China setzt im Handelskonflikt ein Signal: Chefunterhändler Li reist unangekündigt in die USA. Sein Besuch fällt in eine Phase wachsender Spannungen und schwacher Industriedaten.
China schickt Chefunterhändler in die USA – Mission ohne Einladung
China schickt Chefunterhändler in die USA, allerdings ohne, dass er eingeladen wäre. Der Besuch von Li Chenggang in Washington fällt zusammen mit neuen Wirtschaftsdaten, die zwar kleine Erholungen erkennen lassen, aber den tiefen Druck auf die Industrie nicht verdecken.
Li Chenggangs überraschender Auftritt in Washington
Der stellvertretende Handelsminister Li Chenggang, ein erfahrener Verhandler mit jahrelanger Erfahrung bei der Welthandelsorganisation, ist zu Gesprächen in den USA eingetroffen. Er trifft sich dort mit US-Beamten und Wirtschaftsvertretern, um voraussichtlich über Agrarkäufe, insbesondere Sojabohnen, zu sprechen. Die Reise ist sowohl wegen ihrer Improvisation als auch wegen ihrer Agenda bemerkenswert.
Denn Li Chenggang traf in Washington ohne eine offizielle Einladung ein. Sein Besuch fällt damit nicht in den offiziellen Verhandlungsrahmen, der von US-Präsident Donald Trump und Vize-Premier Liu He vereinbart wurde. Der Stopp von Li Chenggang ist Teil einer Reise, die ihn zuvor nach Kanada führte. Allein das Verbinden dieser beiden Besuche ist ein kleiner Affront, denn die Stimmung zwischen den Ländern, die durch das US-Mexiko-Kanada-Abkommen (USMCA) verbunden sind, ist durch die Zollpolitik von Präsident Trump merklich angespannt.
Zudem findet der Besuch Li Chenggangs unter ungünstigen Bedingungen statt. Letzten Freitag heizte der chinesische Botschafter Xie Feng den USA auf einem Empfang einer chinesischen Delegation der Agrarindustrie die Stimmung an, indem er den USA vorwarf, Landkäufe politisch zu blockieren, und kritisierte den amerikanischen Protektionismus in der Agrarindustrie.
In Kanada versuchte Li Chenggang in Ottawa und Toronto die Handelsbeziehungen zu Kanada zu festigen. Er leitete die 28. Sitzung des gemeinsamen Wirtschafts- und Handelskomitees neben Rob Stewart, Kanadas stellvertretendem Handelsminister. Beide Seiten diskutierten offen über bilaterale Handelsfragen und suchten Wege, Spannungen abzubauen. In Toronto traf Li Vertreter des Canada China Business Council, um Investitionen und Kooperationen anzuregen. Der Besuch markierte den 55. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen China und Kanada. Beide Länder vereinbarten, den Dialog fortzusetzen, um stabile Handelsbeziehungen zu sichern, ohne große Durchbrüche anzukündigen.
34 Monate Rückgang: China-Industrie bleibt weiter unter Druck
Während Li in Washington Gespräche vorbereitet, versucht die Regierung in Peking das Bild einer stabileren Industrie zu zeichnen. Neue Daten des Nationalen Statistikamts (NBS) zeigen, dass die Industriegewinne seit nunmehr 34 Monaten zurückgehen. Im Juli lag das Minus bei 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit setzt sich die Abwärtsbewegung fort, fällt jedoch so gering aus wie seit Mai nicht mehr.
In den ersten sieben Monaten summierte sich der Rückgang auf 1,7 Prozent, etwas weniger als die 1,8 Prozent im ersten Halbjahr. Vor allem die verarbeitende Industrie lieferte im Juli deutlich bessere Ergebnisse. Die Gewinne stiegen hier um 6,8 Prozent, nachdem im Juni lediglich ein Plus von 1,4 Prozent gemeldet wurde. Auch Stahlproduzenten und Raffinerien verbuchten nach Verlusten wieder schwarze Zahlen, unterstützt durch Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise.
Stark nach oben zeigten die Daten im Hochtechnologiesektor. Halbleiterunternehmen steigerten ihre Gewinne im Juli um bis zu 176 Prozent. Die Regierung verfolgt in diesem Bereich das Ziel, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu verringern und angesichts der US-Exportkontrollen eigene Kapazitäten aufzubauen. Insgesamt legten die Gewinne in der Hochtechnologie-Fertigung um 19 Prozent zu. Auffällig sind die Zuwächse bei Raumfahrtausrüstung und integrierten Schaltkreisen.
Trotz solcher Erfolge bleibt die Gesamtlage schwach. Der anhaltende Rückgang der Erzeugerpreise drückt auf die Margen breiter Industriezweige. Gleichzeitig ließ die Nachfrage im Inland nach. Der Einzelhandel verlor im Juli an Dynamik, die Verbraucherpreise stagnierten. Auch auf den Auslandsmärkten nahm der Druck zu. Zwar glichen Lieferungen in andere Regionen die sinkenden Bestellungen aus den USA teilweise aus, doch neue Aufträge gingen so stark zurück wie seit drei Monaten nicht mehr.
Besonders tief im Minus blieb der Bergbausektor. Von Januar bis Juli lagen die Gewinne fast ein Drittel unter dem Vorjahreswert. Analysten verweisen darauf, dass staatliche Eingriffe einzelne Branchen stützen, ein kräftiger Impuls für die gesamte Wirtschaft jedoch fehlt. Goldman Sachs bewertete die jüngsten Zuwächse in den Rohstoffbranchen als Ergebnis der Anti-Involutions-Politik Pekings, warnte jedoch vor verfrühten Schlüssen. Auch Ökonomen von Bloomberg betonten, dass die Hochtechnologie zwar für Entlastung sorgt, die Breite der Schwäche in anderen Bereichen aber nicht überdeckt.
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