Mit gefälschten Herkunftszertifikaten und cleverer Logistik umgeht China US-Zölle. Südostasien wird zum Knotenpunkt eines globalen Schattenhandels.
China trickst US-Zölle aus: Das Geschäft mit der falschen Herkunft
Wie verwandeln sich chinesische Waren, die mit 145% Strafzöllen belegt sind, in Produkte aus Vietnam, Malaysia oder Thailand? Chinesische Plattformen wie WeChat und Xiaohongshu (RedBook) liefern die Antwort: „Chinesische Güter zollpflichtig? Umleiten über Malaysia – und sie werden asiatisch!“ oder „Hohe Zölle auf Zahnstocher? Malaysia übernimmt die Herkunft für reibungslose US-Einfuhr!“ Solche Angebote, die den Handelskrieg zwischen den USA und China umgehen, boomen. Doch hinter diesen Tricks steckt ein lukratives Spiel mit gefälschten Herkunftszertifikaten, Logistikfirmen und globalen Lieferketten, das den Zollbehörden in Südostasien und den USA vor Kopfzerbrechen bereitet.
Offizielle Herkunft? Einfach erfunden!
Hinter den Angeboten steht eine Praxis, die die Herkunft der Waren verschleiert. Waren werden über Drittländer wie Malaysia, Vietnam oder Thailand verschifft, um ihren chinesischen Ursprung zu verschleiern. Dort erhalten sie neue Dokumente, die sie für die niedrigeren Zölle qualifizieren. Nach US-Handelsrecht müssen Waren eine „substanzielle Transformation“ – etwa durch Verarbeitung oder Herstellung – durchlaufen, um als Produkte eines Drittlands zu gelten. In der Praxis bleibt es oft bei kosmetischen Änderungen wie neuen Etiketten oder Verpackungen.
Die Fälschung „Certificate of Origin“ (CoO) ist das Herzstück dieser Praxis und ein besonders heikles Unterfangen. Diese Dokumente, die die Herkunft einer Ware offiziell bestätigen, werden in Drittländern von kooperierenden Firmen ausgestellt, oft ohne dass eine echte Verarbeitung stattgefunden hat. Solche Fälschungen sind nicht nur illegal, sondern auch schwer nachzuweisen, da Zollbehörden oft nur Stichproben kontrollieren. Für wenige Yuan pro Kilogramm übernehmen Logistikagenturen den gesamten Prozess, von der Verschiffung aus China bis zur US-Einfuhr, und machen die Umgehung erschwinglich.
Drittländer als Drehscheibe für China
Die Nutzung von Drittländern als Umgehungsroute sorgt in Südostasien für Ärger. Länder wie Vietnam, Malaysia und Thailand werden zu Drehscheiben für Waren, die letztlich in die USA gelangen. Vietnams Handelsministerium fordert strengere Prüfungen der Herkunft von Produkten, um gefälschte CoO zu verhindern. Thailand hat Kontrollen verschärft, um nicht als Umgehungszentrum stigmatisiert zu werden. Südkorea meldet ebenfalls verstärkte Zollkontrollen, um den Missbrauch seiner Häfen zu stoppen.
Die Sorge ist berechtigt: Länder, die als Transitpunkte missbraucht werden, riskieren ihren Ruf als verlässliche Handelspartner. Zudem könnten die USA solche Länder mit eigenen Zöllen belegen, wie es zeitweise für Vietnam und Kambodscha diskutiert wurde. Für Südostasien ist es ein Drahtseilakt zwischen wirtschaftlichen Chancen und geopolitischen Risiken.
Schattenhandel „Made by China“
Im Zentrum dieser Strategien stehen chinesische Logistikfirmen, deren Zahl in den letzten Jahren rasant gestiegen ist. Diese Unternehmen, spezialisiert auf grenzüberschreitenden E-Commerce, bieten weit mehr als Transport. Sie übernehmen Zollformalitäten, erstellen Papiere und nutzen oft undurchsichtige Strukturen, um die Herkunft von Waren zu verschleiern. Die Fälschung von CoO ist ein Kernstück ihrer Dienstleistungen, oft in Kooperation mit lokalen Firmen in Drittländern.
Die Kosten für solche Umgehungen sind gering. Selbst nach den jüngsten Zollerhöhungen liegen die Gebühren weit unter den Strafzöllen, was Exporteuren hilft, wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Boom dieser Firmen hängt mit dem Aufstieg des chinesischen E-Commerce zusammen, der 2024 über 2,6 Billionen Yuan (356 Milliarden Euro/356 Milliarden US-Dollar) erreichte, ein Plus von mehr als 10 % gegenüber 2023. Dieser dynamische Markt treibt die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen, die den Handelskrieg austricksen.
Fälschung mit Nebenwirkungen
Die Herkunftswäsche ist ein riskantes Unterfangen. Die US-Zollbehörde (CBP) hat begrenzte Kapazitäten, doch entdeckte Fälschungen führen zu Konfiskationen, Geldstrafen oder Strafverfolgung. US-Importeure, etwa Online-Händler, stehen vor einem Dilemma: Sie brauchen chinesische Lieferanten, misstrauen aber deren Zollpraktiken, aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen.
Für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in China sind diese Grauzonen ein Lebensretter. Während große Konzerne die vollen Zölle zahlen müssen, nutzen KMUs Logistikfirmen, um ihre Kosten niedrig zu halten. Doch die Abhängigkeit von zwielichtigen Dienstleistern birgt Risiken: Die undurchsichtigen Strukturen erschweren Behörden, Export- und Importdaten abzugleichen, was den Verdacht auf systematischen Betrug nährt.
Die globalen Folgen sind erheblich. Die wachsende Diskrepanz in den Handelsdaten – China meldet seit 2020 höhere Exportwerte als die USA als Importe registrieren – deutet auf weitverbreitete Zollhinterziehung hin. Experten schätzen, dass solche Praktiken jährlich Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Die Abschaffung der „De Minimis“-Regel, die zollfreie Einfuhren bis 800 US-Dollar erlaubte, wird die Nachfrage nach Umgehungsstrategien weiter ankurbeln.
Die Grauzone wird enger
Daten des chinesischen Transportministeriums zeigen für April 2025 weiter steigende Ausfuhren, gestützt von der Kreativität der Exporteure und ihren Logistikpartnern. Doch trotz der ausgeklügelten Umgehungen über Drittländer prognostiziert Goldman Sachs, eine der führenden Beratungsgesellschaften, einen Rückgang der chinesischen Exporte in die USA im laufenden Jahr. Die verschärften Zollkontrollen und die Abschaffung von Schlupflöchern wie der „De Minimis“-Regel könnten die Grauzonen schrumpfen lassen. Der Handelskrieg bleibt ein Wettlauf zwischen Kontrolle und Umgehung – und für Chinas Exporteure wird das Spielfeld enger.
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…im Endeffekt eine logische Folge…dort wo eingeengt wird, dort sucht sich jeder Lücken im System…umso mehr Einschränkungen, umso mehr Lücken werden gesucht…umso professioneller wird das Lücken ausnutzen auch…sieht man ja auch ein stückweit am deutschen Steuerrecht…so wird es auch hier sein…war schon vernünftig vom Donald auch die Pinguininseln zu bezollen…da wird doch mehr mitgedacht in der Regierung Trump als uns immer glauben gemacht wird…die wussten schon was nach den Zöllen passieren wird…bin gespannt wie es weiter geht…
Das war auch der Hintergrund für die Zölle für Mexiko und Canada und letztlich die 10% Zölle für alle, wie sie für 90 Tage gelten.
Der andere Punkt ist, dass 100%+ Zölle für China letztlich Null Zolleinnahmen für Trump produzieren, was nicht wünschenswert ist. Wenn man die Zolleinnahmen maximieren will, wären wahrscheinlich 15% bis 20% für alle die beste Lösung. Kommt noch dazu, dass von Zahnstochern und Weihnachtsgeschenken keine Gefahr für die „nationale Sicherheit“ der USA ausgeht.