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China und Industriespionage – der Westen wehrt sich

Neben dem Handelskrieg ist der Vorwurf der US-Regierung an den Herausforderer, geistiges Eigentums zu stehlen, einer der zentralen Punkte in der Auseinandersetzung

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

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Neben der großen Auseinandersetzung um das große Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und China gibt es ein zweites großes Thema, nämlich den Vorwurf der US-Regierung an den Herausforderer des Diebstahls geistigen Eigentums. Dieser ist Teil der chinesischen Wachstumsstrategie und vielen Staatenlenkern bekannt, man verdrängte diese Tatsache bisher nur, um nicht den Zugang zu diesem riesigen Markt zu verlieren. Jedoch sind die Schäden durch die allgegenwärtige Industriespionage nicht mehr zu übersehen, wie eine Reportage auf ARTE deutlich gemacht hat.

China – der rasche Aufstieg im Industriesektor

Der unheimliche Aufstieg Huaweis hat das Fass vielleicht zum Überlaufen gebracht. Der chinesische IT-Riese, dessen Chef Ren Zhengfei einst im Forschungszentrum der Volksbefreiungsarmee arbeitete, strebt im Bereich der modernen Kommunikation mit der Produktion von Mobiltelefonen, von Funknetzen (5G), Netzwerk-Infrastrukturen und Cloud Computing u.w. nach der Vorherrschaft. Seit geraumer Zeit bezichtigt die USA den Emporkömmling ganz offen der Spionage und erhebt erhebliche Einschränkungen im Handel mit dieser Firma.

Nicht nur die Amerikaner fürchten die chinesische Spionage in vielen Wirtschaftsbereichen, mittels der sich die Chinesen jede Menge Entwicklungskosten ersparen, um dann mit billigen Arbeitskräften zu produzieren. Eine Reportage auf ARTE (Rote Spitzel – China und die Industriespionage) zeigt eine Entwicklung, die bereits schon Jahrzehnte andauert, aber den Westen jetzt zu Widerstand fordert. Ein paar Kernaussagen:

  • China ist 2001 der Welthandelsorganisation WTO beigetreten. Es hat die Regeln zum Schutz geistigen Eigentums akzeptiert, hält sich aber nicht daran.
  • Bereits in den 90-er-Jahren startete es in großem Ausmaß mit den Hochgeschwindigkeitszügen. Nach Beschaffung des technologischen Know-Hows (man bestand auf Endfertigung in China) erstellte man anschließend eigene Patente und reinigte sich damit vom Vorwurf des Diebstahls geistigen Eigentums.
  • Viele Beispiele gibt es auch im Automobilsektor und im Flugzeugbau. Airbus meldete 2007 einen A 320 als vermisst, der aber später auf einem Flughafen wiederentdeckt wurde. Der entwickelte chinesische Prototyp ähnelte dem europäischen Modell mehr als deutlich. Bemerkung eines Ingenieurs: „Die fetten Jahre für Airbus sind wohl vorüber.“
  • Derzeit locken die Chinesen viele ausländische Forscher mit viel Geld nach China. Man nennt es 1000 Leute-Programm. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft will man dadurch an das ausländische Wissen und dabei Tausende von Ingenieuren und Fachleute ausbilden.
  • Sandkorntechnik ist ein Begriff für das unermüdliche Sammeln von Informationen, mit den Methoden der raffinierten Verträge mit ausländischen Firmen, mit dem Kauf von Firmen (Kuka war in Deutschland so etwas wie ein Weckruf) und mit Spionage. Diese Daten werden dann in China von einer Unzahl von Spezialisten ausgewertet.
  • Der chinesische Drache ist unersättlich. Europäische Politiker und Unternehmer waren verblendet von der Größe des chinesischen Marktes.
  • Der deutsche Geheimdienst schätzt die Kosten der Spionage allein im Bereich des Maschinenbaus auf 50 Milliarden Euro jährlich.

China und der Clash of Civilisations: Ein guter Schüler ist der, der seinen Meister kopiert. Nicht bei uns, aber der Westen scheint aufgewacht zu sein.

Fazit

Der chinesische Drang nach westlichem Wissen und Technolgie hat bereits viele Jahre gewütet und einen gigantischen Aufschwung ermöglicht. Die vielen betroffen Ländern haben lange weggesehen, weil man den Riesenmarkt mit 1,4 Milliarden Menschen nicht gefährden wollte.

Sollte man jetzt der US-Regierung mit ihrem polternden Präsidenten tatsächlich einmal für eine Sache dankbar sein?

Und soll eine Nation, die ihre Bevölkerung knechtet, überwacht und die Menschenrechte missachtet, wirklich zur führenden Weltmacht werden?

Der Westen will anscheinend nicht mehr akzeptieren (noch nicht in allen Ländern), dass in der Wirtschaft mit gezinkten Karten gespielt wird. Ein Beispiel dafür ist auch die Änderung des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes.

So haben Chinas Firmen laut der Berechnungen der Beratungsfirma E&Y in Europa im ersten Halbjahr nur noch 2,1 Milliarden Euro für Firmenkäufe und -beteiligungen in Europa ausgegeben, ein Rückgang von über 80 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2018 – was aber zu einem großen Teil auch auf die Wachstumsschwäche im eigenen Land zurückzuführen sein dürfte.

Stiehlt China systematisch geistiges Eigentum?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Bernd Adamer

    1. Oktober 2019 12:22 at 12:22

    Hallo Hr. Müller. Ich schätze ihre Analysen sehr und lese sie aufmerksam. Doch eine Frage drängt sich zu Ihrem Bericht von heute mir auf. „Fazit , weil man den Riesenmarkt mit 1,4 Milliarden Menschen nicht gefährden wollte“. So sozial schätze ich keine dieser Länder ein, vielmehr denke ich, geht es um satte Profite durch chinesische billige Arbeitskraft. Was meinen Sie ?

  2. Avatar

    Walter Finger

    1. Oktober 2019 12:53 at 12:53

    Ihren Artikel in allen Ehren….aber hier dürften sie wohl über das Ziel hinausgeschossen sein…..die ideologischen Bemerkungen können sie getrost stecken lassen….offensichtlich verwechseln sie die usppa mit China…oder lassen sich hier absolut einseitig aus…der Westen als aufgewachte Größe???…da muss ich schon lauter schmunzeln als wie ich mir das vorgenommen habe…man könnte noch mehr dazu sagen…aber es lohnt sich nicht….mit solchen Hampelmännern und Frauen wie Maas und Merkel an der spitze hat dies BRD noch nicht mal die Lacher auf seiner Seite…China legt viele politische Maßnahmen mit den vorgenannten auf eis…Maas sollte mal in die Geschichte schauen was in Südchina von diesem Westen alles angezettelt,gemordet und geraubt wurde…Millionen Chinesen gingen zu Grunde….China hat jedes Recht den sog. Westen entgegen zu treten nach dem was dieser sog. Westen China angetan hat…

  3. Avatar

    Wolfgang M.

    1. Oktober 2019 13:21 at 13:21

    Hallo Herr Adamer. Vollkommen richtig. Man wollte sich das Geschäft mit dem Riesenreich nicht entgehen lassen. Menschenrechtsverletzungen, Hinrichtungen, Arbeitslager, hin oder her. Früher gab es das ewige Gezerre mit der Meistbegünstigungsklausel.
    Viele Grüße

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Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

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Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

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Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

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Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

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Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

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