihr eigenes Geld drucken. Schon heute sehen wir, dass die US-Zentralbank einen beträchtlichen Teil der US-Staatsschulden kauft. Es ist anzunehmen, dass dieser Anteil mittel- und langfristig weiter ansteigt, bis irgendwann die Zentralbank der einzige Käufer der Anleihen ist. Schon vorher wird das Vertrauen in den US-Dollar massiv schwinden. Denn eine Zentralbank, die Jahr für Jahr Billionensummen schöpft, um den eigenen Staat zu finanzieren, hat keinerlei Vertrauen mehr verdient. Die Kaufkraft des US-Dollars wird im In- und Ausland schrumpfen. Inflation im Inland und Abwertung im Ausland werden die Folge sein.

Trumps Ansinnen, das Außenhandelsbilanzdefizit der USA zu reduzieren, macht es übrigens nicht besser. Bisher exportierten die USA Jahr für Jahr US-Dollar im Austausch für Waren. Diese US-Dollar flossen zum Teil zurück und wurden in US-Staatsanleihen investiert. Wenn das Defizit reduziert wird, reduzieren sich damit auch die Exporte von US-Dollar und der Rückfluss in US-Staatsanleihen. Gleichzeitig steigt das Emissionsvolumen, was mehr und nicht weniger Käufer für die Papiere benötigt.

Ob angesichts der sich immer schneller drehenden Schuldenspirale überhaupt noch ein Kurswechsel möglich ist, darf bezweifelt werden. In die Staatspleite wird diese Spirale bei den Staatsschulden im Falle der USA jedoch auf absehbare Zeit noch nicht münden. Dafür ist das Vertrauen in den US-Dollar weltweit noch immer zu groß und die Zahl der Alternativen zu klein. Dollarbesitzer sollten sich jedoch auf einen beschleunigten Verlust ihrer Kaufkraft einstellen.

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Anleihen

Goldpreis: Aktuell echte Stärke, und ein Blick auf die Realrenditen

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Haben Sie Freitag Nachmittag unsere Berichterstattung zum Thema Gold verfolgt? Da fiel der Goldpreis plötzlich. Zeitgleich war der US-Dollar (gut sichtbar im Währungskorb „Dollar-Index“) deutlich gestiegen. Oft gibt es eine klare Korrelation. Dollar stark, Gold schwach, und umgekehrt! Und so geschah es dann auch zügig am Freitag Nachmittag. Der Dollar-Index kletterte schon den ganzen Freitag von 92,52 auf über 93,50 Punkte. Und der Goldpreis sackte ab von 1.975 auf 1.960 Dollar, wohl vor allem als Reaktion auf den starken US-Dollar.

Goldpreis kann sich halten

Aber seitdem? Da zeigt der Goldpreis eine aktuelle Stärke. Denn schauen wir hier mal auf den aktuellen Chart, wo Gold in rot-grün gezeigt wird, und der Dollar-Index in blau. Der Greenback ist auch übers Wochenende weiter deutlich gestiegen auf jetzt 93,82 Punkte. Demnach hätte der Goldpreis weiter fallen können oder sogar müssen? Aber nein, das Edelmetall hält sich robust bei 1.971 Dollar. Dies kann man als aktuell echte Stärke bezeichnen. Weitere Anläufe über 1.980 Dollar und in Richtung der großen runden Marke von 2.000 Dollar sind jederzeit möglich? Vor allem, wenn der Dollar-Index wieder kehrt macht gen Süden? Es bleibt spannend.

Chart zeigt Goldpreis gegen Dollar-Index

Realrenditen

Die realen Renditen von Anleihen ergeben sich aus dem Zins abzüglich der Inflationsrate. Holger Zschaepitz hat im folgenden Chart, der bis zu den 90er-Jahren zurückreicht, die Realrendite deutscher Bundesanleihen gezeigt. Schon seit Jahren liegen sie im negativen Bereich. Ganz aktuell kommen sie etwas nach oben Richtung Null-Linie. Dies liegt aktuell aber wohl nur daran, dass die Inflation in Deutschland auf Null gesunken und sogar in die Deflation gerutscht ist. Und das wiederum liegt wohl vor allem an der jüngst in Kraft getretenen Mehrwertsteuersenkung, durch die viele Produkte billiger wurden.

In der folgenden Grafik der Notenbank von St. Louis sieht man für zehnjährige US-Staatsanleihen den inflationsbereinigten Zins. Seit Januar diesen Jahres geht es in den Minusbereich. Der Chart reicht von 2018 bis zum letzten Donnerstag. Es geht weiter Richtung Süden. Was lernen wir daraus? Je schlechter verzinsz Anleihen global sind, desto größer grundsätzlich der Drang von Anlegern Richtung Edelmetalle, was dem Goldpreis helfen sollte (hier dazu ein interessantes Video von Markus Fugmann). Eine Garantie für steigendes Gold ist das nicht, aber von der Grundtendenz her… wenn man sieht, 2018 lag der Goldpreis noch bei 1.300 Dollar!

US-Realrendite fällt immer weiter

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