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China: Staat bekommt Kapitalismus nicht in den Griff

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Von Claudio Kummerfeld

Es klingt fast wie eine Ironie der Geschichte. “Staat bekommt Kapitalismus nicht in den Griff”. Das kommunistische China animierte seine Bürger dazu auf Kredit an der Börse zu zocken. Jetzt bekommt man die Geister, die man rief, nicht mehr in den Griff…

China Polizist vor Mao Zedong Porträt
Ein Polizist vor einem großen Mao Zedon-Porträt vor dem Eingang zur “Verbotenen Stadt” in Peking.
Foto: Christophe Meneboeuf / Wikipedia (CC BY 3.0)

Chinesen sollten Aktien kaufen

Die Kommunistische Partei in Peking hatte ihre Bürger jahrelang animiert Aktien zu kaufen. Das Ziel war es erstens dem chinesischen Aktienmarkt zu mehr Handelsvolumen zu verhelfen und damit auch zu mehr internationaler Bedeutung, und zweitens wollte man dafür sorgen, dass inländische Unternehmen mehr Kapital über die Börse aufnehmen können. Die gigantische Schwemme an Startups in den letzten Monaten zeigte, dass dieses Geld von den Unternehmen gerne aufgesogen wurde.

Gigantische China-Hausse

Die Bürger ließen sich nicht lange bitten. Da in Asien das Wetten eh eine große Leidenschaft hat, stieg man jetzt in großem Umfang an der Börse ein. Viele Privatpersonen betrachten Börse auch eher als Zockerei wie eine Wette, nicht als Investment. Auch wenn es sich bei dem derzeit stattfindenden Absturz in der Tat um einen Crash handelt (gestern -8,5%, heute aktuell noch mal -2,6%), so liegt der Shanghai Composite Index im 12 Monats-Vergleich noch mit 77% im Plus. Bis Ende Juni lagen die Festlandaktien in China sogar noch gut 150% im Plus. Es ist wie bei der Reise nach Jerusalem. Wer sich zuletzt hinsetzt, verliert. Übersetzt für China: Wer zu spät einstieg und erst im High aussteigen wollte, verlor. Und das waren verdammt viele, und vor allem Private.

Alles auf Kredit

Heute fiel der Aktienmarkt in Shanghai weiter, weil Gerüchte im Umlauf waren der chinesische Staat würde seine Stützungsmaßnahmen einstellen. Dies wurde von der Regulierungsbehörde umgehend dementiert. Aber der Glaube der Trader scheint zu fehlen. “Vertrauenskrise” ist das Stichwort. Das Marginvolumen in China soll laut Aussagen mehrerer Trader vor Ort gigantisch sein. Wir können es nicht abschätzen, aber dieser Handel auf Kredit soll alles übersteigen, was in den USA noch als grenzwertig erachtet wird.

Der Staat versucht alles um den Crash zu stoppen

Der Handel mit 1.400 Aktien in Shanghai ist noch immer ausgesetzt, nach dem Motto “was nicht gehandelt werden kann, kann auch nicht fallen”. Nur wie lange will man das aufrecht erhalten? Immer noch dürfen große Marktteilnehmer keine Aktien verkaufen (so viel zu einem freien Aktienmarkt). Was wird sein, wenn dieses Verbot wieder aufgehoben wird? Auch hat der Staat erst mal die Neuemission von Aktien verboten. Kein Käufergeld soll bei der Stützung der Kurse verloren gehen.

Stützung durch “China Securities Finance Corporation”

Die “China Securities Finance Corporation” (CSF), ein staatlicher Finanzkonzern, der Brokern Geld leiht für Aktiengeschäfte auf Kredit, pumpt bereits gigantische Summen in den Aktienmarkt um den Crash zu stoppen. Offizielle Zahlen waren nicht zu erfahren, aber zahlreiche börsennotierte Konzerne melden, dass die CSF inzwischen zu einem ihrer größten Aktionäre aufgestiegen ist. Das bedeutet über dieses Investmentvehikel kauft der Staat private Firmen auf. Egal wie, alle Mittel sind Recht. Die Rede ist von ca. 480 Milliarden US-Dollar, die die CSF in den Markt pumpen könnte – das ist zwar nicht bewiesen, aber eine logische Schlussfolgerung.

Notenbank

Gerüchten zufolge könnte auch die chinesische Notenbank “People´s Bank of China” zum Aufkäufer am Aktienmarkt werden. Das wäre schlau, denn nach außen könnte man das genau so begründen wie EZB und US-Fed, die ja auch staatliche Anleihen aufkaufen und die Wirtschaft zu stützen. Man könnte genau so argumentieren, dass die Notenbank ja eine öffentliche, aber außerstaatliche unabhängige Institution ist, und daher wäre dies rein offiziell kein staatliche Aufkauf von Aktien. Aber natürlich weiß jeder, dass die chinesische Notenbank eben nicht unabhängig agiert, sondern ein Organ der KP in Peking ist, wie vieles andere in China auch. Aber letztendlich könnte die Notenbank unbegrenzt Yuan drucken und den Aktienmarkt überfluten. Das wäre die finale Bazooka, die die Zocker kreuz und quer in China wieder veranlassen könnte Aktien zu kaufen.

Marginvorschriften etc gelockert

Ironischerweise hatte die Regulierungsbehörde in Peking schon vor Tagen die Marginvorschriften für Trader wieder gelockert, damit die Leute in die Lage versetzt werden mit noch mehr gehebeltem Volumen (auf Kredit) Aktien zu kaufen und so den Markt zu stützen. Nach dem Motto “das Drogenproblem mit noch mehr Drogen bekämpfen”. Aber das kennt man ja auch aus Europa und den USA, hier bekämpft man Schuldenkrisen mit noch mehr Schulden.

Fazit

Bei all den staatlichen Eingriffen am Markt, vor allem der Aussetzung des Handels bei 1.400 Aktien, kann man derzeit definitiv nicht von einem “Markt” sprechen. Und trotzdem schafft Peking es nicht den Absturz zu stoppen. Wie mein Kollege Markus Fugmann schon vor Wochen sagte: Der Kommunistischen Partei geht die Glaubwürdigkeit und Autorität verloren. Je mehr Privatpersonen Geld an der Börse verlieren, desto größer wird der Frust. Die KP hat anscheinend nicht verstanden, dass man die Menschen in das Herzstück des Kapitalismus jagte, das nicht zentral von einer Regierung gesteuert werden kann. Wo kein Käufer, da fallen die Kurse. Jetzt versucht die KP eben selbst zum Käufer zu werden, über diverse Maßnahmen (wie oben beschrieben).

Aber einen echten Joker hat die KP noch in der Hinterhand. Passiert etwas Schreckliches, muss immer schnell ein Schuldiger her. Schon seit Tagen ist der Staat auf der “Suche nach den Schuldigen” für den Crash. Wahrscheinlich wird man einige Shortsteller vor die Kameras zerren und zu Haftstrafen verurteilen, um den Menschen, die Hab und Gut an der Börse verzockt haben zu zeigen “schaut her, die sind schuld und werden jetzt hart bestraft”. Problem gelöst.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Thomas

    28. Juli 2015 12:08 at 12:08

    “Das kommunistische China animierte seine Bürger dazu auf Kredit an der Börse zu zocken.” Bitte was genau hat das mit Kapitalismus zu tun, wenn der STAAT seine Bürger “animiert”? Kapitalismus funktioniert definitiv anders.

  2. Avatar

    T2015

    28. Juli 2015 13:11 at 13:11

    Kapitalismus? In China?

    Reicht mal das Zeug weiter, dass ihr geraucht habt…

    • Avatar

      joah

      28. Juli 2015 15:23 at 15:23

      Wer schon etwas länger mitliest, trifft auch die etwas versteckte Spur des Sarkasmuses zwischen den Zeilen des Autors – mit Deliria hat dies sicherlich nichts zu tun.
      (China bleibt Kommunismus, eingehüllt im Mantel des Kapitalismus nach außen)

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Geldanlage: Dieser Mix bringt seit 120 Jahren die besten Renditen!

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Geldanlage mit mehr oder weniger Risiko? Der Mix macht´s

Wenn sich eine Schweizer Bank mit Professoren aus London und Cambridge zusammentut, um langfristige Rendite-Entwicklungen verschiedener Anlageklassen über 120 Jahre zu untersuchen, dann sollten Anleger das Ergebnis genau studieren. Denn was 120 Jahre lang gute Renditen abwarf, ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch die richtige Wahl für Ihre Geldanlage. Schauen wir uns also an, was die Credit Suisse herausfand.

Wenig überraschend lautet das Ergebnis, dass Aktien global gesehen vor Anleihen und vor Geldmarktpapieren liegen. Um die Inflation bereinigt, warfen Aktien seit dem Jahr 1900 jährlich eine Rendite von 5,2% ab. Anleihen, in die Versicherungen und Pensionsfonds besonders große Anteile des Anlagevermögens investieren, kamen hingegen nur auf 2%. Die vor allem zum kurzfristigen Parken von Cash-Reserven genutzten Geldmarktpapiere, in dem Fall Schatzwechsel, brachten es als ein Instrument der Geldanlage hingegen nur auf 0,8%.

In Japan liegen Aktien mit Anleihen seit 50 Jahren fast gleichauf bei der Geldanlage

Nun könnten sich alle Aktionäre beruhigt zurücklehnen und darauf hoffen, dass sie mit ihrer Geldanlage in 50 Jahren reich sein werden. Doch so einfach ist es nicht. Denken wir nur an folgendes Szenario: Aktien crashen und laufen dann für Jahrzehnte seitwärts. Dass das kein Szenario aus dem Märchenbuch oder von weitgehend unbekannten Märkten in irgendwelchen Schwellenländern ist, zeigt Japan. Dort ist genau das passiert.

Die Einzelauswertung für Japan zeigt, dass Aktien als Geldanlage über 120 Jahre gesehen dann immer noch eine üppige Rendite abwerfen. Doch 120 Jahre werden nur die wenigsten Anleger alt. Auf Sicht von 50 Jahren liegen in Japan bereits die Anleihen vorn, wenn auch knapp mit 3,8% zu 3,6% Rendite. Auf Sicht von 20 Jahren ist die mit Anleihen erzielte Rendite in Japan jedoch den Aktien meilenweit voraus. Während Aktienbesitzer nur eine Realrendite von 1,5% erzielen konnten, spielten Anleihen 3,7% pro Jahr ein. Geldmarktpapiere sind im Japan-Szenario in allen Zeithorizonten Kapitalvernichter gewesen. In 120 Jahren verloren Geldmarkt-Anleger 1,8% Realrendite pro Jahr. In 20 Jahren immerhin noch 0,1%. Nur auf Sicht von 50 Jahren konnte eine Mini-Rendite von 0,2% eingefahren werden.

Weltweit brachten Anleihen in 20 Jahren kaum noch Mehr-Rendite

OK, nun mag Japan ein besonderer Fall sein, oder nicht? Nein, weltweit haben Anleihen bei der Geldanlage Aktien in den vergangenen 20 Jahren geschlagen. Global gesehen konnten Anleger seit dem Jahr 2000 mit Anleihen 4,8% verdienen, mit Aktien jedoch nur 3,1%. Auch auf Sicht von 50 Jahren ist der Rendite-Vorsprung von Aktien nicht mehr so üppig, wie man glauben könnte. 5,5% für Aktien vs. 4,8% für Anleihen dürften den einen oder anderen Anleger zum Nachdenken bringen. Lohnt sich das höhere Risiko von Aktien wirklich, wenn auf Sicht von 50 Jahren nur ein Renditevorsprung von 0,7 Prozentpunkten pro Jahr dabei herausspringt?

Von allen untersuchten Märkten schaffte es nur einer, auch in den vergangenen 20 Jahren mit Aktien eine deutliche Mehr-Rendite gegenüber Anleihen zu erzielen: China. 9,6% Real-Rendite mit Aktien stehen nur 3,1% Real-Rendite mit Anleihen gegenüber. Doch Chinas Markt gleicht inzwischen weitgehend dem Japans, Westeuropas oder dem der USA: Die Unternehmen zeigen nur noch mageres Gewinnwachstum, die Wirtschaft wächst kaum noch, doch die Schulden steigen unaufhörlich. Das hat auch Folgen für die Geldanlage!

Geldanlage-Strategie für China: Anleihen kaufen!

Auch bei den Zinsen geht China bereits den westlichen und japanischen Weg. Der Leitzins sank von 5,1% im Mai 2015 auf 3,85% im Mai 2020 und erwartet wird eine weitere Absenkung auf 3,7% bis zum Quartalsende. Sinkende Zinsen bedeuten gleichzeitig auch steigende Preise für bereits früher herausgegebene Anleihen. Je länger die Restlaufzeit der Anleihen ist und je stärker die Zinsen sinken, umso größere Kurszuwächse kann ein Anleger mit diesen Papieren erzielen.

Eine aussichtsreiche Anlage-Strategie kann also darin bestehen, jetzt auf chinesische Anleihen zu setzen und sinkende Zinsen sowie damit einhergehend steigende Anleihe-Preise zu erwarten! Insgesamt erwarten die Studien-Autoren weltweit sinkende Real-Renditen in allen Anlage-Klassen. Je niedriger die Realzinsen sind, also die gezahlten Zinsen abzüglich Inflation, umso geringer würden auch die Real-Renditen der verschiedenen Anlageklassen ausfallen. Die Bäume wachsen bei der Geldanlage inzwischen nicht mehr in den Himmel. Zu erwarten sind künftig wohl eher bodennahe Sträucher.

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