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China: Schulden steigen noch schneller als Aktienkurse

Von Markus Fugmann

Und wieder steppt der Bulle in China: der Shanghai Composite legt 3,04% zu, der Hang Seng in Hongkong immerhin 1,53%. Es ist also weiterhin viel Phantasie in den Kursen – die neueste Rally-Begründung lautet einmal mehr „Reformen“. Diese Reformen sollen staatliche Unternehmen betreffen, sie sollen wohl teilweise zusammengelegt werden, möglich sind auch Privatisierungen. Peking hat sich mehrfach unzufrieden gezeigt mit der Entwicklung der staatlich gelenkten Unternehmen und sieht hier zunehmenden Handlungsbedarf. Dementsprechend sind es die Aktien staatlicher Unternehmen vor allem aus dem Energisektor sowie der Schwerindustrie, die am stärksten zulegen.

Aber die Fundamentaldaten in Chinas sehen derzeit weniger freundlich aus: so stieg die Verschuldung der Lokalverwaltungen, wie heute Nacht veröffentlichte Daten zeigen, auf nunmehr 16 Billionen Yuan – Mitte 2013 hatte die Verschuldung noch 10 Billionen Yuan betragen. Das ist also ein Anstieg von 60% in nicht einmal zwei Jahren! Das Problem der gigantischen Verschuldung der Provinzen versucht die Regierung nun mit einer neuen Maßnahme zu bekämpfen: so sollen Banken die Anleihen von Lokalverwaltungen als Sicherheit für neue Kredite bei der Notenbank hinterlegen können – und damit mittelfristig die Zinslast für die Lokalverwaltungen verringern. Faktisch würde dann aber die Verschuldung der Lokalverwaltungen in die Bilanzen der Banken wandern – ein Muster, das die EZB mit ihren LTROs bereits praktiziert hatte.

Unterdessen hat heute Nacht der chinesische Finanzminister Lou Jiwei vor einer Einkommensfalle für die Mittelklasse Chinas gewarnt: die Wahrscheinlichkeit hierfür liege bei 50% in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Die Regierung müsse daher alles daran setzen, dass die extreme Verschuldung nicht noch weiter steige, so Lou Jiwei. Das Land brauche nun eine Strategie des „Deleveraging“ von Schulden – ansonsten könne die Situation außer Kontrolle geraten. Das sind erstaunlich offene Worte für einen Finanzminister!

Derzeit allerdings scheint Peking noch das Gegenteil zu parktizieren: Baoding Tianwei Electric, das erste staatliche Unternehmen, das die Zinsen für seine Anleihen nicht mehr bedienen konnte, bekommt nun Hilfe von der China Construction Bank – nach Gesprächen mit der Notenbank People´s Bank of China hat sich die China Construction Bank bereit erklärt, Baoding neue Kredite zu gewähren. Die China Construction Bank hatte die Unternehmensanleihen von Baoding am Markt platziert. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Caixin sei jedoch das weitere Schicksal von Baoding nach wie vor unklar angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen die in 2016 auslaufende Anleihe wird bedienen müssen – es handelt sich um 1,5 Milliarden Yuan.



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