Folgen Sie uns

Allgemein

China und die USA unter Trump: die Verwerfungen haben schon begonnen – Zeichen stehen auf Wirtschaftskrieg!

Wir laufen auf eine direkte Konfrontation zwischen den USA und China zu – zunächst ökonomisch. China wird weiter US-Staatsanleihen verkaufen!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Gestern war ein hisorischer Tag – keine Frage. Aber gestern war auch ein Wendepunkt an den Märkten, der von weitreichender Bedeutung ist! Während sich aber die Medien vorwiegend auf die Entwicklung am Aktienmarkt fokussieren, werden jetzt am Anleihemarkt die Karten neu gemischt. Und da es an diesem (Staatsanleihen-)Markt um gigantisch große Summen geht (dagegen ist der Aktienmarkt „Kindergeburtstag“), lassen sich hier bereits Entwicklungen erkennen, die die nächsten Monate, wahrscheinlich Jahre prägen werden!

Denn eines scheint seit gestern klar: die Renditen für US-Anleihen werden steigen, weil der Markt aufgrund der Pläne Trumps (und der Dominanz der Republikaner im Kongress) nun ein starkes Anziehen der Inflation erwartet. Werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die Entwicklung der 10-jährigen US-Anleihe, der Benchmark für den weltweiten Handel für Staatsanleihen:

us10jaehrige

Der Kurs der Anleihe ging zuerst steil nach oben (Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen angesichts der ersten Panik der Märkte), dann aber scharf nach unten – sprich die Renditen steigen, weil eben die Anleger verstärkte Inflation erwarten und daher einen Rendite-Ausgleich fordern.

Gestern gab es eine Emission einer 10-jährigen US-Anleihe – und die Nachfrage der Investoren war unterirdisch! Am Markt hält sich das Gerücht, dass die Chinesen gestern massiv US-Anleihen verkauft hatten, seit klar war, dass Trump die Wahl gewinnen wird – wie viel genau die Chinesen verkauften, werden wir, da die Daten dazu vom US-Finanzministerium sehr zeitverzögert veröffentlicht werden, wohl erst im Februar erfahren.

Nun vergleichen wir den Chart der 10-jährigen US-Anleihe mit der Entwicklung des Dollar-Yuan (offshore):

usdcnh10-11-16

Der Yuan wurde abverkauft, weil man erwartet, dass Trump Einfuhrzölle von bis zu 45% für Waren aus China verlangen wird. Schätzungen gehen davon aus, dass dann die Exporte Chinas in die USA innerhalb eines Jahres um ca. 25% fallen würden. Und es ist schwer vorstellbar, dass die Chinesen das einfach so hinnehmen würden – vielmehr würden sie selbst Gegenmaßnahmen gegen amerikanische Produkte/Firmen verhängen. Das würde viele US-Konzerne hart treffen, allen voran Apple: die Kalifornier produzieren nicht nur ihr wichtigstes Produkt in „Greater China“, sondern die Region ist auch nach den USA der wichtigste Absatzmarkt für Apple. China würde Apple wahrscheinlich in Geiselhaft nehmen und aus dem Markt drängen. Dann müsste Apple wohl seine Produkte nicht nur woanders verkaufen, sondern auch woanders produzieren.

Zurück zum Yuan: Peking hatte seinen Bürgern versprochen, den Yuan nicht weiter abwerten zu lassen – und muß daher mit Stützungskäufen zugunsten des Yuan auf die Dollar-Stärke reagieren. Nun wird erwartet, dass Trump, der China stets als „Großmeister der Währungsmanipulation“ bezeichnet hat, Peking auffordern wird, den Yuan zu stärken. Dass die Forderung ziemlich bar jeder Realität ist, sieht man an mehreren Tatsachen:

1. der vergleichsweise weniger manipulierte Offshore-Yuan (Hongkong) ist deutlich schwächer zum Dollar als der von der Regierung gesteuerte Onshore-Yuan (Shanghai). Das heißt: der freiere Markt erwartet eine weitere Abwertung des Yuan, daher fliehen auch Millionen von Chinesen aus ihrer Währung. Peking wiederum muß den Yuan stützen, sonst würde er weiter fallen.

2. Kapital fließt seit ca. zwei Jahren ab aus China – nicht wie in den Jahren zuvor, als stets Kapital in das Land floß. Das schwächt den Yuan – insofern ist der Yuan derzeit eher zu stark als zu schwach, wie Trump unterstellt. Um den Yuan zu stärken, müsste die Regierung also noch mehr ihrer Devisenreserven einsetzen, als sie es ohnehin schon tut – alleine im letzten Monat gut 45 Milliarden Dollar!

Heute wieder auffällige Bewegungen auch beim Onshore-Yuan:

All das bedeutet: wir laufen auf eine direkte Konfrontation zwischen den USA und China zu – zunächst ökonomisch. China wird weiter US-Staatsanleihen verkaufen, was für die USA irgendwann zu einem Problem werden wird, wenn sein größter Gläubiger die Füße in die Hand nimmt. Irgendwer muß schließlich die Schuldenorgie, die sich verstärkt seit Aufhebung der US-Schulden-Obergrenze massiv nach oben geschaukelt hat, weiter finanzieren. Wenn die Chinesen streiken – und das ist ihr größtes Druckmittel – ist das sorglose Leben der Amerikaner auf Pump erst einmal vorbei.

Es droht also ein Wirtschaftskrieg mit anschließendem Crash von US-Staatsanleihen. Sollte das so eintreten, wäre es mehr als illusorisch zu glauben, dass sich diesem Mega-Sog auch andere Märkte wie der Aktienmarkt entziehen könnte!

24 Kommentare

24 Comments

  1. Avatar

    M.Müller

    10. November 2016 11:41 at 11:41

    Weltklasse Kommentar!
    Wir haben uns wohl abgesprochen!!
    Wie Ich heute schon auf eurer Seite Kommentiert habe ist das größte Problem der Anleihemarkt!!!!Das ist den meisten nicht bewusst weil jeder der Meinung ist das auch wietrhin bis zum nimmerleinstag die Notenbanken Schuldgeld in den Umlauf bringen!!

    Ob long oder short,die Ausschläge zeigen doch das ist alles nicht mehr normal!!
    Hier rate Ich doch zur größten Vorsicht!!
    Wir befinden uns in einer Art Hypnosezustand! Das ist die größte Blase aller Zeiten und die kann morgen in einem Monat oder in 5 Jahren implodieren!!
    Möchte keinen dabei anfeinden und jeden seine Meinung dazu lassen!
    Das ist Demokratie!
    Dies ist leider der größte Trugschluss aller Zeiten!!
    Nochmals zum Nachdenken!? Um den Aktienindex Dax Dow usw. geht es schon lang nicht mehr, der darf schon gar nicht mehr koregieren dieser wird durch nicht erwirtschaftetes Geld(Schuld) am Leben erhalten!!
    Das was uns um die Ohren fliegen wird ist der Anleihemarkt!
    Viele Bankster raten ihren Kunden zu diesen fragwürdigsten Produkten allerzeiten!!
    Täglich werden ca. 700 Milliarden Dollar im Anleihemarkt gehandelt gegenüber 200 Milliarden dollar am Aktienmarkt.
    Der Anleihemarkt hat eine Spekulationsseuche ausgelöst in der Größenordnung von etwo 120 Billionen Dollar!! Global!! Das ist unglaublich!
    Das ist kein kleines Problem sondern ein Tsunami,Erdbeben was weiß Ich alles!
    Und das ist das Große Problem warum die Notenbanken intervenieren und die Zinsen nicht anheben können.
    Holt euch das Jahr 2008 noch mal im Gedächtnis zurück!??
    Die Märkte brachen teilweise über die hälfte ein was ein Vernichtung der Börsenwerte nach sich zog!
    Die Frage erübrigt sich was mit den Anleihemärkten passieren wird!?
    Das ist ein Teufelskreis mit keinem Entkommen!!

  2. Avatar

    klack

    10. November 2016 11:42 at 11:42

    Wenn das Volumen am Anleihemarkt so gigantisch ist und die Chinesen verkaufen signifikant T-Bonds ,werden die erhaltenen Dollars in die eigene Währung getauscht,müssten sie damit eigentlich den Dollar schwächen ,aber das Gegenteil ist der Fall..
    Findet nicht allgemein eine Umschichtung vom Anleihemarkt in den Aktienmarkt statt,
    die Marktbewegung spricht dafür,wie lange das anhält wird sich zeigen.

  3. Avatar

    Wolfgang Koch

    10. November 2016 11:43 at 11:43

    Bravo,Herr Fugmann,so ist die Lage&nicht anders.Ich verfolge FMW tagtäglich,ärgere mich manchmal selbst über nicht geistesüberprüfte,emotionale Kommentare meinerseits,aber that’s life!Mir scheint auch:Die Globalisierung frisst ihre Kinder.Schaut alles in allem nicht so gut aus(pers.Meinung!)Die,mir vom Restvolk vorgesetzte Kanzlerin,sieht das etwas anders:Deutschland geht es gut(richtig zur Zeit,aber warum?Schuldenorgie aller unserer Kunden auf dem Weltmarkt?)Targosalden?.Sollten die Oettingerschlitzaugen(scusi!)ihre Amistaatsanleihen abstossen,bevor the Donald sie inflatorisch entwertet,dann Gnade uns der Allmächtige!Aber bis dahin spielt die Musik auf dem Oberdeck der unsinkbaren HMS=Her Merkels Ship.MS Deutschland noch!

  4. Avatar

    Karl Müller

    10. November 2016 11:58 at 11:58

    Keine Chance, dass die Aktien-Zocker mal richtig auf die Frexxe kriegen. Mal drei Jahre fallende Märkte und dazwischen immer kurze scharfe Zwischenrallys, welche die Ich-hab-den-Boden-gefunden-Wahrsager wieder in den Mart treiben und ihnen doch neue herbe Verluste bescheren *träum*

    *Puff* – aAus der Traum. Die einfache Wahrheit ist:

    Die Rißes dieser Welt werden gewinnen – einfach weil sie in der Überzhl sind und sich an keinem Tag zu schade sind, immer und immer wieder unverschämt und ganz frech den Zentralbank-Put einzufordern.

    Da helfen auch keine kapitalflüchtenden Chinesen. Kapitalflucht ist übrigens ein genau so sinnloses Wort wir Rostschutzfarbe – schützt den Rost … ;-)

    VG Karl

    • Avatar

      Gerd

      10. November 2016 12:29 at 12:29

      Im Hinterkopf bitte immer an TINA denken. Und wenn der sichere Hafen „Anleihen“ zu unsicher wird, dann erst recht.

      Der Crash kommt. Aber wie ich Ihnen schon mal schrieb, kommt der nach meiner Meinung für Ihre Dax-Shorts wahrscheinlich zu spät.
      Dass Sie sich von den Zins-Shorts getrennt haben, ist mehr als verständlich (schrieb petkov auch schon). Allerdings natürlich nichts desto weniger äußerst schade.

      • Avatar

        mona

        10. November 2016 14:40 at 14:40

        Ich bin ja kein Profi,aber bitte,wer ist „TINA“…?

        • Markus Fugmann

          Markus Fugmann

          10. November 2016 14:42 at 14:42

          @mona, eine sehr hübsche junge Dame! Nein, im Ernst: das steht für „There is no alternative“, es gibt keine Alternative (gemeint ist keine Alternativen zu Aktien)..

          • Avatar

            mona

            10. November 2016 15:04 at 15:04

            Erstmal vielen Dank,für die Info..,
            …aber dann ist doch Edelmetall die beste Alternative zu Anleihen,oder?

          • Markus Fugmann

            Markus Fugmann

            10. November 2016 15:07 at 15:07

            @mona, seit dem Trump-Sieg denke ich ja – davor wäre ich skeptisch gewesen..

          • Avatar

            mona

            10. November 2016 15:14 at 15:14

            @Fugmann,
            dann bin ich ja beruhigt,denn was man hier alles so an Kommentaren in letzter Zeit lesen muß,da wird mir ganz schwindelig.

    • Avatar

      sabine

      11. November 2016 09:45 at 09:45

      2008 haben viele Aktien-Zocker einstecken müssen. Diesmal sicher auch. Nur eben nicht die fetten Banken an der Wallstreet oder City of London.
      Hat 2009 nicht GoldmanSachs einen Supergewinn eingefahren? Und JPMorgan?

      a) Zumindest will Trump keinen Weltkrieg, was aber immer wieder in meiner Umgebung herumposaunt wird. Denn er will Freund zu Putin sein. Und China fängt sicher keinen an.
      b) Es interessiert ihn eher der Wirtschaftsschaden aus Japan und China. „When was the last time you saw a Chevrolet in Tokyo?“ Nicht die Weltmachstellung gegen Rußland.
      c) Er spricht über falsche Statistiken der Regierung!!!!! „He also said the US unemployment rate of about 5.5% was misleading, as it did not include people who had given up looking for work: Zitat“But think of it: GDP below zero, horrible labor participation rate, and our real unemployment is anywhere from 18% to 20%. Don’t believe the 5.6%. Don’t believe it.““
      Er ist gegen Obamacare:“ Trump repeatedly called Obamacare „the big lie“ and mocked Obama’s signature healthcare policy for its rocky rollout and buggy website. „It is a disaster. And remember the $5 billion website? 5 billion we spent on a website. And to this day it doesn’t work. A $5 billion website….,“ he said.“
      .
      Und er will „End the current strategy of nation-building and regime change.“ Gegen Wolfowitz &Co, die immer sagen:
      „Eine „feindlich gesinnte Macht“ wird als Land klassifiziert, das stark genug ist, um eine von Washington unabhängige Außenpolitik zu betreiben.“ http://www.cashkurs.com/kategorie/wirtschaftsfacts/beitrag/warum-die-welt-in-ernsthafte-probleme-schlittert/
      Der hat doch mal Eier in der Hose.

  5. Avatar

    leser

    10. November 2016 12:24 at 12:24

    Ich denke auch, dass der Anleihemarkt das Schicksal der Aktienmärkte bestimmen wird. Der Anleihmarkt ist über 3,5 x so groß. Schon 1% Punkt Zinsanstieg bedeutet bei der derzeitigen Verschuldung einen (Buch-)Verlust von 2,1 Billionen. Und wenn das Vertrauen in diesen Markt ins Wanken kommt, dann werden auch die Zentralbanken nicht mehr helfen können. Dafür ist der Markt einfach zu groß. Dazu kämen dann noch die Schieflagen bei den Derivaten, die auch nur begrenzt große Schwankungen vertragen dürften. Tage wie gestern in Folge können da bestimmt schon einige Kopfzerbrechen machen.
    Der Dax wird morgen oder am Montag wieder Richtung Süden drehen. Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine.

  6. Avatar

    Gerd

    10. November 2016 13:00 at 13:00

    M. Müller schrieb seinen ähnlichen Kommentar schon mal an anderer Stelle.
    Ich meinen folgenden in viel kürzerer Form auch:

    Wenn es denn schon so zu erwarten ist, dass der Anleihemarkt einbricht, was spricht dagegen, das Geld vorher, d.h. JETZT noch in einen sicheren Hafen umzuschichten? Und das wäre,
    Z.Bsp. in A k t i e n .
    Einfach mal den umgekehrten Weg beschreiten wie die letzten Jahre?

    Wir haben bei den DAX-Werten ein durchschnittliches KGV von, sagen wir 15. Ich glaube zwar, es liegt sogar niedriger, aber sei es drum. Ich lege noch einen Schnaps drauf und sage 20.

    In zurückliegenden Jahrzehnten war es üblich, im Rahmen von Unternehmensbewertungen (z.B. w eines Verkaufs), den angemessenen Kaufpreis zu ermitteln aufgrund des Substanzwertes und des voraussichtlich nachhaltig erzielbaren Ertrags, der auf die Gegenwart abgezinst wird (Ertragswert). Nichts anders ist es bei den DAX-Unternehmen.

    Da einem Unternehmen und den Erträgen daraus Risiken anhaften, wurden die Erträge aus einer mehr oder weniger risikofreien Anlage gegenübergestellt. Sagen wir mal die 10-jährige Bundesanleihe. Es wurde sodann ein Risikoabschlag auf den Ertragswert gemacht.

    Mir ist nicht bekannt, dass der Risikoabschlag jemals mehr als 50% betrug – oder umgekehrt, der Aufschlag zugunsten der Bundesanleihe mehr als 100%.

    Das übertragen auf die heutigen KGV bei Aktien von unterstellten 20, dürfte die Bundesanleihe demnach ein „KGV“ von 40 aufweisen. Dann wäre Gleichstand. Aktien wären nicht zu teuer, nicht zu billig – und dasselbe gilt für die Anleihe.

    Nun hat die Anleihe bei einer momentanen Rendite von etwa 0,25% aber nicht ein KGV von 40, sondern von 400 (100:0,25).

    Um den Gleichstand auf längere Sicht wieder herzustellen, müsste entweder die Anleiherendite auf 2,50% steigen, was einem Bundfuture-Kurs von ganz, ganz grob gerechnet 135 entspräche, statt jetzt 160.
    Oder der DAX dürfte auf 100.000, i.W. Einhunderttausend steigen.
    Dann hätte er ein KGV von 200, was beim „KGV“ von 400 durchaus angemessen wäre.

    Unterstellt, diese Berechnung aus der betriebswirtschaftlichen Unternehmensbewertung würde auch heute noch gelten – welches von den beiden genannten Anlageformen ist dann wohl der „sicherere Hafen“?

  7. Avatar

    mona

    10. November 2016 13:10 at 13:10

    Die Probleme wurden hier bei FMW zum Thema „Wirtschaftskrieg&Devisenreserven“schon mal ausführlich kommentiert!
    Somit ohne Worte…
    Aber wenn wir uns schon so auf den Anleihecrash eingerichtet haben,was ist die Alternative?
    Keine Ideen hier zu lesen…?

  8. Avatar

    Claudius

    10. November 2016 13:23 at 13:23

    @ Markus Fugmann
    Sehr guter Artikel:

    Je stärker der $ aufwertet, desto mehr muss China intervenieren um den Yuan nicht zu sehr abzuwerten. Im Umkehrschluss steigen die Renditen in den USA und somit die Zinsen. Die Folge ist ein schwächerer Dollar. Damit kann/muss China nicht mehr so viel zur Stützung der Währung intervenieren, da die Devisenreserven nicht mehr so viel wert sind, aber auch der Kapitalfluchtsog abnehmen wird.
    Das Inflationsprogramm der USA führt insbesondere dann in China und den Emerging Markerts durch den schwächeren Dollar wieder zu erhöhtem Konsum = Aufwertung der Inlandswährung und somit insb. in China wieder zu erhöhten Rohstoffimporten und somit wieder steigende wirtschaftliche Aktivität. Analogie zu Nixon 71 = Aufhebung des Goldstandards = Dollarabwertung (gegen Rohstoffwährungen) und Reagan Anfang der 80er erst eine kurze Depression in den USA (Anzeichen haben wir ja in der Industrie schon länger) und dann die extreme Aufwertung bis 85 (hier insb. gegen Industriewährungen).
    Es bleibt spannend.

    Grüße Claudius

  9. Avatar

    LookOut

    10. November 2016 13:37 at 13:37

    Nicht vergessen auch wenn China viel weniger exportiert in die USA, der Wachstum Chinas um 7% ist trotzdem gebucht, dadrüber müssen wir uns keine Sorgen machen.

  10. Avatar

    Gerd

    10. November 2016 13:46 at 13:46

    „Je stärker der $ aufwertet, desto mehr m u s s China intervenieren um den Yuan nicht zu sehr abzuwerten. Im Umkehrschluss steigen die Renditen in den USA und somit die Zinsen. Die F o l g e ist ein s c h w ä c h e r e r Dollar“

    Kann man vielleicht so oder so sehen.
    Könnte es aber nicht auch sein, das China gar nicht m u s s , weil ihm ein schwächerer Yuan Äußerst gut in den Kram passt?

    Und mit der These, dass höhere Zinsen eine s c h w ä c h e r e
    Währung hervorbringen, habe ich auch ein klein bisschen meine
    Verständnisprobleme. Ich muss auch immer schlucken, wenn Herr Fugmann das im Zusammenhang mit dem britischen Pfund bringt.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      10. November 2016 13:52 at 13:52

      @Gerd, da müssen Sie etwas missverstanden haben: wann habe ich gesagt, dass höhere Zinsen eine schwächere Währung hervorbringen??
      Ich sage: das schwache Pfund steigert die Inflation in UK, weil UK auf Importe angewiesen ist und für diese Importe nun deutlich mehr Pfund zahlen muß als vor dem Brexit-Votum! Nichts anderes..

      • Avatar

        Gerd

        10. November 2016 13:58 at 13:58

        Wenn ich das falsch verstanden habe, bitte ich jetzt schon mal um „Sorry“.

        Ich schau das noch mal nach in den Berichten über Brexit.
        Ich muss jetzt aber erst mal weg. Kann sein, dass ich dann morgen im Büßergewand vor Ihnen stehen werde.

        • Avatar

          mona

          10. November 2016 14:27 at 14:27

          @Gerd,
          Wenn es eng wird,dann ist „Mann“schnell wieder weg!
          Aber du brauchst dich doch nicht deswegen sooo klein zu machen,das nach Unterwürfigkeit klingt!
          Was ist hier bloß aus den Männern geworden?
          Gerd..Kopf hoch und durchstarten…

    • Avatar

      Claudius

      10. November 2016 13:58 at 13:58

      Ich denke temporär = kurzes Zeitfenster max. 2-3 Jahre sind Inflation und höhere Zinsen währungsschwächend insb. beim Dollar, da Rohstoffe in Dollar gehandelt werden, deshalb nimmt die USA auch eine Sonderstellung ein. On the long run > 3 Jahre wird der Dollar sicher aufwerten, nämlich dann wenn der Rest der Welt nachziehen muss.

    • Avatar

      mona

      10. November 2016 14:04 at 14:04

      Was China angeht,da verweise ich auf ein Datum,um den 20.April 2016…!
      Aber es wurde leider schon wieder von den Profis vergessen und unser Mainstream hat gar nicht darüber berichtet!
      Darum die jetzt aufkommende Diskussion, heute durch einen Bericht von @Fugmann…
      Nur soviel dazu….FMW hat noch nicht vor allzu langer Zeit,über die schwindenden Devisenreserven in China berichtet..und was erwähnt er seit ca.2 Tagen verstärkt…?

      • Avatar

        mona

        10. November 2016 14:32 at 14:32

        Ein Hinweis für die Innlands Trader:
        Rußland ist der Schuhputzer von China!
        …und beide verfolgen das gleiche Ziel…..das wir,die Mehrheit der Deutschen,noch gar nicht auf dem Schirm haben….

  11. Avatar

    gerd

    11. November 2016 08:45 at 08:45

    Nur der guten Ordnung halber:

    Nur für den Fall, dass irgendwer an dieser Stelle meine angekündigte Antwort an@Markus Fugmann
    bzgl. meiner Zins/-Währungsunterstellung erwarten sollte – die steht auf Marktgeflüster von Donnerstag Abend.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

Veröffentlicht

am

Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

So tickt die Börse

weiterlesen

Allgemein

Banken: Nach den großen jetzt die kleinen – Aufseher biegen Vorgaben zurecht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Türme von Banken in Frankfurt

In der aktuellen Coronakrise sieht man es in vielen Bereichen. Wo es nicht passt, wird es von staatlicher Seite eben passend gemacht. Das ändert nichts an der miesen Lage, aber es sieht dann eben optisch besser aus. So zum Beispiel bei zahlreichen Zombieunternehmen, die auch nach der Krise wohl nicht wieder gesunden werden, die aber dank Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Jahresende weiter machen können. Völlig überschuldet, aber noch liquide. Läuft. Und die Banken, die bekamen auch schon Hilfe.

Aufsicht hilft Banken mit verschiedenen Maßnahmen

Seit März müssen die Banken Kredite, die sie ihren Kreditnehmern gestundet haben, nicht als Kreditausfälle abschreiben. Also sind offiziell keine Verluste sichtbar, obwohl diese Kreditforderungen in vielen Fällen wohl ganz oder teilweise wertlos sind. Und heute verkündet die BaFin, dass die kleineren Banken in Deutschland, die unter direkter Aufsicht der BaFin stehen, ab dem 22. September bis Juni 2021 eine Erleichterung erhalten. Es wird ihnen nämlich erlaubt „gewisse Risikopositionen“ gegenüber der Zentralbank zeitlich befristet nicht zu berücksichtigen, wenn sie die Verschuldungsquote berechnen. Details der Regelung und den Voraussetzungen zur Nutzung kann man hier nachlesen. Weiter sagt die BaFin heute, Zitat:

Der europäische Gesetzgeber hat mit Artikel 500b der Europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine zeitlich befristete Möglichkeit geschaffen, um gewisse Risikopositionen aus der Berechnung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) auszunehmen. Dies soll die Durchführung geldpolitischer Maßnahmen erleichtern. Gemäß Artikel 500b der CRR erklärt die BaFin nach Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) als betroffener Zentralbank und in Koordination mit der Deutschen Bundesbank, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die diesen Ausschluss rechtfertigen.

Die selbe Erleichterung zur Berechnung der Verschuldungsquote bei Banken hatte die EZB als Aufsichtsbehörde letzte Woche schon den großen Banken gewährt, die unter ihrer direkten Aufsicht stehen. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unseren heutigen Artikel über eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesbank, wonach die Banken in Deutschland (als Gesamtbetrachtung) letztes Jahr 2 Milliarden Euro Verlust gemacht haben, nach 12,2 Milliarden Euro Gewinn in 2018.

weiterlesen

Allgemein

Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen