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China-Russland-Handel: Die Sanktionen und die Zahnstocher

Der Westen sanktioniert den Handel mit Russland, also ist Moskau zunehmend auf China angewiesen. Ein Blick in die Handelswelt.

Russland-Fahne und Münzen
Grafik: Inna-Zueva5-Freepik.com

Seit Jahren ist China ein zentraler Handelspartner für Russland, aber durch Sanktionen und geopolitische Konflikte geraten sogar alltägliche Produkte wie Zahnstocher in den Sog globaler Politik.

Ein Geschäft im Wandel: Zahnstocher aus China für Russland

Seit fast zehn Jahren habe ich einen loyalen amerikanischen Kunden, für den ich über die Jahre hinweg diverse Waren in China produzieren ließ. Vor etwa sieben Jahren trat er an mich heran, um Zahnstocher zu beziehen – ein Geschäft, das sich als stabil erwies. So orderte er regelmäßig alle 3-6 Monate einen High-Cube-Container, einen extra hohen Container, gefüllt mit Zahnstochern. China trägt nicht umsonst den Titel „Werkbank der Welt“, wo so gut wie alles produziert wird. Preiswerte Konsumgüter wie Zahnstocher machen etwa 6 % der jährlichen Exporte des Landes aus.

Grafik zeigt Exporte aus China

Ein solcher Container fasst mehrere Millionen Holzstäbchen, die in der nordchinesischen Stadt Harbin aus Abfällen russischer Birken hergestellt werden. Harbin, etwa 300 Kilometer von der russischen Grenze entfernt am Songhua-Fluss gelegen, ist bekannt für sein jährliches Eisfestival, bei dem hunderte Skulpturen aus Schnee und Eis entstehen und zahlreiche Touristen anziehen.

Die Stadt hat auch eine interessante Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts wählte das russische Reich Harbin als Startpunkt der Ostchinesischen Eisenbahn und errichtete sie im Rahmen der „Ungleichen Verträge“ auf ehemals chinesischem Territorium. Bis heute zeugen die Architektur und die noch bestehende Deutsche Kirche von der internationalen Vergangenheit der Stadt. Für mich bedeutete das regelmäßige Reisen nach Harbin zur Qualitätskontrolle – bis mein Kunde ankündigte, dass seine Kunden keine Waren mehr aus China beziehen wollten. Ein Aufenthalt, den ich durchaus jedes Mal genoss.

Also suchte ich mit meiner vietnamesischen Geschäftspartnerin nach Alternativen, die sich jedoch als erheblich teurer herausstellten. Letztlich entschieden wir, die Zahnstocher weiterhin in Harbin zu produzieren, sie nach Vietnam zu verschiffen und dort umzuverpacken, um sie dann als „Made in Vietnam“ in die USA zu versenden. Dieses Arrangement brachte meiner Partnerin einen zusätzlichen Auftrag und dem Kunden eine preiswerte Lösung – auch wenn meine Marge ein wenig Sanktionen und ihre Folgen für den Zahlungsverkehr

Dann kam der 24. Februar 2022. Russlands Einmarsch in die Ukraine brachte umfassende Sanktionen der westlichen Länder, inklusive dem Ausschluss Russlands aus dem SWIFT-Zahlungssystem. Zunächst änderte sich für uns nichts, doch mit jeder Bestellung wurden die Hürden höher. Zuerst forderte meine Bank eine Erklärung, dass ich mit Kundengeldern keine russischen Produkte kaufen würde. Im Frühjahr 2023 stellte die Bank of China, bisher die Bank meines Zulieferers, die Zahlungen nach Russland ein. Nach einem Wechsel zur Lokalbank endete auch dort im Herbst die Überweisungsmöglichkeit.

Seit diesem Frühjahr verschärfen die USA ihre Drohungen gegenüber Banken und Unternehmen, die weiterhin mit Russland handeln, mit dem Risiko eines Ausschlusses vom US-Markt (die sogenannten „sekundären Sanktionen“). Kleinere chinesische Banken, die auf Netzwerke wie die Bank of China angewiesen sind, mussten daher ebenfalls die Transaktionen einstellen – unabhängig davon, ob sie SWIFT oder das chinesische CIPS-System nutzen.

Jede Bestellung zog sich zunehmend in die Länge, da immer mehr Banken – auch die kleineren – die Annahme der Zahlungen verweigerten. Von unserer Seite als Auftraggeber verlagerten wir daher die Zahlungen von Hongkong nach Singapur. Mein Lieferant musste immer wieder eine neue Bank suchen. Die derzeit einzige praktikable Lösung ist, dass mein Supplier den Betrag zuzüglich einer Gebühr an einen russischen Mittelsmann übergibt. Dieser hat selbst eine besondere Situation: Er lebt in China, kann aber weiterhin auf seine Bankkonten in Russland zugreifen, aber kein Geld von Russland nach China überweisen. So kann er die Beträge von seinen russischen Konten begleichen und erhält dafür Yuan, mit denen er sein Leben in China finanzieren kann.

So zeigt sich die Wirkung der Sanktionen deutlich. Gleichzeitig verändert der sino-amerikanische Handelskonflikt die Handelsströme. Für unser Geschäftsmodell nutzen wir das Re-Labeling über Vietnam, und bei anderen Projekten werden die Produkte teilweise in China produziert und in Vietnam endgefertigt.

Russlands Energieeinnahmen: Mehr Exporte, weniger Gewinn

Der Einfluss der Sanktionen zeigt sich auch bei den chinesischen Importen aus Russland, die im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,1 % gestiegen sind – das niedrigste Wachstum in diesem Jahr. Rechnet man die Abwertung des Yuan von 1,5 % dazu, ergibt sich real sogar ein Rückgang. Die Exporte nach Russland dagegen stiegen um 4,7 %, was den stärksten Zuwachs seit dem Frühlingsfest bedeutet.

Grafik zeigt Handel zwischen China und Russland

Im Oktober importierte China insgesamt 7,0 % mehr fossile Rohstoffe und 18,2 % mehr Rohöl aus Russland als im Vormonat September. Die Abhängigkeit Russlands von China als Energieabnehmer stieg dadurch von 43 % auf 46 %. Gleichzeitig nahm Russlands Gesamteinnahmen durch den Export von Erdgas, Erdöl und Kohle jedoch um 4 % ab. Seit März dieses Jahres – sieben Monate in Folge – sind Russlands Einnahmen aus fossilen Energieträgern gesunken, was seit Beginn des Ukraine-Konflikts einem Rückgang von insgesamt 42,4 % entspricht. Dieser Erlösrückgang ist vor allem auf die ungünstigeren Preise zurückzuführen, die Russland am Markt durchsetzen konnte.

Energieexporte Russlands Fossile Brennstoffe, Chart 2022-2024, Bedeutung für Finanzmärkte.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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2 Kommentare

  1. …Im Oktober importierte China insgesamt 7,0 % mehr fossile Rohstoffe und 18,2 % mehr Rohöl aus Russland als im Vormonat September. Die Abhängigkeit Russlands von China als Energieabnehmer stieg dadurch von 43 % auf 46 %. Gleichzeitig nahm Russlands Gesamteinnahmen durch den Export von Erdgas, Erdöl und Kohle jedoch um 4 % ab…

    Steigen russische Öleinnahmen oder sinken sie?
    Die staatlichen Einnahmen Russlands aus Öl lagen im Juni fast 50 Prozent über dem Vorjahresniveau. Doch die Sache hat einen Haken.

    https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/bizarre-entwicklung-steigen-russische-oeleinnahmen-oder-sinken-sie-li.2231440

    Warum Moskau nicht unter den Sanktionen gegen seinen Ölsektor leidet
    Wie sich die russischen Erdölexporte entwickeln
    Wie Russland mit den westlichen LNG-Sanktionen umgeht

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/711856/russland-oelsanktionen-zeigen-wenig-wirkung-bei-erdgas-muss-der-kreml-kaempfen

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

    1. Der Mann mit dem Kocks ist da

      @Helmut
      warum wiederholst du, was der Autor schreibt? Wenigstens bestätigst du, dass der Autor keinen Schmarrn erzählt. Aber wie immer schreibst du ja nur die halbe Wahrheit: Russland nimmt 4% weniger ein….
      Blöde für Russland nur, dass die Preise für fosille Energieträger gefallen sind.

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