China trotzt den US-Zöllen – die Industrie wächst, doch der Konsum bleibt schwach. Die neuen Einkaufsmanagerindizes zeigen eine gespaltene Wirtschaft mit starken Exporten und schwächelnder Binnenkonjunktur. Die neuesten Einkaufsmanagerindizes vom Wochenende belegen: Die US-Strafzölle haben offenbar (nock) keinen Einfluss auf die Exportindustrie in China. Während das verarbeitende Gewerbe im Februar 2025 eine erfreuliche Erholung verzeichnete, bleibt der Dienstleistungssektor hinter den Erwartungen zurück. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, dass die Kluft zwischen der exportorientierten Industrie und der inländischen Konsumnachfrage weiter wächst. Die chinesische Wirtschaft bleibt damit gespalten: Die Produktion läuft stabil, während der private Konsum weiter auf der Stelle tritt.
China-Industrie auf Wachstumskurs – Binnenmarkt kämpft
Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im Februar auf 50,2 Punkte, nachdem er im Januar noch bei 49,1 Punkten lag. Damit rutschte der Index wieder in den Expansionsbereich. Getrieben wurde das Wachstum in China vor allem durch eine Zunahme neuer Aufträge und höhere Einkaufsvolumina, was zu einem soliden Produktionsanstieg führte. Besonders die großen Industrieunternehmen profitierten von den gestiegenen Auftragseingängen, während kleine und mittelständische Betriebe weiterhin mit Margendruck und steigenden Kosten kämpfen.
Parallel dazu legte der Caixin Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, der tendenziell kleinere und exportorientierte Unternehmen abbildet, auf 50,8 Punkte zu. Das war der höchste Stand seit drei Monaten. Besonders auffällig war die starke Zunahme der neuen Exportaufträge, die den höchsten Stand seit April des Vorjahres erreichten. Diese Entwicklung zeigt, dass die chinesischen Exporteure trotz der globalen Unsicherheiten weiter gut aufgestellt sind.
Mehr Aufträge, weniger Jobs – paradoxe Wirtschaft in China
Trotz dieser positiven Signale bleibt die Beschäftigungssituation angespannt. Der Caixin-Index zeigt nunmehr seit einem halben Jahr, dass die befragten Unternehmen ihr Personal reduzieren. Befragte Hersteller in China meldeten, dass sie weiterhin Personal abbauen, um Kosten zu sparen. Dies geschieht hauptsächlich durch weniger Neueinstellungen und reduzierte Arbeitszeiten. Gleichzeitig verhinderten jedoch steigende Auftragszahlen eine drastischere Reduzierung bei der Arbeiterschaft. Die schrumpfenden Margen zwingen Unternehmen zu mehr Effizienz, was sich in einem nur geringfügigen Personalabbau widerspiegelt.
Gleichzeitig füllen sich die Auftragsbücher weiter. Bereits im fünften Monat in Folge verzeichnet der Caixin-Index einen wachsenden Auftragsbestand. Unternehmen können trotz gestiegener Produktion ihre Bestellungen kaum noch zeitnah abarbeiten. Der Arbeitsdruck in der Produktion steigt, während Unternehmen zögern, zusätzliches Personal einzustellen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird es schwierig sein, die Lieferketten stabil zu halten.
Konsumflaute: Handel und Gastronomie leiden
Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor in China stagnierte im Februar bei exakt 50,0 Punkten, was einem leichten Rückgang um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat entspricht. Vor allem der Einzelhandel sowie das Beherbergungs- und Gaststättengewerbe verzeichneten einen Geschäftsrückgang, da ihre Indizes unter der kritischen Marke von 50 Punkten lagen. Das bestätigt, dass die Binnenkonjunktur weiterhin schwächelt und das Verbraucherverhalten verhalten bleibt. Die chinesischen Konsumenten bleiben angesichts unsicherer Einkommensperspektiven zurückhaltend, was insbesondere den kleineren Dienstleistungsbetrieben zusetzt.
Handelskrieg ohne Wirkung: Chinas Exportaufträge weiter stark
Nach einem starken Dezember zeigt sich, dass die erste Runde von zehn Prozent zusätzlichen US-Zöllen auf chinesische Importe kaum Auswirkungen auf die Exportaktivitäten chinesischer Unternehmen hat. Die Bestellungen aus dem Ausland steigen nach dem Frühlingsfest wieder an. Dennoch erhöht das wachsende Ungleichgewicht zwischen der chinesischen Binnenwirtschaft und dem Exportsektor den Druck auf Peking, gegen das steigende Handelsdefizit vorzugehen. Besonders betroffen sind Unternehmen, die auf den US-Markt angewiesen sind, da sie sich mittelfristig auf weitere Restriktionen einstellen müssen.
„Zwei Sitzungen“: Wirtschaftspolitik muss liefern
Bei den diese Woche stattfindenden „Zwei Sitzungen“ legt die chinesische Führung neue Ziele für das jährliche Wachstum und wirtschaftspolitische Leitlinien fest. Entscheidend wird sein, welche Maßnahmen zur Ankurbelung des weiterhin schwachen Konsums und damit der Binnenwirtschaft in China ergriffen werden. Das massive Konjunkturpaket vom Herbst letzten Jahres zeigt bislang kaum Wirkung. Zudem wird die Regierung ihre Strategie zur Entwicklung des Yuan präzisieren. Eine Abwertung der Währung könnte die Strafzölle teilweise kompensieren, würde aber auf Kosten der Internationalisierung des Yuan gehen.
Die Diskussionen werden sich auch um die Stabilisierung des Arbeitsmarktes drehen. Insbesondere in den Metropolen steigt die Arbeitslosigkeit unter jungen Chinesen. Dies könnte die Regierung dazu veranlassen, gezielte Programme zur Förderung von Unternehmensgründungen oder infrastrukturellen Großprojekten zu beschließen.
Chinas Wachstum bleibt ungleich verteilt
Der Einkaufsmanagerindex bestätigt, was sich bereits abzeichnete: Die zusätzlichen Strafzölle von Trump haben bislang kaum Auswirkungen auf die chinesischen Exporte. Die Bestellungen aus dem Ausland steigen weiter an.
Gleichzeitig zeigt sich, dass die wirtschaftliche Zweiteilung Chinas sich eher vertieft als abschwächt. Das produzierende Gewerbe, dessen Waren mehrheitlich für den Export bestimmt sind, steht vergleichsweise stabil da, während die Binnenwirtschaft, insbesondere der Konsum, weiterhin schwach bleibt.
Peking steht vor der Aufgabe, das wirtschaftliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Die „Zwei Sitzungen“ werden Aufschluss darüber geben, welche wirtschaftspolitischen Weichen gestellt werden, um das Wachstum zu stabilisieren und die Binnenwirtschaft stärker zu unterstützen. Besonders im Fokus wird stehen, ob die chinesische Regierung den Schritt wagt, die Löhne anzuheben, um den Konsum zu stimulieren, oder weiterhin auf Exportwachstum als wichtigste Stütze der Wirtschaft setzt.
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