In der Krise schaut man zuerst auf den eigenen Teller. Bei Corona war das so, und auch jetzt während des Iran-Kriegs ist es das selbe. Lieferungen von Öl und Gas aus dem Nahen Osten fallen zu großen Teilen aus. Besonders betroffen ist Asien. Und nun müssen die dortigen Volkswirtschaften zusehen, wie sie zurecht kommen. Beim Thema Gas sieht man bereits, wie Tanker ihre Routen von Europa nach Asien ändern, weil dortige Einkäufer offensichtlich mehr Geld zahlen als die Europäer. Und auch beim Thema Öl tut sich was.
China ist zwar ein Mega-Importeur von Rohöl. Aber nach der Umwandlung in den Raffinerien in Endprodukte wie Benzin und Diesel ist auch China ein Exporteur. Und in dieser Krise hat das Land jetzt verkündet, dass die Raffinerien nichts mehr exportieren dürfen. Eine Kaskade an Ereignissen könnte die Folge sein. Denn dadurch werden in dem Empfängerländern dieser fertigen Produkte die Mengen knapper, und auch dort könnte man Notmaßnahmen ergreifen.
China hat laut einem Bericht von Bloomberg seine größten Ölraffinerien angewiesen, die Exporte von Diesel und Benzin auszusetzen. Hintergrund ist der eskalierende Konflikt am Persischen Golf, der die Versorgung mit Rohöl aus einer der weltweit wichtigsten Förderregionen empfindlich stört. Damit reagiert Peking auf drohende Engpässe – und stellt die eigene Energiesicherheit über den Weltmarkt.
Die Anweisung kam dem Vernehmen nach von der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), der obersten Wirtschaftsplanungsbehörde des Landes. Vertreter der Behörde haben sich mit Führungskräften großer Raffinerien getroffen und sie mündlich aufgefordert, die Ausfuhr von Raffinerieprodukten vorübergehend und mit sofortiger Wirkung zu stoppen, wie darüber informierte Kreise Bloomberg sagten.
Der Stopp betrifft nicht nur künftige Geschäfte. Wie zu hören ist, sollen die Raffinerien keine neuen Exportverträge mehr abschließen und bereits vereinbarte Lieferungen nachverhandeln, um sie möglichst zu annullieren. Ausnahmen gelten allerdings für Flug- und Schiffstreibstoffe, die sich in Zolllagern befinden, sowie für Lieferungen nach Hongkong und Macau, wie es weiter hieß.
PetroChina, Sinopec, CNOOC, Sinochem und der private Raffineriebetreiber Zhejiang Petrochemical erhalten regelmäßig staatliche Exportquoten für Kraftstoffe. Auf Anfragen von Bloomberg haben sie ebenso wenig reagiert wie die NDRC.
Chinas Raffineriekapazitäten sind gewaltig. Ein Großteil der Produktion dient jedoch dem heimischen Markt. Deshalb gilt das Land international nicht als systemrelevanter Lieferant von Kraftstoffen. In Asien rangiert China beim seegestützten Export lediglich auf Platz drei – hinter Südkorea und Singapur. Die Vorsichtsmaßnahme Pekings steht exemplarisch für eine Entwicklung in der gesamten, stark importabhängigen Region: Mit der Zuspitzung der Krise im Nahen Osten rückt die Sicherung der eigenen Versorgung an erste Stelle.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken
