China verkauft minimale Klimaziele als historischen Durchbruch und setzt sie als geopolitische Waffe ein, während der Westen ins Abseits gestellt und gespalten wird
Chinas Präsident Xi Jinping hat letzte Woche in einer Videobotschaft zum UN-Klimagipfel erstmals absolute Reduktionsziele für Treibhausgase angekündigt. Bis 2035 sollen die Emissionen um sieben bis zehn Prozent unter das Niveau des Peaks sinken. Es ist ein Schritt, der in Peking als historische Verpflichtung verkauft wird und im Ausland als strategischer Coup gelesen wird. Denn während Xi sich als Klimaschützer inszeniert, hat US-Präsident Donald Trump kurz zuvor den Klimawandel als „größten Betrug aller Zeiten“ bezeichnet.
China stellt Trump mit Klima-Tricks bloß
Damit inszeniert China die Klimapolitik als Spiel zwischen Gut und Böse: Auf der einen Seite steht Xi Jinping, der von einer „grünen und kohlenstoffarmen Transformation“ spricht, die „Trend unserer Zeit“ sei. In der anderen Ecke steht Donald Trump, der jegliche internationale Klimapolitik zurückweist. Es war ein politischer Schachzug, das China als verantwortungsvollen Führer darstellt und die USA als Bremser bloßstellt. Die Intention ist hier auch den Westen zu Spalten.
Versprechen mit eingebautem Sicherheitsnetz
China verpflichtet sich, bis 2035 die Nettoemissionen erstmals absolut zu senken. Parallel sollen nicht-fossile Energien mehr als 30 Prozent des Verbrauchs stellen. Wind- und Solarkapazitäten sollen auf 3.600 Gigawatt ausgebaut werden, das Sechsfache des Niveaus von 2020. Die Neuzulassungen von Autos mit Alternativen Antrieben sollen die Neuzulassungen dominieren, ein nationaler Emissionshandel wird auf Schwerindustrien ausgeweitet, die Waldfläche soll auf auf 24 Milliarden Kubikmeter wachsen.
Große Worte, kleine Substanz
Analysten wie das Climate Action Tracker kritisieren, dass Chinas Versprechen vage bleiben. Methan oder andere Nicht-CO₂-Gase sind kaum adressiert. Die angekündigten Zahlen sind so niedrig angesetzt, dass sie garantiert erreichbar sind. Das passt zur chinesischen Praxis, Mindestziele auszugeben, die im Zweifel übertroffen werden.
Der Blick auf die Realität zeigt die Diskrepanz: Bei der aktuellen Geschwindigkeit im Ausbau von Wind und Solar wird Xi sein Ziel zwischen 2028 und 2030 erreicht haben, also Jahre vor dem offiziellen Horizont.
Bei den Autos ist das erklärte Ziel sogar schon erfüllt. In den vergangenen zwölf Monaten lag der Anteil von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben an den Neuzulassungen im Durchschnitt bei 51,4 Prozent, darunter 30,9 Prozent reine Elektrofahrzeuge.
Die Ankündigung offenbart auch einen tieferen Zielkonflikt. Lauri Myllyvirta vom Centre for Research on Energy and Clean Air bringt es so auf den Punkt: „Das grundlegende Dilemma für Chinas Führung lautet: Man muss entweder die saubere Energiewirtschaft oder die Kohleindustrie zurechtstutzen. Beide Sektoren gleichzeitig wachsen zu lassen ist unmöglich. Diese Ziele zeigen nur, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist, weil die wirtschaftlichen Folgen in beiden Fällen heftig wären.“
Pekings Industriepolitik tarnt sich als Klimaschutz
Die angekündigten Klimaziele wirken auch wie eine Fortschreibung von Pekings industriepolitischer Strategie. China ist längst zur Werkbank der grünen Technologien geworden. Über 80 Prozent aller Solarmodule und mehr als 60 Prozent der Windturbinen stammen aus chinesischer Produktion. Zwei Drittel der weltweit hergestellten Elektroautos rollen in China vom Band. Bei Lithium-Ionen-Batterien kontrollieren chinesische Firmen mehr als 70 Prozent der Lieferketten.
Die Exportzahlen unterstreichen diese Position. 2024 erreichte der Wert der ausgeführten Solarmodule 177 Milliarden US-Dollar. Damit sind Photovoltaik-Produkte heute so bedeutend für den Außenhandel wie früher Textilien. In den vergangenen fünf Jahren hat China die Solar-Exporte verdreifacht, 242 Gigawatt gingen allein 2024 ins Ausland. Parallel stieg der Anteil der Lieferungen in Schwellenländer von 24 auf 43 Prozent – ein Hinweis, dass Peking seine Märkte gezielt diversifiziert und dort politische Bindungen aufbaut.
Auch Elektroautos und Batterien sind längst zu einem Exportschlager geworden. Mit einem Ausfuhrwert von über 170 Milliarden US-Dollar 2024 tragen sie zum Rückgang der Emissionen in den Importländern bei, denn die gelieferten Fahrzeuge ersetzen dort fossile Antriebe. Windkraftanlagen und die dafür nötigen Permanentmagnete ergänzen das Paket. In Summe machten saubere Technologien 2024 rund zehn Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts aus.
Die industrielle Logik ist offensichtlich. China investiert Milliarden in den Ausbau dieser Branchen, schafft Hunderttausende Arbeitsplätze und senkt durch die Massenfertigung weltweit die Preise. Gleichzeitig reduziert es seine Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten, die zu 80 Prozent aus dem Nahen Osten stammen.
Dennoch gibt es Schattenseiten. Die Überkapazitäten bei Solarmodulen führen bereits dazu, dass ein Teil der Produktion unverkäuflich bleibt. Die Strafzölle der USA und EU bedrohen zudem den Zugang zu wichtigen Absatzmärkten.
China sammelt Stimmen mit Klimaversprechen
Die politische Wirkung entfaltet sich weniger in der Klimapolitik als auf dem diplomatischen Parkett. Xi stellt China als Stimme der Entwicklungsländer dar. Er betonte in seiner Rede die „fairen Rechte“ des Südens und forderte von den Industrieländern mehr finanzielle und technologische Hilfe. Damit besetzt China das Vakuum, das Washington unter Trump hinterlässt.
Besonders für kleine Inselstaaten, die dem steigenden Meeresspiegel ausgesetzt sind, bietet sich Peking als Partner an. Länder wie Tuvalu oder die Salomonen sind längst Zielscheiben chinesischer Infrastruktur- und Investitionsprogramme. Jede Unterstützung bei Klimafragen verschafft China zusätzliche Stimmen in internationalen Organisationen. Doch bei den Salomonen geht es nicht nur um Klimadiplomatie. Für Peking sind die Inseln ein Sprungbrett in Richtung Australien und Neuseeland. Der Ausbau von Einfluss in dieser Region hat eine strategische, auch militärische Dimension.
Das ist Soft Power in Reinform. China präsentiert sich als Retter der Schwachen, während die USA ihre Rolle als Anführer des Westens untergraben. In Wahrheit verfolgt Peking knallharte Eigeninteressen. Die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten, vor allem aus dem Nahen Osten, gilt als strategische Schwachstelle. Der Ausbau erneuerbarer Energien senkt dieses Risiko. Gleichzeitig will China die Schlüsselsektoren der Zukunft kontrollieren: Batterien, Solarmodule, Windturbinen. Die Klimaziele sind der diplomatische Rahmen, die Industriepolitik ist der eigentliche Kern.
Xi gewinnt, das Klima verliert
Analysten wie das Climate Action Tracker kritisieren, dass Chinas Versprechen vage bleiben. Methan oder andere Nicht-CO₂-Gase sind kaum adressiert. Die angekündigten Zahlen sind so niedrig angesetzt, dass sie garantiert erreichbar sind. Das passt zur chinesischen Praxis, Mindestziele auszugeben, die im Zweifel übertroffen werden.
Die Umsetzung im Inland stößt zudem auf praktische Hürden. Der Ausbau von Wind- und Solaranlagen läuft so schnell, dass Netze überlastet sind und Kapazitäten ungenutzt bleiben. Auch die Überkapazitäten in der Industrie bleiben ungelöst. Selbst ein noch so grüner Umbau verändert wenig daran, dass Stahl und Zement aus China den Weltmarkt überschwemmen.
Xis Ankündigung ist weniger eine klimapolitische Wende als eine machtpolitische Inszenierung. China setzt auf internationale Anerkennung und wirtschaftliche Vorteile, nicht auf eine schnelle Senkung der Emissionen. Die Botschaft an die Welt lautet: Peking führt, Washington blockiert. Für das Klima bedeutet das kaum Fortschritt. Für die geopolitische Ordnung aber verschiebt sich das Kräfteverhältnis weiter zugunsten Chinas.
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Ich verstehe nicht warum das langfristig für den Klima nicht positiv sein sollte. Tatsächlich muss erst mal möglich sein, mit Wind und Sonne großflächig Energie zu erzeugen. Das ermöglicht China immer mehr und die USA immer weniger.
Das China das nutzt um auf der Weltbühne stärker zu werden ist doch logisch. Oder darf man nur grüne Energie erzeugen wenn man mit Sandalen und und gebraucht Klamotten läuft und sich auf dem Autobahn festklebt?
China sabbelt nicht sondern tut was. Weil es für China gut ist. Wie überall müssen Anfangsprobleme überwunden werden. In Deutschland redet man erst 25 Jahre. In China wird gemacht.
Ob wir deren imperialistische Politik angenehm finden und ob die gut für uns sein wird, ist eine andere Frage.
Dass die Reduzierung von Ausstoß irgendwo herkommen muss und für alle Planetbewohner gut ist, ist für mich keine Frage.
Wir sitzen leider in einem zunehmend polarisierten Welt wo man nicht mehr sagen darf, dass „der Bösen“ was Gutes tut.
Bei einigen darf man auch nicht mehr sagen das der „Guten“ was Böses tut, also wird’s gleich schön leise.
Kritisieren kann man viel, ja.
Letztendlich hat der sogen. Westen keinerlei Einfluss auf Fernost. Umgekehrt koppelt sich aber deren CO2 Ausstoß ebenfalls in den Treibhauseffekt, betrifft also alle.
Insofern kann man das kritisieren wie man will. Ich würde es in erster Instanz einfach mal gut heißen. Außerdem passen die Zahlenziele vermutlich locker in deren Kontext: Ausbau Solarenergie, E-Autos, Staudämme, AKWs, (und vielleicht auch bals Fusion).
Warum sollten die mit den Zahlen nicht hausieren gehen?
Ich finde den Umgang mit den Verbrennern in der EU demgemäß ebenso zweifelhaft und propagandistisch. Wenn wirs ernst meinen würden, könnten wir ja mal die Preise der E-Autos von denen in Echtzeit zulassen. Dann kauft nur noch der Verbrenner, der mit einem E-Wagen nichts anfangen kann, vermutlich eine Minderheit.
Gleichzeitig produzieren namhafte deutsche Marken E-Wagen, die hierzulande gar nicht angeboten werden. Nichts ist verlogener, wie dieses Klimagepappel. Wir könnten schon viel weiter sein.
Und im Fingerzeigen und Besserfühlen waren wir immer gut, ja das können wir.
Deutschland hätte diese Industrien auch anführen können, aber man hat es wie immer vermasselt. Ich denke da bsw an die Stromsteuer von 1999, die in die Rente floß. Die Priorität der deutschen Politik lag auch damals schon bei den eigenen Stammwählern, den Rentnern, und nicht beim Wirtschaftswachstum. Der teure Strom hat dann zB eAutos unattraktiv gemacht. Unsere Politiker denken halt nur bis zum nächsten Wahlttag, die Chinesen haben bekanntlich dieses Problem nicht.
Die Kritik an Machtpolitik finde ich deplatziert, haben es denn die Amis in der Vergangenheit besser gemacht? Sogar die grosse EU ist am Gängelband der Amis.
Die Amis haben Waffen verkauft und die Chinesen sogenannt ? saubere Autos.
Was soll denn falsch sein am Chinesen Ziel. Immerhin ist er kein Klimaleugner und nennt realistische Ziele.
Der Chef von Bosch sagte ja selber, selbst bei einem sofortigen Wechsel auf E- Autos würde der Transfer 16 Jahre dauern und der Verbrenner wird nie ganz aussterben, grosse Erntemaschinen könnten nie auf Elektro umgestellt werden.
Zitat:“Die Waldfläche soll auf 24 Milliarden Kubikmeter wachsen“
Eine Fläche kann man nicht in Kubikmetern angeben.
Auch die 3600 Gigawatt kommen mir komisch vor. Ist vielleicht 3600 Gigawatt Peak gemeint.
Bitte mehr Genauigkeit in Zukunft.